Review

Cypecore - The Alliance20.03.2018

Cypecore - The Alliance

Cypecore - The Alliance

verfasst von Henry E.-S.

Seit Jahr und Tag suche ich nach der Einen, endlich mal gut gelungenen Kombination aus elektronischem Sound und Metal. Und Metalstep gehört da nicht dazu. In meinem feuchten Traum davon hört sich das dann immer nach 80er Weltraum-Synthiwave an. Aber im Falle von Cypecore darf ich wohl noch weiter suchen. Oder gleich eine Menge Geld aus dem Fenster werfen, mir Gitarre, Verstärker und Elektro-Misch-Maschine kaufen und es selbst machen. Und das nicht nur weil Cypecore zwei Buchstaben an einem wirklich geilen Bandnamen vorbei geschlittert sind. Jungs, der Cybercore als Bandname lag direkt vor eurer Nase! Cybecore`s neues Album The Alliance hat in etwa soviel mit Cybermetal zu tun, wie edles Qualitätsrindfleisch in der Tiefkühl-Lasange ist. Eine Verbindung gibt's aber trotzdem mit Tiefkühllasange: Man ist sie einfach trotzdem regelmäßig. Der Hunger treibts rein. Es schmeckt wie es schmeckt, solide.

Cypecore spielen einen ziemlich gewöhnlichen, handwerklich guten Metalcore mit Deathcore-Einsprengseln und deutlich mehr Unclean-Vocals als Klargesang. Gewöhnlich in dem Sinne, dass Innovationen oder die gewissen Kanten mit der Lupe zu suchen sind. Es gibt sie zwar tatsächlich (einige gut platzierte Ambient-Soundeffekte sowie 1-2 Electrosounds), aber für diese geringe Anzahl lohnt sie das Tippen nicht. In Track 6 "Remembrance", nur um doch mal ein Beispiel zu nennen, wird ein Teil des Gesangs durch den elektronischen Verzerrer gejagt, was sich zumindest etwas nach Cyber anhört. Der Rest ist halt Metalcore. Also wirklich fast reiner Metalcore, herunter gedampft auf das, was man so auf 2/3 aller Webseiten als Beschreibung dieser Musikrichtung angeboten bekommt.

Bevor hier jetzt Jemand (mich eingeschlossen) an Asking Alexandria denkt und schreiend wegläuft, dem sei Folgendes gesagt: Es gibt drei Bereiche im Sandkasten des Metalcore: Es gibt den guten Memmen-Metalcore, bei welchem Emotionalität und wirkliche Spielkunst Hand in Hand gehen (z.B. Narziss oder Bring me the Horizon). Dann gibt es den härteren, durchgeknüppelten Metalcore (z.B. Caliban). Und schließlich den schlechte Memmem-Metalcore, den Leute hören weil sie denken, dieser sei cool und/oder sie wollen Mädels damit abschleppen, obwohl dieser einfach nur schlecht ist (z.B. Asking Alexandria). Nun (theatralisches Brille auf der Nase hochschieben), Cypecore gehört zur zweiten Kategorie, wodurch nun alle wieder aufatmen können, die sich grad aus Furcht vor Kategorie drei hinter ihren Heaven Shall Burn-Platten verschanzt haben.

The Alliance ist genau das, was lang läufig als ein positives Ansichtsexemplar zu deuten ist: The Alliance ist grundsolide, von der Soundqualität sehr gut und funktioniert einfach wie die Faust aufs Auge als Paradebeispiel was Metalcore bezeichnet. Cypecore könnte man deswegen direkt als typischen Vertreter dieser Metal-Spielart auf Wikipedia eintragen. Und ihre neue Scheibe ist durchaus überzeugend. Allerdings ist sie halt Metalcore wie aus dem Lehrbuch: Man guckt immer mal wieder rein, freut sich ein bisschen, bis man sich dank der fehlenden Innovationen langweilt. Es ist wie es ist. Wer Bock auf reinen Metalcore hat: Bitte. Bedient dich. Wer vorher schon keinen Bock drauf hatte: Weitergehen. Und jetzt entschuldigt mich, ich hab Feierabend.

Tracklist:

01. Intro
02. Dissatisfactory
03. Dreamsmasher
04. Aeons
05. Reject the Stream
06. Remembrance
07. The Voice of Conviction
08. Leviathan
09. Values of Death
10. The Gift of Failure

Alle CD Reviews

Treffer 1 bis 200 von 1255