Review

BULLET - Dust To Gold23.04.2018

BULLET - Dust To Gold

BULLET - Dust To Gold

verfasst von Tim

Als ich einst dank eines Kumpels auf die Kapelle "Bullet" aufmerksam gemacht wurde, lachte ich noch. Hell Hofer als auffallendes Aushängeschild, Frontman und hysterisch-screamender Brummbär der Band war Schuld. Und er zaubert mir, vor allem, wenn ich ihn mir neben seinem Gesang zusätzlich in seinem königlichem Bühnenwams samt gezwirbelter Frisur vorstelle, ein mildes Grinsen auf meinem Mund - zurecht. Denn die musikalische Darbietung dieses Herren sowie auch die Leistung seiner Mannen sucht ihresgleichen. Das aktuelle Werk der Nordmänner bestätigt dies aufs Neueste. Weshalb, will ich mithilfe dieses Reviews erläutern.

Eine kurzes, nettes Drumspiel am Anfang mit einem darauffolgendem, hysterischem Scream. So beginnt Bullets neuester Streich unter dem Albumtitel "Dust To Gold". Und was den Scream zu Beginn des ersten Tracks angeht, so repräsentiert allein dieser schon den AC/DC- beziehungsweise Accept-artigen Gesang des gesamten Albums. Das weitere, zu vernehmende Instrumentalspiel orientiert sich allerdings mehr an an Accept als an AC/DC. Eine Analyse der einzelnen Tracks: Der Opener lebt vor allem durch die "erhebende Stimme", die sich, wahrscheinlich einordbar im Bridge-Teil, den Hörer angenehm aufhorchen lässt. Der erhebende Gesang mündet in einem einfachen, einprägsam gescreamten (aber nicht stark gescreamten) "More Power". Umgarnt werden Bridge und Chorus von dem für den Metal typischem Drum- und E-Gitarrenspiel - aber eingängig, unkompliziert und gut klingend.

Der zweite Track ist ein geiler Quickie, der in seiner Länge von 02:40 Minuten alles bietet: Eingängigkeit mit interessantem Spiel der Instrumente, ein lässiges, unkompliziertes Gitarrensolo sowie einen spritzig-erfrischend-belebenden-schnörkellosen Chorus, der sich ins Ohr bohrt. "Rogue Soldier" lebt von den markanten Gitarrenriffs, welche schon zu Stückbeginn eingestreut werden.  Das stadionhafte "Ohoho", welches im schönen Chorus vorzufinden ist, verleiht dem Stück Potential zum Knüllerlied auf Festivals oder Metal-Partys, was man beim vierten Stück "Fuel The Fire" leider etwas weniger behaupten kann. Denn: das belebende Spiel fehlt im Gegensatz zu den drei vorherigen Stücken hier etwas mehr. Einzig das E-Gittarensolo haucht dem Stück etwas mehr Variabilität und Leben ein. Bei "One More Round" drängt sich wieder das markante E-Gitarrenspiel über das ganze Stück hindurch - wenn es auch weiß Gott keine revolutionären Riffs sind. Aber das Gitarrenspiel ist schön und harmoniert wunderbar mit der Arbeit des Drummers und der Darbietung des Vokalisten.

Das Thema "revolutionäre Riffs" kann allerdings getrost beim Nachfolgestück "Highway Love" aufgegriffen werden. Es beweist: auch in den kühlen, nordeuropäischen Gefilden kann amerikanisch angehauchtes Liedgut in AC/DC- und Airbourne-Manier entstehen - den coolen, im Vordergrund agierenden, markanten E-Gitarrenriffs sei Dank. Und wenn das E-Gitarrensolo ausgepackt wird, fühlt man sich wie eine coole Cowboy Socke, die durch die amerikanische Kaktuswüste düst. Auch der Gesang weist an vielerlei Stellen Earcatcher Momente auf. Die weitere, instrumentale Darbietung ist gut und rundet das Stück super ab. Das ist ein Hit! "Wildfire"  bleibt dank der coolen E-Gitarrenriffs amerikansich cool angehaucht. Hell Hofer weiß auch mit seinem abwechslungsreichen und kreischendem Rohr auf ganzer Linie zu überzeugen. Auch der Übergang von der Bridge zum Chorus überzeugt mittels eines kurzen Breaks.

"Screams In The Night" sowie das amerikanisch-klingende "Forever Rise" hingegen sind eher nur anständige Stücke mit musikalischen Momenten, die aufhorchen lassen und interessant sind. Nett, aber nicht erregend. Aber immerhin sorgt das 29 Sekunden andauernde "The Prophecy" mal zwischendurch für ein lässiges, druckloses, unkompliziertes E-Gitarrenspiel zum Entspannen. Man kann nur mutmaßen, welche seriöse, tiefgründige Botschaft uns dieses 29 Sekunden andauernde Epos mitteilen will... Für den elften Track gilt: keine langweiligen Momente, interessante, abwechslungsreiche Passagen. Neben dem Chorus bleibt vor allem das wiederkehrende, erkennbare Drumspiel sowie auch das stark nach Accept klingende E-Gitarrensolo hängen. Für Fans von Accept ein Anspieltipp. Und damit ist das Finale erreicht. Das längste Stück der Platte, nämlich "Dust To Gold", ist von der Spiel- und Gesangsweise etwas langgezogener beziehungsweise zähiger, aber dadurch auf keinen Fall schlecht. Im Gegenteil: auch hier haben wir musikalisch zu jeder Sekunde gut klingende Eingängigkeit und im weiteren Verlauf auch Abwechslung. Trotz des etwas gelasseneren, langsameren Gesangs geht im Refrain das augenblicklich gesungene "From Dust To Gold" ins Ohr und weist damit ein Wiedererkennungsmerkmal dieses Stückes auf. Ein cooles E-Gitarrensolo im Accept-Stil kommt ebenfalls zum Einsatz.

Der Platte kommt zu Gute, dass sich alle Stücke - bis auf den Rausschmeißer - in den Spielzeiten von unter knapp drei Minuten, knapp über drei Minuten sowie auch um die vier Minuten herum bewegen. Ein markanter Track von 29 Sekunden ist hierbei nicht zu verachten. Es kommt der Platte deswegen zu Gute, weil so gut wie alle Stücke nur den musikalisch-hysterischen, dreckigen und direkten Weg von der ersten bis zur letzten Sekunde nach vorne kennen und der Hörer immer mal wieder zur Abwechslung nach kurzer Zeit ein neues, nicht langes, cooles Stück für die Ohren angeboten bekommt. Dadurch wird der Hörer trotz des hysterischen, nach vorne peitschenden Stils dieser Platte nicht überfordert. Dieses Album ist weiß Gott kein Klassiker. Aber es ist gut.


Tracklist:

01. Speed And Attack
02. Ain't Enough
03. Rogue Soldier
04. Fuel The Fire
05. One More Round
06. Highway Love
07. Wildfire
08. Screams In The Night
09. Forever Rise
10. The Prophecy
11. Hollow Grounds
12. Dust To Gold

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