Review

SCANNER - The Judgment26.01.2015

SCANNER - The Judgment

Scanner - The Judgment

verfasst von Karla The Fox


Stell dir vor, du spielst in einer Speed/Thrash-Metal Band, die zwar nicht gerade zimperlich in ihrer Wort- und Bildwahl ist, aber auch nicht zu denen gehört, die Kirchen brennen sehen wollen - und dann fährst du mit deinem Auto durch die Pampa zu einem Auftritt und plötzlich erscheint dir der Sohn Gottes und sagt dir, du sollst nicht in einer solch blasphemischen Kapelle spielen, dies sei nun dein 11. Gebot. Daraufhin steigst du aus und lässt eine völlig überraschte Band zurück, die sich nun erneut auf die Suche nach einem neuen Mitspieler machen muss.  
So oder so ähnlich erging es der Formation Scanner, die sich ursprünglich Mitte der Achtziger Jahre gegründet hatte, aber durch eben solche Geschichten und die starke Wandlung der Musikbranche über ein Jahrzehnt keinen neuen Output gebracht hat. Nun sind sie zurück, eng um Bandleader Axel Julius verbunden und wollen es noch einmal wissen.

The Judgment heißt ihr neuestes Kind und das hat es gewaltig in sich. Die Songs sollen, nach Angaben der Band, ein bisschen zurück zu den Ursprüngen führen, also an die ersten beiden Alben angelehnt sein, dabei aber trotzdem die Musik aus der Zeit dazwischen nicht ignorieren und mit dem modernen Markt kompatibel sein. Scheint nicht leicht zu erreichen zu sein so etwas, aber Scanner haben so gut es geht geschafft. Ihre Songs sind auf der einen Seite schlicht und direkt, auf der anderen Seite individuell und kreativ. Sie fühlen sich wie vertraute Klassiker an, die überall funktionieren dürften.

Ein gitarrenbetontes Intro, ein wütendes F.T.B. (Fight The Bastards), ein intellektuelles Nevermore (Anlehnung an Edgar Allen Poes Meisterwerk), ein kraftvolles Warlord,... so geht es weiter über den mit viel Liebe geschriebenen Titeltrack bis hin zum Abschluss The Legionary, welches das vom Datum her älteste Lied auf der neuen Platte ist. Es fehlt nicht an Donnerstimmen, die etwas ansagen oder Kirchenglocken, die das einläuten, was man gut und gerne eben als Blasphemie missverstehen könnte. Wem das alles nichts ausmacht, der sollte in der kommenden Zeit mal einem Konzert der inzwischen sicher sehr live-erprobten Band beiwohnen. Gewöhnlicher Stil aber gute Musiker und gutes Album.

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