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BENEATH OBLIVION - The Wayward And The Lost30.04.2018

BENEATH OBLIVION - The Wayward And The Lost

BENEATH OBLIVION - The Wayward And The Lost

verfasst von Henry E.-S.

Wenn man nach längerer Zeit mal wieder eines seiner Lieblingshobbys aus dem Schrank holt, ist das immer ein bisschen wie nach Hause kommen. Das alte Feeling stellt sich wieder ein. Man fühlt sich wohl. Und auch die alten Ängste kommen wieder hoch. Die alten Gedanken, die einen schon damals tierisch genervt haben.

Ich kannte zwar Beneath Oblivion vorher noch nicht, aber ich hatte eine nagende Angst wieder in mir: "Bitte sei klassischer Doom und kein verdammter Sludge/Doom-Hybrid!"

Doch wie das mit Ängsten nun mal ist, sie sind oft unbegründet. Denn Beneath Oblivion´s neue Scheibe The wayward and the lost ist genau das, was ich gerne mag: Doom Metal der wummernden Art, mit einem Fuß im Drone und dem anderen in Ausläufern des Black Metal. Und mit wummernd meine ich die Art, in der Doom gespielt werden muss: Verstärker bis auf Anschlag hoch und jedes Riff durch den Raum wabern lassen! Genau das können Beneath Oblivion nämlich Sau gut, den Doom so spielen wie sich das gehört. Und das heißt vor allem LANGSAM und mit ganz viel Atmosphäre drin.

Wie man da allerdings so was wie eine Clean-Production erreichen kann, ist mir schleiferhaft. Aber Beneath Oblivion haben es geschafft. Es wirkt alles sehr präzise, so als hätte Jemand raus gefunden, wie man bei den üblichen Garagen-Aufnahmen dieser Kategorie die übliche Rückkopplung in Gänze entfernt. Wenn das wirklich so ist, dann ist dieser Jemand bestimmt bald ganz dolle reich. Beneath Oblivion setze auf eine Mischung aus Doom-Phasen und "Ruhigen" Phasen. Diese werden durch regelmäßig eingestreute Soundfiles, Rauschen oder völlig strange klingende Gitarren-Passagen unterstützt. Ein Wort zum Bass: Der Bass ist so gestrickt, das viele verschiedene Bassfrequenzen sich abwechseln oder über einander liegen. Das ist super, führt aber auch dazu, dass man wahlweise ein gutes Headset oder eine gute Anlage braucht, sonst entgehen einem sehr viele dieser Trommelfell-Massagen. Passend zu dieser Grundatmosphäre wechseln sich zwei Sänger ab ? na gut eigentlich drei: Der eine stammt komplett aus dem Funeral Doom, der andere growlt sich einen runter, während der Letzte in seltenen Passagen sehr ruhigen Klargesang in normaler Stimmlage präsentiert.

Diese Abschnitte mit dem Funeral-Doomigen Sänger haben mich dann doch irgendwie an etwas erinnert, was ich euch natürlich brüh warm weiter erzählen werde: Kennt einer von euch Monarch! ? (Ja, dass ist die einzige Band die ich kenne, die mit einem Ausrufungszeichen im Namen um die Ecke kommt.) Diese Französische Drone Doom-Band? So klingt das fast. Nur ein MÜ schneller, also nicht ganz Stillstand. Und das ist toll. Aber halt. Ich hab es doch tatsächlich geschafft bis hier hin kein einziges Wort zu dem zu verlieren, was The wayward and the lost nun eigentlich ausmacht. Das hab ich mir bis jetzt aufgehoben. Nun, The wayward and the lost besteht aus fünf Tracks mit einer Gesamtlaufzeit von knapp über einer Stunde (Doom eben). Eigentlich wollte ich jetzt eine Lovecraft´sche Cthulhu-Mythos Geschichte als Konzept-Vergleich heran hohlen.

Das hätte auch gut gepasst, da sich das Album von Song zu Song mehr in diese Verzweiflungsrichtung aufbaut. Allein schon dadurch das der erste Sänger das Talent hat, sein Screaming in bemerkenswerter Art gegurgelt vorzutragen, sodass es klingt wie die Stimme eines Sterbenden. Aber dann merkte ich auf. Und merkte, wie ich euch genau beschrieben kann, was The wayward and the lost nun in seiner Gesamtheit ist: Grim Darkness. Es ist ein langsam stampfender, Eiskalter Gigant, der das sonnigste Weizenfeld komplett mit Zynismus und Nihilismus eindecken kann. Beneath Oblivion haben mit The wayward and the lost eine brutale, schwarze Perle des Doom Metal erschaffen, welche extrem in Richtung Drone abdriftet.

Alte Warnung wie immer zum Schluss: Es ist halt Doom. Man muss ein großes Herz für Musik haben. Und nein, Drogen helfen da nicht. Ja, das war an deine Adresse gerichtet, Kollege! Nein, nicht ihr. Der der gemeint ist, der weiß schon (!). Und jetzt entschuldigt mich, ich hab Feierabend.

Tracklist:

01. The city (my Mausoleum)
02. The lair´s cross
03. The wayward and the lost
04. Savior nemesis redeemer
05. Satyr

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