Review

BRAINSTORM - Midnight Ghost23.09.2018

BRAINSTORM - Midnight Ghost

BRAINSTORM - Midnight Ghost

verfasst von: Tim

Das man Power Metal oftmals gerne mit mittelalterlichen oder zumindest surrealen Themen verknüpft, ist ja wie zum Beispiel im Falle von Bands wie "Edguy" oder "Wisdom" seit jeher bekannt. Unsere heimische Power Metal-Kapelle aus dem baden-württembergischen Gerstetten bildet da mit diesem Album keine Ausnahme. Viel mehr noch: die Jungs verstehen es prima, uns erdigen, drückenden Metal vor die Latz zu knallen, den Hörer dabei aber auch dank surrealer Lyrik und Melodien in ein Fantasy-Kopfkino zu entführen. So bestechen die ersten vier Tracks mit drückender Drum- und stellenweise auch Double Base-Action, welche sich passend in das Melodiebild einfügt.

Denn auch die oft tief-gestimmte, ebenfalls drückend-spielende Axt wartet vom ersten bis zum vierten Track mit vielen interessanten Riffs auf und bietet Variabilität - auch in den gelungenen Solis wie beispielsweise bei "Ravenous Minds" oder "The Pyre". Frontman Andy B. Franck setzt dazu klar und abwechslungsreich seine Stimme ein. Hervorzuheben wäre dabei sein Einsatz beim majestätisch-fantasylastigem "Revealing The Darkness": im Refrain wird das besonders betont-gesungene "forever we see the crimson tide" so vorgetragen, dass es sich in den Hirnwindungen der Hörerschaft einbrennt. Nach den ersten vier Tracks, ausgeschmückt mit typischem Power Metal-Gesang, druckvollen Drum-Einlagen und erdigen E-Gittarenriffs wird es zu Abwechslung mal besinnlich: "Jeanne Boulet (1764)" startet mit fantasyhafter Ruhe im gesanglich-erzählerischem Stil, umhüllt von Glockenklängen und Regengeräuschen. Endlich mal Ruhe und Besinnung... denkste!

Ab Sekunde 50 setzten die druckvollen Drums, verbunden mit sparsam eingesetztem Glockengeläute und gelegentlich-eingestreuten, dudelsackartigen Klängen ein. Erzählerisch-wehmütig geht es im Gesang aber weiter. Und auch die Axt weiß, im druckvollen Stil zu überzeugen. Ein Part dieses Stückes, bestehend aus Drum- und E-Gittarenspiel, weist schöne, ins Ohr gehende Melodien auf. Fantasylastig-majestätisch ist auch der Refrain. Besinnlichkeit wird mit Elementen des Power Metal gekonnt verbunden. Nice. Bei "Divine Inner Ghost" stellt man sich anfangs die Frage: bin ich hier bei "Lamb Of God" gelandet? True American E-Gitarenriffs mit kunstvoll-aggressivem Drum-Geknüppele bestimmen das Bild. Auch gesanglich agiert Andy B. Franck in den Versteilen eine Spur rotziger. Erst im Refrain hellt der Gesang power metal-gerechter auf. Das lang-gesungene, betonte "My Divine Inner Ghost" sticht dabei positiv aus diesem Stück hervor.

Die Action setzt sich mit einigen interessanten, musikalischen Inhalten in den beiden nachfolgenden Stücken fort: da hört man bei "When The Pain Comes" Verse, die mit vergleichsweise etwas zarteren, angenehmeren Klängen glänzen, aber am Ende in ein härteres Klangmuster zur Bridge und letztendlich auch zum Refrain übergehen. "Four Blessings" hingegen weiß mit dem markanten E-Gittarenriff zu überzeugen, der inmitten druckvoll-agierenden Drums melodisch dieses Stück repräsentiert. Die Anapher "We can...", die dazu dreimal im Refrain wiederholt gesungen wird, verleiht diesem Stück Ohrwurm- und Wiedererkennungsqualitäten. Während das ordentliche "Haunting Voices" im Vergleich zu den anderen Stücken dieser Platte aufgrund seines flachen, straighten Spiels im Refrain höhepunktsarmer wirkt,  geht es beim Rausschmeißer "The Path" nochmal besinnlich zu. In der Bridge sowie letztendlich im Refrain geht es hier nochmal emotionaler zu Werke. Auch das E-Gittarensolo klingt zwar nach Metal, aber ist in einem emotionalem Klang gehalten, sodass uns dieses Album damit einen leicht emotional-angehauchten, ordentlichen Abschluss bietet.

Zusammengefasst hat dieses Album vieles, was das Power Metal-Herz begehrt: ein Fantasy-Setting, gepaart mit Power Metal-artigen Hymnen und melodisch-wundervollen Teilen in einem jeden Stück. Auch Fans fernab des Power Metal sollten dank der oftmals druckvoll-agierenden Drums und E-Gittare mal das ein oder andere Ohr investieren. Denn eine gute Platte ist das hier zweifellos.


Trackliste:

01. Devil´s Eye
02. Revealing The Darkness
03. Ravenous Minds
04. The Pyre
05. Jeanne Boulet (1764)
06. Divine Inner Ghost
07. When Pain Becomes Real
08. Four Blessings
09. Haunting Voices
10. The Path

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