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At the Gates - Gardens of Grief08.04.2018

At the Gates - Gardens of Grief

At the Gates - Gardens of Grief

verfasst von Henry E.-S.


Ich bin ja über die Jahre zu einem ziemlich zynischen alten Sack geworden. Alles Neue in der Musik wird erst mal kritisch beäugt. Man kann also sagen, ich bin so ein bisschen zu Fenriz von Darkthrone geworden: Keinem Hype aufsitzen, nur noch Hören worauf man Bock hat, elektronischer Musik offen sein und mich beschweren, dass früher einiges im Metal besser war und man heute fast schon zwangsweise nach den Rosinen picken muss. In einigen Metal-Genres gilt das noch mehr als in anderen. So auch und vor allem (neben dem Metalcore) im Melodic Death Metal. Denn bis auf Dark Tranquillity, Soilwork und einige kleinere Bands konnte man das Genre in den letzten Jahren getrost im Klo runter spülen. In Flames produzieren seit Jahren nur noch Scheiße. Selbst Arch Enemy schiebt seit dem Weggang von Angela Gossow nur noch die "Auf Nummer sicher"-Kugel.

Ich könnte jetzt genervt in mich rein meckern und die Veröffentlichungsliste weiter runter gehen, wenn da nicht plötzlich eine EP des Begründers des Genres aufgetaucht wäre: At the Gates EP Gardens of Grief von 1991. 1991? Und jetzt erst eine Review? Die EP gibt's doch schon seit Jahre auf Youtube! Richtig, aber soviel ich mit bekommen habe, wurde die EP nie wirklich veröffentlicht. Nun wird sie das aber. Also lasst uns mal unseren Kopf aus dieser schnelllebigen Zeit der Musik raus ziehen und uns mal einer kleinen Geschichtsstunde zuwenden. At the Gates legten 1995 mit Slaughter of the Soul den Grundstein für den Melodic Death Metal. Gardens of Grief war 1991 ihre erste EP. In dieser beginnenden Zeitenwende, in welcher die norwegischen Black Metal-Begründer einfach keinen Bock mehr auf das hatten, was aus dem kommerziellen Death Metal geworden war (also neben dem, dass er kommerziell war. Also... äh, ihr wisst schon), lag es bei Bands wie At the Gates zu zeigen, dass es auch anders ging.

Die 4 Songs von Gardens of Grief waren noch nicht direkt das, was man direkt als Melodic Death-Grundlage erkennen kann. Viel mehr gaben sich auf dieser EP Oldscool-Death, Death 'n' Roll und vor allem eine ganze Menge Prog-Elemente die Klinke in die Hand. Wer schon einmal, wie ich das in einem Anflug von Retro-Romantik getan habe, einen Ausflug durch Chuck Schuldiner's Werke gemacht hat, der wird verstehen, warum mich Gardes of Grief so dermaßen an das angeproggte Schaffen des Godfathers of Death Metal erinnert. Gardens of Grief ist eine schnell durch gehörte EP, die ziemlich gut den sich damals wandelnden Extrem Metal begreifbar macht. Wer Lust an der Retrospektive hat, kann mal einen Blick wagen. Ob er dafür allerdings Geld ausgeben will muss jeder selbst wissen. Kultig ist es alle mal.

Tracklist:

01.Souls of the Evil departed
02.At the Gates
03.All life ends
04.City of screaming Statues

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