Konzertberichte

Steel Panther21.09.2010

In Berlin ist es normalerweise schwer, unter der Woche ein Metalkonzert mit Zuschauern zu füllen. Doch an diesem Dienstag war es anders. Steel Panther gaben sich zum ersten Mal die Ehre in Berlin. Im Gepäck hatten sie die Karlsruher Band Pussy Sisster. Die Jungs legten mit viel traditionellem Heavy Metal los und konnten dank starker Bühnenpräsenz ihres Sängers überzeugen. Musikalisch haben sie sehr gut als Support der Amis gepasst. Flotte Texte und zum headbangen anregende Melodien brachten die Fans gut in Stimmung. Nach 45 Minuten war der Gig zu Ende und man wartete gespannt auf Steel Panther.

Glücklicherweise gab es während der Pause keine Ausweiskontrolle, wie einen Tag zuvor beim Konzert in München. Dort hatte das Ordnungsamt eine Alterskontrolle durchgeführt. Der Grund war das Konzert in der Stadt mit dem Dom. Dort hat sich eine professionelle Pornodarstellerin, komplett nackt, eine Dildoshow vorgeführt. Im christlichen München undenkbar und somit begann dort das Konzert 90 Minuten später.

In Berlin gab es eine normale Umbaupause und nach 30 Minuten warten ging es dann los. Das Licht wurde gedimmt, die Fans riefen lautstark nach der Band und als diese dann die Bühne betrat, war das Geschrei groß. Erwartungsgemäß gab es viel weibliches Publikum, welches dann auch in den höchsten Tönen zu schreien begann. Zum Auftakt gab es "Asian Hooker". Die Band hatte zu Beginn noch einige kleine Soundabstimmungsprobleme, die dann aber während des Songs behoben werden konnten. Negativ war gleich zu Beginn der Bierwurf auf Bassist Lexxi. Der war dann sehr bedröppelt, wo er sich doch generell während der Show in seinem kleinen Handspiegel anschaut und immer wieder nachschminkt oder das Haar stylt. Nach dem ersten Track wurde gleich klar, hier wird man gut unterhalten und das nicht nur bei den Songs.

Sänger Michael Starr und Gitarrist Satchel lieferten sich von Beginn an kleine Wortgefechte, die entweder um die eigene Verarschung gingen oder, wie doch zum größten Teil auch in den Songs besungen, um die Vorzüge einer Frau. Da war es auch nicht verwunderlich, das der zweite Track "Eyes of a Panther" war. Gefolgt wurde dieser von "Fat Girl", ein Song der laut Aussage von Satchel während einer Nacht mit einer etwas fetteren Dame entstanden ist. Es gab aber nicht nur Stücke von ihrem "Feel the Steel" Album zu hören. Die Band präsentierte bereits erste Stücke von ihrem neuen Album, welches aber noch keinen Namen hat. Einer dieser Stücke ist "Shocker" gewesen. Das die Fans textsicher gewesen sind, davon konnte man sich bei "Community Property" überzeugen. Der Song, den Satchel mit einer Akkustikgitarre und Drummer Stix mit Rasseln begleiteten, sangen alle mit totaler Leidenschaft mit. Nach der ruhigen Nummer gab es ein Solo auf die Ohren. Üblicherweise wird ein Drumsolo gespielt, doch es gab ein Gitarrensolo von Satchel. Er genoss es sichtlich, dass er bei jedem gelungen Riff gefeiert wurde.

Nachdem Stix mit den Drums eingestiegen ist, donnerte "Turn out the Lights" über die Boxen. Michael war es sehr wichtig mit den Fans zu kommunizieren. So ist es nicht verwunderlich, das er immer die Nähe zu ihnen gesucht hat, natürlich vorrangig zu den Damen. Bei der Ballade "Girl from Oklahoma" saß er gemütlich auf den Boxen und hielt dabei die Hand einer Dame. Lexxi schminkte sich derweil wieder ein wenig. Erneut donnerte ein neuer Song durch die kuschelige Atmosphäre.  "Critter" rauschte durch den Club und eh man sich versah nahte schon das Ende. Die Fans hatten wieder Fahrt aufgenommen und die Band spürte das. Das leidige Spiel, welche Seite lauter ist, begann und als Lexxi etwas über die Stränge schlug mit seiner Aussage, die die Fans wiederholen sollten, waren Michael und Satchel etwas angepisst.

