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AMORAL - In Sequence07.03.2016

AMORAL - In Sequence

AMORAL - In Sequence

verfasst von Karla the Fox

Amoral aus Finnland gibt es seit 1997 und seit dieser Zeit soll jedes ihrer Alben anders gewesen sein. Ich lernte sie erst mit diesem hier richtig kennen - und lieben? Fast.

Der Sound von Amoral hat diese typisch finnische Melancholie in sich, und kann, Dank ihrer Aufstellung mit zwei Sängern, harte Growls und cleane Vocals gleichzeitig und mit zwei verschiedenen Stimmen einsetzen. Ihre Musik wird somit entweder zum härtesten Prog oder melodischstem Death Metal, den man finden kann. Seit der erste Sänger der Band Niko wieder eingestiegen ist, setzen die Finnen viel auf diese einzigartige Kombi. Mitunter dafür haben sie ein Performance Video zu ihrem neuen Song "Rude Awakening" aufgenommen, welches sich aber von der Albumversion unterscheidet. Das mittelöstliche Intro wurde auf der Bühne ausgelassen, denn es stammt von einem befreundeten Gastmusiker.

Er bleibt nicht der einzige Gast auf "In Sequence". Immer wieder begegnen uns Instrumente, die bei den Bühnenshows keine Verwendung finden werden, den Albumsound aber voller und abwechslungsreicher machen. Die Kompositionen sind eine der größten Stärken der Band. Durch die zwei Sänger und drei Gitarristen werden Harmonien, Gegenläufe und andere Tricks und Kniffe möglich, die "In Sequence" den professionellen, gut durchdachen Progressive Vibe verleihen. Ausufernde 20 Minuten Stücke gibt es - Gott sei Dank - nicht. Sie bewegen sich eher zwischen vier und acht Minuten, mit Ausnahme des Finales "From The Beginning", da wollen sie nochmal zeigen, was sie können, mit gar nicht dezenten Verweisen darauf, wo ihre Musikrichtung ihre Ursprünge findet.

Bis zu diesem Orchester-mit-Hard-Rock-Gitarre-Finale geht es auf und ab und in jedem Track wird eine andere Geschichte erzählt. Dank eines Interviews mit Ben Varon, dem Songwriter der Band, mit dem Source Magazin, weiß ich noch etwas über die Entstehung dieses Konzeptalbums. Wenn man die Story kennt, hört man das Album nochmal mit ganz anderen Ohren: ihm wurde von einem Gefängnishausmeister erzählt, dass einmal ein junger Mann einsitzen musste, der Gitarre spielte. Seine Musik sei immer durch das Fenster zu hören gewesen und der Hausmeister fand den Klang wunderschön. Eines Tages war da keine Musik mehr und er erfuhr, dass der Junge Selbstmord begangen hatte. Warum, wusste der Hausmeister nicht, ebensowenig, warum der Musiker überhaupt eingesperrt worden war. An dieser Story hat Ben sich beim Songwriting orieniert. Er denkt darüber nach, wer dieser Gitarrist gewesen sein könnte und was in seinem Kopf vorging. Die Figur auf dem Albumcover könnte jener Junge sein.

Und warum liebe ich Amoral jetzt nur 'fast'? Nun, das liegt daran, dass ich das trübe kalte Wetter nicht mehr ertragen kann und endlich Frühling und die passende Musik dazu will. "In Sequence" hat mit Frühling allerdings wenig zu tun. In diesem Album herrscht noch Winter. Blöd gelaufen für die Jungs, denn ihre Musik ist grandios und daher durchaus liebenswert.

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