Review

ALICE IN CHAINS - Rainier Fog12.09.2018

ALICE IN CHAINS - Rainier Fog

ALICE IN CHAINS - Rainier Fog

verfasst von: Tim

Das schleppend-deprimierende Rockstücke, die teilweise zäh wie Magma fließen, auch eine hohe, musikalische Qualität aufweisen, können, beweist uns die amerikanische Formation aus Seattle mit jeder neu herauskommenden Platte immer wieder aufs Neueste. Mit ihrem neuesten Baby, welches sich auf dem Namen "Rainier Fog" schimpft, haben sie auch hier keine großartig-neuen Quantensprünge vollbracht. Diese rockig-deprimierende Zähigkeit - zuzüglich einiger weiterer, cooler Zusatzelemente - bleibt auch mit dieser Platte erhalten. Alles beim Alten also und das ist auch gut so! Denn was uns Alice In Chains im mittlerweile 31. Jahr ihres ehrwürdigen Schaffens auf dem Tablett servieren, ist nicht nur für Anhänger der Rock-Musik deliziös. So bietet der Opener einfache, tief festimmte E-Gittarenparts mit kurzen, eingesetzten Pausen dazwischen. In Verbindung mit den druckvoll-stampfenden Drums und dem Gesang mit Earcatcher-Momenten wird hier schon die Aufmerksamkeit des Hörers gekonnt auf sich gezogen. Um diesen Opener nach Maß zu krönen, bekommt der Zuhörer zu allem Überfluss noch ein E-Gittarenspiel in cooolem-lässig-amerikanischen Stil, während dabei die Drums im Hintergrund im ordentlichen Takt anschlagen.

Bei "Rainier Fog" ist neben den Ohrwurm-Momenten im Gesang die tief-gestimmte E-Gittare, die rockig-rotzig klingt, die treibende Kraft in diesem Stück. Ab Minute 02:32 wird aber auch mal Druck aus dem Kessel genommen, indem der Gittarist mal ruhige, angenehme Klänge zu einem einfach-gespieltem Schlagzeug erklingen lässt, bevor das Stück wieder das rockig-rotzige Strickmuster wiederaufnimmt. Zäh, düster und tiefklingend geht es mit "Red Giant" weiter. Durch den straighten, langsamen Gesang mit seinen passend eingesetzten Höhen sowie Tiefen und den auch interessant gespielten Instrumenten wälzt sich dieses Machwerk gnadenlos in die Hörnerven hinein. Das dabei ein jedes Intrument in diesem Stück nochmal zusätzlich seine eigenen, individuell-interessanten Momente vorweist, setzt diesem Track nochmal zusätzlich die Krone auf. Nach einer kunstvollen Depri-Druckbetankung erscheint doch auch mal endlich eine Sonne am Horizont. "Fly" bietet nämlich unter anderem ein fast anch Akkustikgittare angenehm klingendes Geklimpere, inklusive gechilltem, hellem Gesang. Dazu werden in passenden Momenten auch mal hier und da coole, markante E-Gittarrenriffs eingestreut, die diesem Track nochmal ein eigenes Image verleihen. Es ist tatsächlich ein gewisses Gefühl der Geierlichkeit und Unbekümmertheit, die dieses Stück dank seines hellen Gesangs in unterschiedlichen Klangfarben und dank der weiteren instrumentalen Darbietung vorweist.

Eine gewisse Monotonie ist bei dem fünften Stück bemerkbar, was daran liegt, dass es in seiner Länge von 06:30 auffällig oft den Chorus erklingen lässt. Doch gezielte, einprägsame E-Gittarenarbeit an verscheidenen Stellen herauszuhören ist, retten diesen Track aus einer Mittelmäßigkeit heraus. Keinesfalls Mittelmaß bietet "Deaf Blind Eyes": kurze E-Gittarenriffs in den Versen zwischen einem leicht-schläfrig-wirkendem Gesang gehen ins Ohr oder fallen zumindest auf. Eine zweite E-Gittare im Hintergrund streut gekonnt markante, ins-Ohr-gehende Melodien knapp ein. Sogar ein klavierähnlich-klingendes Instrument hält kurz Einzug, was dazu führt, dass diesem Stück auf gelungene Weise das gewisse Etwas verliehen wird. Letztendlich ist es die Schläfrigkeit im Gesang, gepaart mit den zähen, drückend-gespielten Instrumenten, die den Hörer in eine Art angenehmen Trance-Zustand versetzen. Ein Refrain, der sowas wie ein Gefühl der Hoffnung, gepaart mit guter Laune sowie Lässigkeit vermittelt - aber im nüchternen Alice In Chains-Stil - nun, dass wird dank des Tracks "Maybe" vermittelt. Auch hier liegt uns ein geiler E-Gittarenpart vor, der nach 3/4 der Spielzeit dieses Tracks dargeboten wird - in Verbindung mit einem gemütlich-spielendem Schlagzeuger. Dadurch wird ein Gefühl der Bedachtheit und Coolheit a lá "Alice In Chains" erzeugt. Interessant und geil zugleich! Die gut zueinander passende, miteinander spielende Kombi aus E-Gittare und Drums ist bei dem Nachfolge-Stück im Versteil einfach, aber für den Zuhörer effektiv gestrickt. Dieses Prinzip der Einfachheit geht auch im Chorus auf. Der zähe Gesang fügt sich passend wie ein Puzzleteil in das Stück ein. Eine gute Portion amerikanischer Oldschool-Coolheit wird diesem Stück ebenfalls verliehen, was hier an dem streetmäßigem E-Gittarensolo mit gut-heraushörbaren Drum-Anschlägen gegen Ende dieses Tracks liegt.

Mit dem vorletzten Track erwartet uns der absolute Ohrwurm unter den viele Ohrwürmern dieses Machwerkes: "Never Fade" besticht neben einem coolen Refrain auch durch seine erneut Old School-amerikanisch-streetmaäßig-klingenden E-Gittarenparts - hier ab Minute 3. Gegen Ende wird die Old School-amerikanische E-Gittarenlässigkeit nochmal aufgefahren. Geiler Track! Einen langen, rockig-besinnlichen Abschluss mit instrumental-interessanten Einlagen beschert uns nochmal der Rausschmeißer "All I Am". Mein Fazit fällt kurz, knapp, kackig aus, um Fans der härteren, musikalischen Gangart einen Nachdruck zu verleihen: Anwärter auf die Rock-Platte dieses Jahres. Rock-Fans: besorgt es euch! So schnell es geht!



Trackliste:


01. The One You Know
02. Rainier Fog
03. Red Giant
04. Fly
05. Drone
06. Deaf Ears Blind Eyes
07. Maybe
08. So Far Under
09. Never Fade
10. All I Am

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