Das schien nicht unbedingt zur sonst grandiosen Show zu gehören, doch bei Steel Panther weiß man nie. Zum Glück fingen sie sich schnell wieder und so konnte gemeinsam "Party all day" gespielt werden. Der Song erinnert sehr an Bon Jovi.  Die Menge gab noch einmal alles und doch den besonderen Augenschmaus bekam Michael, als ein Girl in der ersten Reihe ihre Oberweite präsentierte. Nach dem Song ärgerte sich Satchel ein wenig, da dies geschah, während er mit dem Mund und dem Mikro eine sexuelle Handlung nachstellte. Kurzerhand holte Michael die Dame auf die Bühne und sie sollte es wiederholen. Da kamen dann aber Sprachprobleme dazwischen, denn das junge Fräulein konnte kein Englisch und somit verstand sie auch nicht was Michael von ihr wollte. Er hat es auf Spanisch versucht und selbst die Zeichensprache half nicht viel. Sie durfte dennoch bei "Eatin`ain`t cheatin´" auf der Bühne bleiben. Dies war auch zugleich der letzte Song, bevor Steel Panther zum ersten Mal die Bühne verliessen.

Einige Voreilige verließen bereits den Club und haben damit die grandiosen Zugaben verpasst. Es wurde heiß auf der Bühne diskutiert, welcher Van Halen Song nun gespielt werden sollte. Man entschied sich spontan für "Jump" und sie merkten schnell, es war eine gute Wahl. Text und Melodien saßen wie eine Eins. Weiter ging es mit einem Stück von Mötley Crue. Da ertönte die obligatorische Frage natürlich zum richtigen Zeitpunkt. Do you feel allright and good? Die Fans antworteten und während alle noch schrien, stimmte die Band "Dr. Feelgood" an.

Auf einen Song hat man aber den ganzen Abend gewartet. "Death to all but Metal" durfte natürlich nicht fehlen. Als Abschluss der Zugaben haben sie ihn sich aufgehoben. Die Stimmung kannte kein halten mehr. Alle Arme waren oben und aus jeder Kehle donnerte der Refrain. Die Band verließ erneut die Bühne, doch keiner wollte sie schon gehen lassen. Außerplanmäßig gab es noch zwei weitere Zugaben.

Zuerst spielten die Jungs aus Californien Bon Jovi´s "Livin' on a prayer" und brachten nun auch dem letzten zum Mitgröhlen und kollektivem Feiern. Die zweite außerplanmäßige Zugabe begann auch wieder mit einem Wortgefecht. Satchel behauptete, dass Michael kein Guns ´n` Roses singen könnte. Das ließ dieser natürlich nicht auf sich sitzen und so wurde als krönender Abschluss "Welcome to the Jungle" über die Saiten und Drums gejagt. Man hätte auch meinen können, Axl Rose stände auf der Bühne. Michaels Stimme passte zu den ausgewählten Songs. Danach war dann aber endgültig Schluss und ein grandioses Konzert war zu Ende.

Fazit: Der Glam/Hair Metal, wie man ihn noch aus den 70er und 80er kennt, ist nicht tot. Im Gegenteil, denn Steel Panther haben eindrucksvoll bewiesen, dass auch mit dieser Musik noch eine breite Masse angesprochen werden kann. Musikalisch und gesanglich überzeugt die Band durch Professionalität und Spielfreude, die sich unter anderem in den grandiosen Gitarrensolos widerspiegelt. Und solange noch genug junge und willige Damen in den ersten Reihen stehen, hat die Band kein Problem die richtige Motivation zu finden. Steel Panther sind in jedem Fall einen Konzertbesuch wert.

Ich bin mit Absicht nicht näher auf die textlichen Inhalte eingegangen, denn es könnten Kinder lesen und da es in den Texten eigentlich nur um das Eine geht, womit Bands wie Steel Panther zu tun haben und sie das sehr detailliert ausführen, empfehle ich euch das Album um die textlichen Inhalte zu verstehen.