Review

BURY TOMORROW - Black Flame18.07.2018

BURY TOMORROW - Black Flame

BURY TOMORROW - Black Flame

verfasst von Tim


Meine werten, britischen Herren! Obwohl der Metalcore allgemein betrachtet ja von vielen Bands in einer mehr oder minder identischen Form vorgezockt wird, gibt es weiterhin viele begeisterte Anhänger dieser Musikrichtung. Der Knackpunkt ist: Metalcore-Bands gibt es viele.

Und nicht jede Metalcore-Band trifft den Nerv eines jeden Metalcore-Anhängers. Denn: das oftmals allseits bekannte Muster "E-Gittaren-Geschreddere - Drum-Geknüppele - Aggro-Scream -zarteres Instrumentalspiel im Chorus - Clean-Voice im Chorus" erfreut sich seit jeher einer gewissen Popularität im Metalcore-Genre. Die Frage ist nun: schlagt ihr in eine andere Kerbe und revolutioniert ihr damit vielleicht sogar dieses Genre? Nö. Aber: ihr legt der Hörerschaft eine Platte vor, die man jetzt schon mal getrost als einen heißen Anwärter für die Metalcore-Platte dieses Jahres vormerken kann. Die Musiker aus dem englischen Hampshire verstehen nämlich den Grundsatz von guten bis sehr guten Stücken: Ohrwürmer sowie Songstrukturen schaffen, die in dem Hörer ein für ihn positives Gefühl erzeugen. Die Ohrwürmer in den einzelnen Tracks dieser Platte treten dabei vornehmlich in den Refrains auf. Die nicht allzu geheime Zutat dazu ist vor allem der meistens im Chorus, aber auch außerhalb des Chorus auftretende, elegische sowie variabel-vorgetragene Clean-Voice-Gesangsstil des Vokalisten Jason Cameron.

Die Instrumentalparts um den Gesang herum orientieren sich, wie man es aus dem Metalcore kennt, an dem Schema "E-Gittaren-Geschreddere - Drum-Geknüppele - zarteres Intrumentalspiel im Chorus". Aber oft hört man in allen Stücken auch instrumentale Besonderheiten abseits des Gesangs heraus - sei es einprägsame, markante E-Gittarenriffs samt E-Gittarensolos oder ein leicht-aggressiv-druckvolles sowie auch oft im Vordergrund heraushörbares Drumspiel mit Mitwipp-Potential. Kurzum: es gelingt der Band, Metalcore-Stücke rauszuhauen, die einerseits schöne Melodien offerieren, aber andererseits auch Eingängigkeit vorweisen. Somit ist für den faulen Menschen, der es eher unkompliziert mag, eine Grundregel in der Musik größtenteils erfüllt: "ein guter Song ist ein guter Song" ? beziehend auf nahezu jedes Stück dieses Werkes. Allein schon die Einführung in dieses Werk lässt aufhorchen: mit einem zarten, klavierartigen- oder gar behutsamen E-Gittarenspiel, welches dann in einer Aggro-Gesangseinlage abdriftet, die dann abgelöst wird vom wehmütigen, schön-klingendem Clean-Gesang.

Willkommen bei Track 1: "No Less Violent". Während in den beiden Nachfolgetracks zum Einen "Adrenaline? vom Aggro-Metalcore-Geschreddere mit Struktur lebt, liegt uns mit dem titelgebenden Stück des Albums "Black Flame? der herausragende Teil der Platte vor. Bei "Black Flame? stimmt alles: hier vereint sich in der Musik ausgedrückte, kontrollierte Wut mitsamt des sehr catchigen Chorus im Clean Voice-Modus. Die computerhaft-wirkenden Klänge im leichten Depressivstil sind ein interessanter und einprägsamer Ausklang dieses Tracks. Wenn der Hörer glaubt, dass die Hit-Walze nun langsam den Geist aufgibt, hat er sich gewaltig geschnitten. Denn: gemessen an den Grundzutaten des Metalcore wird uns mit "My Revenge? ein eingängiger, unkomplizierter, musikalischer Wutbratzen mit elegischen Instrumentalmomenten serviert. Da ist als Nachspeise mit identischen Zutaten der Abreisser "More Than Mortal? etwas variabler: vor allem das stark präsente, hochgestimmte E-Gittarenspiel in diesem Stück lassen den Metalcore-Menschen positiv aufhorchen.

Nach den "etwas" längeren, aber dennoch äußerst unterhaltsamen Stücken geht es im mehr oder minder identischen, eingängigen Stil und kürzerer Spielzeit über zu der ersten Single-Auskopplung "Knife Of Gold" sowie "The Age". Bis hierhin fühlt man sich wie mit der Harley auf dem Highway: breit-grinsend mit einem coolen Gefühl will man, dass dieser musikalische Trip auf der überschaubaren, geradlinigen Straße positiv weitergeht. Doch ehe man sich versieht, kollidiert man fast mit einem Truck, der aus dem Nichts auftaucht. Denn es ist gerade Track 8 mit dem kraftstrotzenden Titel "Stormbringer", welcher leider als leichter Lückenfüller dieses Albums durchgeht: zwar werden die gleichen Metalcore-Erfolgszutaten im Bury Tomorrow-Stil verwendet, jedoch sind die Parts zwischen den Refrains im Vergleich zu den Vorgänger-Tracks einfach zu straight und einfallslos ? da rettet auch das eingestreute, Drum-Solo nichts, da auch dies einfach zu einfalls- und lieblos ist. Nach diesem Moment der Ernüchterung führt uns der vorletzte Track "Overcast" in musikalisch etwas schwerfälligere Gefilde mit leicht-depressivem Touch - den hauptsächlich langsam gespielten Instrumenten inklusive Gesang sowie einem elegisch-vorgetragenen Chorus sei Dank.

So hart, wie der Zuhörer ab Sekunde 18 bei Track 1 begrüßt wurde, wird er ab Sekunde 1 auch wieder verabschiedet. "Peacekeeper" geht von Anfang an mit Metalcore-Gescreame sowie melodiösem Instrumentalgeknüppele unbarmherzig zur Sache und mündet dann in einen - wie soll es anders sein ? gut-klingendem Clean Voice-Chorus nebst einer danach folgenden, weiteren Clean Voice-Passage, die anscheinend in der Bridge zu orten ist. Kurz nach der Hälfte des Stückes kehrt zum Verschnaufen mal ein angenehmer Moment mit in Ruhe vorgetragenem Drum- und E-Gittarenspiel auf. Mit verzerrtem Gescreame klingt die Platte aus.

Schnapp! Das ist "Black Flame". Die fünfte Platte von Bury Tomorrow. Nach dieser positiv-geschilderten Gesamtübersicht bleibt mir zumindest für Fans des Metalcore einzig und allein nur die uneingeschränkte Empfehlung dieses Albums, die ich hiermit auch ausspreche.

Alle CD Reviews

Treffer 1 bis 200 von 1247