Review

BED OF A NUN - Waiting For A Visit30.11.2015

BED OF A NUN - Waiting For A Visit

BED OF A NUN - Waiting For A Visit

verfasst von Robert K.

Wenn man die Aufmerksamkeit eines überfliegenden Lesers auf sich ziehen möchte, ist es eine gute Taktik, einen Namen zu wählen, der einige Augenbrauen hochschnellen lassen. Und da haben wir schon Bed Of A Nun. Die Österreicher haben sich in der jetzigen Formation erst 2014 gefunden und bescheren uns jetzt ihr Debüt-Album. Laut eigener Aussage spielen sie Poetic Rock, was eine Mischung aus Rock, Folk, Klassik und Pop ist und dazu die Dichtungen des Sängers als textliche Grundlage hat. Lyrisch hat man einen sehr düsteren Standpunkt gewählt, denn es handelt sich überwiegend um Erzählungen über die Nahtoderfahrung.

Eine natürliche Melancholie haftet dem Thema an und diese lässt sich auch sehr gut in Musik umwandeln. Ein wichtiges Mittel, das den Hörer bei Laune halten soll, ist hier die Authentizität. Wirkt es aufgesetzt oder überdramatisch, kann das die Stimmung stark beschädigen - das nennt man dann Uncanny Valley. Der Effekt ist ein solcher, dass das Dargebotene stetig der Realität nahe kommt, bloß um dann abrupt in einem Tal zu landen. Ein populäres Beispiel hier ist die Vermenschlichung. Ein humanoider Roboter ist kein Mensch, kommt dem aber in der Wahrnehmung sehr nahe und dann gibt es Zombies, die ja mal Menschen waren, aber durch ihre neuen Eigenschaften ein Tal der Menschenähnlichkeit erreichen. Das als kleiner Exkurs. Wie sieht es nun bei diesem Album aus? Glücklicherweise bleibt die Band glaubhaft und überdramatisiert nicht.

Die Komposition wirkt gediegen und man verlässt sich vorrangig auf eine akustische Gitarre, aber schreckt auch nicht vor der elektronischen Variante zurück. Dieser Ansatz sorgt für eine bedrückende Stimmung, die auch zu dem aktuellen Novemberwetter passt. Eingeengt und doch eingängig wird man also durch diese ruhige musikalische Reise geführt. Ich bin mir nicht sicher, ob man Solos deplatziert nennen sollte, aber inmitten einer ruhigen Stelle wirkt es schon etwas skurril. Belassen wir das mal als künstlerische Freiheit. Abgesehen davon kann man dem Album nicht viel ankreiden. Der Gesang ist eine wirkliche Bereicherung für das textliche Thema, denn die Stimme des Sängers Lem ist warm und beeinflusst den Hörer zum Mitfühlen der Handlung.

Wenn man ein typisches Rock-Album erwartet, bei dem man sein Haar schnell kreisen lassen kann, sucht man hier fast vergeblich, was auch gewollt ist. Stattdessen wird man auf eine Reise durch teils skurrile Situationen geschickt und beginnt, mit der Handlung zu fühlen. Ehrlich gesagt, hatte ich nicht erwartet, so viel "Spaß" mit dieser Platte zu haben, denn Poetic Rock klingt mir etwas zu seicht, aber es ist vollkommen passend und überzeugt von vorne bis hinten. Hoffentlich spielen die Jungs bald in der Nähe live, denn dann ihre Musik vielleicht sogar die Zuschauer noch besser einfangen.

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