Review

DEAD ALONE - Serum01.03.2018

DEAD ALONE - Serum

DEAD ALONE - Serum

verfasst von Tim R.

Wenn Ihr euch drei Kauklötze Hubba Bubba reinschmeisst, diese zerkaut, dann die angerotzte Gummimasse aus dem Mund herausnimmt und einen Kaugummifaden ziehen lasst, dann fällt dieser wahrscheinlich ziemlich lang aus. Dabei geht es im Hinblick auf dieses Album nicht um die Länge, sondern um die langgezogene, gummiartige Zähigkeit, die einen einfach nicht an die Eier packt.

Es beginnt vielversprechend:

In depressiv-anmutender Manier führt uns "Delusion" einfühlsam in die musikalische Welt von Dead Alone ein. Die leichten Klänge wechseln mit einem Mal in tiefes Gegrowle über, gespickt mit Paradise Lost-artigem Gitarrenspiel, welches als allgemein professionell gilt und daher dieser Scheibe zugutekommt. Man merkt: ja, unsere menschliche Existenz ist tragisch. Die Jungs verstehen mich.Und dass unsere Existenz tragisch ist, wird auch durchgängig auf diesem Album in entsprechender, musikalischer Stimmung zelebriert - leider nicht mitreißend genug.
Alle weiteren Tracks neben dem Opener versinken vor allem im schwerem, gesanglichem und instrumentalem Geknüppele - eine Ausnahme gibt es jedoch, zu der ich im nächsten Abschnitt komme.

Zum Atmen kommt der Zuhörer dabei selten. Einzig und allein einige eingestreute, depressiv-klingende Instrumentalparts, die an die Klassiker-Schinken von Paradise Lost erinnern, scheinen in der schwerfälligen (aber nicht langsam spielenden) Masse aus E-Gitarre, Bass und Drums gelegentlich durch und lassen den Zuhörer kurz interessiert aufhorchen - vor allem, wenn Sympathien zu Paradise Lost bestehen. Interessant ist, dass das reine instrumentale Stück "Fear" den Höhepunkt der Platte markiert. Die Band scheint ihre Stärken vor allem dann zu offenbaren, wenn es um den Übergang vom ruhigen und düsteren Stil in die härtere Spielweise geht. Mit einem Mal wird die E-Gitarren- und Drumarbeit gegen Ende dieses Stücks dramatisch mitreißend. Fans des Doom- und Melancholic-Metal dürfen ruhig ein Ohr riskieren.

Für die Band selbst ist dieses Album ein guter Orientierungspunkt, wenn sie künftig weiterhin auf der düsteren sowie depressiven Musikschiene fahren wollen. Der Fokus sollte dabei vor allem mehr auf die Einbringung von Harmonie, Ruhe und Gelassenheit liegen. Kombiniert mit der zielgerichteten, sinnvollen Einfügung von härteren Instrumentalparts kann hier in Zukunft eine Band heranreifen, die das Erbe von Paradise Lost weiterträgt.

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