Konzertberichte

Pipes and Whistles Festival12.03.2011

Auf den Pipes and Whistles Festival gab es eine ungewöhnliche Mischung zu hören. An einem Abend Mittelalterliche Klänge und Irish Folk Musik zusammen, klingt im ersten Moment sehr ungewöhnlich. Doch bereits zum 6. Mal fand das ungewöhnliche Festival statt und es konnte überzeugen. Jeweils 2 Bands mit mittelalterlichen Klängen und der Irish Folk Musik spielten abwechselnd für das tanzfreudige Publikum. Eins versprach der Abend definitiv, dass keiner ruhig auf seinem Platz stehen bleiben würde.

Den Beginn machten Duivelspack aus Detmold. Sie bezeichnen ihre Musik als Mittelalter-Fun-Folk. Sie verstanden es, gleich zu Beginn der Veranstaltung, das Publikum zu fesseln. Witzige Songtexte wie in "Das Leben ist schön" oder "Tom Bollyn", von ihrem 2006 erschienenem Album "In Teufels Küche", sorgten für heitere Stimmung in der Halle und die ersten tanzfreudigen Gesellen tummelten sich auch im Publikum. Ob simples Arme heben und dabei ein Ton hervorzaubern oder mit klatschen an bestimmten Stellen gelang es ihnen, scheinbar spielerisch und mit einer Leichtigkeit mit den Zuschauern nach belieben zu spielen und animierte immer wieder mit Mitmachgesangseinlagen. Duivelspack holten in ihrer gut sechzigminütigen Show Perücken raus und verkleideten sich auch mal als Robin Hood. Ein Zuschauer wurde aufgrund einer vorlauten Äußerung auf die Bühne geholt und durfte selbst einmal die Perücke tragen und sich somit zum Hans machen. Alles in Allem war dies ein sehr amüsanter Auftakt.

In der Umbaupause sorgte eine Feuershow, im Freien, zur Unterhaltung. In der Halle hielt man es zu dem Zeitpunkt nicht mehr ohne Sauerstoff aus. Es wurde sehr warm in der Halle und eine Lüftung oder Fenster, welche sich öffnen ließen, waren leider nicht zu sehen. Die Getränkepreise waren angenehm und die Auswahl reichte vom Odin Trunk bis zum Nationalgetränk der Iren. So ein Guiness in der Pause hatte schon was.

Mit voller Energie ging es dann zum ersten Irischen Beitrag des Abends. Aus Berlin stammen The Cobblestones - zu Deutsch "Pflastersteine". Aber so starr und grau wie eben solche, waren die Herren nicht. Flott legten sie mit ihrem Folk-Sound los und schwangen auf der Bühne so stark das Tanzbein, dass es sofort auf das Publikum überschwappte und dieses begeisternd mitfeierte und tanzte. Die Band spielte erfrischende Klänge aus den Pubs der Insel und auch nachdenkliche Stücke. Erstaunlich gut und sehr authentisch klangen die Lieder der Berliner. Man hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass dies keine Iren seien. Stimmlich waren die Mitglieder der Band sehr originell, denn die Sänger wechselten zwischen den Stücken. Zum Abschluss ein brachte "Drunken Sailor" die Halle um einige Temperaturen nach oben und das ein oder andere Kleidungsstück war bereits getränkt. Die Band bot eine gepflegte Reise durch Irland.

In der folgenden Pause spielte eine kleine Spielmannskapelle auf und unterhielt das Publikum bis zur nächsten Band. Viele der Zuschauer suchten sich auf dem Vorgelände der Halle ein Platz, um die frische Luft zu genießen. Die bei Konzerten bis zu 1000 Menschen fassende Universal Hall in Mitten von Berlin, in der Nähe vom Tiergarten, hat eine gute Akustik. Es ist durchaus verwunderlich, wie wenige Leute diese Location in Berlin kennen.

Die Spielmannsleute der guten Laune luden nun ein zu Spiel und Tanz. Mit einer interessanten Ankündigung des Moderators ging es in die Klänge von Adivarius. Die Band stammt ebenfalls aus Berlin und ihr Motto, gute Laune verbreiten, sollte Programm sein. und an diesem Abend gelang es ihnen erfolgreich. Mit kräftigen Trommelschlägen begannen Adivarius ihr Programm. Sie waren an dem Abend die einzige Band, die auch Dudelsäcke zum Einsatz brachte. Adivarius hatten an dem Abend etwas Besonderes mit dem Publikum vor. Man kennt es aus dem Fernsehen, wenn sich mehrere Menschen zu einer Animation hinreißen lassen und es sieht auch dort immer sehr amüsant aus. Da dies aber Live war, war es natürlich für Band und Publikum lustig zu sehen, wie Musik und Schrittfolgen doch harmonieren können, wenn es mehrere hundert Leute auf einmal machen. Einzig das ständige Eingehen des Sängers auf die einzige Dame der Band, welche zudem auch schwanger sei, nervte ein wenig. Highlight des Auftrittes war der Song "Sunshine Reggae", welcher Zusammen mit einem ehemaligen Bandmitglied und einem Kollegen von den Cobblestones gespielt wurde. Zur Verabschiedung der Band überreichte der Moderator jedem Bandmitglied ein Präsent, welche vom Publikum kamen.

Mittlerweile hat sich die Halle leider etwas geleert, was aber wiederum mehr Luft zum atmen gab. Die Pausenunterhaltung diesmal war ein Quiz. Jede Band stellte einige CD´s zur Verfügung, welche gewonnen werden konnten. Pro Band durften drei Spieler auf die Bühne und es wurden jeweils drei Fragen gestellt. Die Beteiligung an dem Quiz war überraschenderweise schleppend und so dauerte es ein wenig, bis die nächste Band auf die Bühne kommen durfte.

Eigentlich wollte der Moderator noch seine Ansage machen, doch The Keltics ließen ihm dazu keine Möglichkeit. Die Band aus Bergen fiel durch ihre Kilts oder Kilthosen auf und überzeugte, von Beginn an, mit ihrem Irischen Folk Sound. Das Energiebündel auf der Bühne war der Sänger. Er war augenscheinlich schon etwas älter, doch das merkt man ihm nicht an. Er sang und sprang über die Bühne, das man gar nicht anders konnte, als mitzumachen. Dynamische Titel wie am Fließband schossen aus den Boxen. Während einiger Lieder machte die Band ein paar Ausflüge durch die Halle. Nur der Schlagzeuger saß hinter seinen Drums und spielte einsam auf der Bühne. Die Anderen tanzten mit ihren Instrumenten durch die Halle, so dass es eine Freude war, ihnen zuzuschauen. Ein paar Bolognesen, Paartänze, Schunkeleinlagen oder einfach nur mit dem Kopf wippen. Keiner konnte mehr still stehen und musste sich bewegen. Man munkelt, dass einige Flaschen Whiskey im Spiel gewesen seien. Doch wenn das Publikum sich automatisch und auch ohne Alkohol anstecken lies, musste es die Musik sein. Die Halle kochte vor Stimmung und vor Hitze. Am Ende kamen alle Bands auf die Bühne und gemeinsam sang man den Klassiker aus Irland "Dirty old Town".

Damit ging ein erfolgreiches Pipes and Whistles Festival zu Ende und mit diesem kommt schon die Vorfreude auf das nächste Jahr. Diese Veranstaltung ist eine absolute Empfehlung und es macht einen großen Spaß den Klängen zu lauschen und sich danach zu bewegen. Dieses Festival ist der Beweis, dass Mittelalterliche Klänge mit Irish Folk wunderbar harmonieren können.