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CAELESTIA - Thanatopsis17.12.2017

CAELESTIA - Thanatopsis

CAELESTIA - Thanatopsis

verfasst von Henry E.-S.


Meine Damen, meine Herren, meine Irgendwas-dazwischen (ja, wir wissen hier über Tagespolitik Bescheid), danken wir Lemmy kurz auf Knien, dass beim heutigen Sezierobjekt, obgleich es von den Pressefotos her wie eine Standard-Nightwish-eske-Band anmuten mag, Jemand so nett war, und das Wort "Extrem" vor Symphonic geklatscht hat. Mein erster Gedanke war eigentlich nur: "Das kann ja heiter werden". Und nein, ich kenne die Band nicht. Als PR-Text zu schreiben, mit wem Caelestia schon alles auf Tour war, sagt nichts über die Musik und die Qualität aus. Ich bewerte eine Wurst ja auch nicht daran, wer alles für die Wurst Werbung gemacht hat. Am Ende des Tages ist eine Wurst eine Wurst. Und die muss schmecken. Oder halt nicht. Schaun wa mal.

MP3-Player: Beginne er und begieße er mich mit der Flut der Töne die da so laut prasseln! Hui das ganz normale Orchester-Intro. Wie das jeder hat. Gut, es ist Symphonic da muss man wohl ein Orchester erwarten. Und das man einen Haufen Leute im Frack mit Instrumenten mit Extrem-Metal verbinden kann, wissen wir seit Emperors edlem Meisterwerk Anthems to the Welking at Dusk. Und hier funktioniert das irgendwie auch. Das Orchester ist nicht so penetrant wie man es in diesem Genre gewöhnt ist. Da verzeiht auch man den Verspieler im ersten Song.

Ja, da liegt wirklich eine kleine Bahnschwelle auf dem akustischen Fahrradweg. Da muss ich drauf rum fahren, weil ich nicht genau weiß, ob das zum Songkonzept gehört. Der ganze erste Track Initimm ... Ini ... Inini... ach scheiß drauf, Copy-Paste! Der ganze erste Track Initium Vitae Et Mortis ist ein Gegenspiel zwischen den Klargesangspassagen der Sängern und den Backing-Growls des Sängers. Alles abgerundet durch einen Blackend Death-Schredder, welcher ziemlich unrhythmisch daher kommt. Und nein, hier wird jetzt nicht gemeckert. Ich hab ne Zeit lang Behold... the Arctopus rauf und runter gehört. Ich weiß wann Disharmonien funktionieren und wann nicht. Außer bei 12-Ton-Free-Jazz. Den versteh ich bis heute nicht. Warum ich den ersten Song zerpflücke? In diesem Moment bin ich gerade bei Song 4 angekommen. Und bin bis jetzt gut gelaunt und anständig begeistert. Klare Produktion, der Schredder läuft, die Sängerin nervt mich nicht, sondern ihre Gesangs-Passagen passen einfach. Wirklich.

Bis jetzt ist Caelestia mein neuer Liebling in der Playlist-Rotation vor nem Dimmu Borgir-Konzert (falls ich mir das jemals antun würde. Also das Konzert. Nicht die Band. Die ist gut). Und die Riffs sind schön. Gerade auch deshalb, weil Caelestia darauf geachtet hat, die Songs nicht auf ein einziges Instrument, bzw. eine einzige Stimme hin zu schreiben. Lasst mich erklären was ich meine: Bei einem handelsüblichen Pop-Album (nehmen wir mal, puh keine Ahnung, öhm Shakira) dreht sich in jedem Song eigentlich alles um die Stimme der Sängerin. Und diese Seuche hat leider auch viele Nightwisch-eske Bands befallen. Nun, Caelestias Songs hingegen sind konsequent am Melodie und Takt wechseln, sodass jedes Instrument, jeder Sänger und jeder verdammt Background-Chor mal die Melodie fortführt. Wie bei einem dieser China-Restaurants mit den sich drehenden Tischen. Wobei man mit Thanatopsis im Gehörgang wohl eher in ein arabisches Restaurant geht und sich alle Fleischspeisen roh servieren lässt. Und ja das schmeckt.

Vergesst nicht, hier geht´s um die Wurst. Ich fühl mich auf der Platte Phasenweise irgendwie an die ersten 4 Platten von Kamlot erinnert, rein von der verwendeten Grundklangfarbe. Und da kommen wir auch schon zu meinen beiden großen Freunden auf diesem Langspieler: Track 9 Martyrs und Track 10 Lament of the Sea. Caelestias Instrumenten-Beherrschung und die in den anderen Songs nur Phasenweise aufflackernde Experimentierfreude geben sich hier die Klinke in die Hand: Die Tracks wabern wie der Nebel im Leinetal durch den Raum (ja, da ist es wirklich immer mal wieder extrem neblig). Genau bei diesen beiden Songs, da steckt das Herzblut drin! Genau da merkt man, wieviel Liebe zur Musik dahinter steckt! Diese beiden Tacks kann man den lieben langen Tag rauf und runter hören. Und das will ich bitte auf dem nächsten Album in Dauerschleife! Also: Schmeckt die Wurst, oder muss ich das Schwein oder den Metzger wechseln? Ich kann nur sagen, 7,5 Scheiben Blutwurst von 10 Scheiben an der Wursttheke meines Vertrauens, plus eine Gratisscheibe Mortadella. Mehr hätte es nur dann gegeben, wenn die Wurst interessant und nicht nur sehr gut geschmeckt hätte. Und jetzt entschuldigt mich, ich hab Feierabend.

Tracklist:
1. Intro - Time for Redemption
2. Initium Vitae Et Mortis
3. Thanatopsis
4. Chamber of Torments
5. Devil´s Game
6. Dancing With The Demons
7. Travel To Eternity
8. Underlife
9. Martyrs
10. Lament Of The Sea

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