Konzertberichte

Michael Mittermeier23.05.2012

Mal ehrlich Leute - wer von euch kann sich einen deutschen Comedian vorstellen, der im Ausland erfolgreich ist und das auch noch in Englisch? ... Ich war auch erst sehr überrascht, als die Ankündigung kam...

Denn einer der Größten in der Comedy-Szene ist genau das - er ist im Ausland sehr erfolgreich. Michael Mittermeier gehört zu der Handvoll Comedians, die über den großen Teich fliegen um dort Comedy made in Germany zu präsentieren. Ob nun auf Safari in Südafrika, ein halbes Jahr in New York oder in good old England, Mittermeier hat viel erlebt und gesehen.

Doch nun steht er vor einer seiner größten Herausforderungen. Einen Monat lang (1. - 27. August) wird er jeden Abend in Edinburgh (Schottland) auf der Bühne stehen. Dies geschieht im Rahmen eines großen Comedy Festivals. Da er aber vor Ort nicht versagen möchte und uns Deutsche sehr gut vertreten möchte, probiert er es natürlich an uns aus. So geschehen am 22. Mai 2012 im Berliner Quatsch Comedy Club. "The road to Edinburg - a try out evening" nannte sich das Programm, in dem Michael strickt in Englisch durch den Abend führte. Und wer glaubt, ein Bayer wie er, der kann garkein Englisch, der hat sich getäuscht - gewaltig getäuscht!!

Der Club war erstaunlicherweise nicht ausverkauft - lag wohl daran, das Englisch nicht jeder mag. Die Anwesenden hatten dafür umso mehr Spaß. Ich war ebenfalls vor Ort gewesen und nur um es vorweg zu nehmen: Ich kam nicht ohne Bauchschmerzen, wegen dem Lachen, wieder aus dem Club.

Die Begrüßung des Publikums fiehl etwas verhalten aus, doch dem Profi kratzt das wenig. Er fing direkt im satten bayrischem Englisch an, das Publikum zu begrüßen und eine kleine Einleitung zu geben, was einem denn erwarten würde. Schnell war klar, das wird ein Knaller-Abend, denn wann stellt ein Künstler schon sein Programm, was noch nicht fertig ist, vor solch anspruchsvollem Publikum, wie dem Berliner, einfach so unverblühmt und in einer anderen Sprache vor? Michael tat es und das mit einer Coolness und Lockerheit, die unbeschreiblich war. Und das er kein Blatt vor dem Mund nimmt, das ist jedem im Saal schnell bewusst geworden.

Michael lässt viele Einblicke in seine Erlebnisse zu und er erzählt von seinen Reisen, nicht um dabei hin und wieder das Publikum einzubeziehen. Im Club waren Besucher aus Kanada, Südafrika, England und aus Schottland. Mit dem Schotten freundete er sich schnell an und der Engländer durfte das ein oder andere Mal ordentlich einstecken - nicht persönlich, doch die Gags trafen ihn und seiner Nation betimmt. Aber am meisten bekamen wir Deutschen was ab. Gut nun muss man gleich klarstellen, es ist Alles mit einem großen Augenzwinkern zu sehen und Spießigkeit ist an den Stellen, wo Deutschland durch den Brei gezogen wird, nicht angebracht. Oft ging es in den Gags in die Historie unseres Landes, wobei da mehrfach auf die Zeit des zweiten Weltkrieges zurückgegriffen wurde.  Mit seiner gewohnten Gestik um Mimik überzeugte Mittermeier von Beginn an und sein Feuerwerk an Gags lies kein Auge trocken. Auch alte Bekannte aus älteren Programmen fanden sich in seiner Show wieder. So hatten die Kakerlaken aus New York, welche immer Stoned und bekifft waren, einen Auftritt, wie auch die Star Trek Crew und auch Mag Gyver durfte nicht fehlen.

Gefehlt hat ihm hin und wieder der Text, aber dafür ist es eine Try Out Show gewesen. Gelegentlich ging er zum Tisch auf der Bühne, wo sein Showskript lag und von dort las er hin und wieder ein paar Textstellen ab. Besonders genau nahm er es mit den Klischees der Nationen. Dabei wurde nichts unenthüllt gelassen. Warum die Italiener immer so theatralisch beim Fußball die Schwalben zelebrieren, warum die Griechen ein Großteil der Welterfindungen für sich beanspruchen, warum das Trojanische Pferd ein riesen Missverständnis für die Trojaner war, wie die Deutschen im Ausland wirken und Vieles mehr. Immer mit dem Leitfaden der Safari, die er selbst erlebt hat. Ebenfalls die Chinesen wurden betrachtet und Michael erklärte uns, warum man ein Haus in China einreisen kann und zwei Wochen später ein doppelt so Großes dort steht. Und warum die Schotten sich freuen können, wenn der Klimawandel voranschreitet, wurde ebenfalls ergründet.

Das Publikum bekam auch die Warnung, McGyver niemals zum Islam konvertieren zu lassen, weil sonst mächtige Probleme auf uns warten könnten. Auch die Erklärung mit den 72 Jungfrauen für Selbstmörder in diesen Regionen der Erde, blieb er uns nicht schuldig. Wichtige Regeln zum Verhalten im Busch und auf Safaris gab es zum Eintrittpreis dazu.

Man kann im Gesamten festhalten: Mit dieser Show über die zahlreichen Klischees und ohne Speedlimit, kann Michael Mittermeier in Edinburgh vollkommen bestehen !!! Aber vorsicht, sollte er ein Schritt auf englischen Boden machen, während der Klimawandel zuschlägt: Dann heist es - Learn to Swim !!


verfasst von Kalle