Es ist gerade einmal wenige Wochen her, dass man die frohe Meldung bei einem bekannten Metal-Nachrichtenservice vernehmen konnte: Metallica würden im Rahmen ihrer noch immer laufenden World Magnetic-Tour in den Emiraten spielen! Endlich mal was los hier in der Ecke, wo ich derzeit 2-3 Wochen pro Monat mit Arbeiten verbringe. Und gleichzeitig ein wenig Entschädigung dafür, dass ich bei zahlreichen Konzerten und Touren in der Heimat nicht dabei sein kann. Auch hatte ich es bisher nicht zu einem der zahlreichen deutschen Konzerte der Band geschafft und die Jungs sind somit eine der wenigen namhaften Bands im Metal, die ich bis dato noch nicht live erleben durfte. Umso mehr stieg die Vorfreude, als die berufliche Reiseplanung, die Möglichkeit zu dem Zeitpunkt gerade in der Region zu sein, eröffnete.
Als Austragungsort des ersten Metallica-Auftritts im Nahen Osten überhaupt wurde eine relativ neu errichtete Arena in einem Vergnügungsviertel namens Yas Island, am Stadtrand von Abu Dhabi gelegen, gewählt. Nun ist das Ganze knapp 100km von meinem Arbeitsort entfernt und es stellte sich die Frage der An- und v.a. auch Abreise, da es unter der Woche ist und am nächsten Tag früh gearbeitet wird. Nun gibt es zwar Überlandbusse, aber die fahren ähnlich wie auch bei uns nicht nachts. Es gab ursprünglich auch Konzerttickets in Kombination mit Bustickets für Hin- und Rückfahrt von und nach Dubai, aber die waren knapp einige Tage vor dem Ereignis nicht mehr erhältlich. So begnügte ich mich mit einem einfachen Ticket und musste meine An- und Abreise selbst organisieren. Ich entschied mich für einen Mietwagen, da es die einfachste und auch kostengünstigste Lösung war. Gesagt getan und so ging es über den bis zu sechsspurig pro Fahrtrichtung ausgebauten Sheik Zayed Motorway Richtung Abu Dhabi. Sicherheitshalber hatte ich mir ein GPS mitgeben lassen, damit ich die Location auch finde, allerdings ist diese noch so neu, dass das ganze Gebiet auf den elektronischen Karten noch ein weißer Fleck ist. Der Yas Leisure Drive ist aber sehr gut ausgeschildert und so gestaltete sich die Anreise problemlos. Bereits auf dem Parkplatz zeigte sich die sehr gute Organisation der Veranstalter, die hunderte Einweiser im Einsatz hatten, die die Besucher zu ihrem Parkplatz geleiteten, bei uns wäre der Fahrer dann gleich erst ein weiteres Mal zur Kasse gebeten worden, aber nicht so hier.
Am Einlass zur Arena machte sich schon die Zweiteilung bemerkbar, zahlungskräftigere Besucher hatten im Voraus für das Doppelte des normalen Eintrittspreises sogenannte Fan Pit Tickets erwerben können, die exklusiv Zugang zu den vorderen Bereichen vor der Bühne und in die Arena durch einen eigenen Einlassbereich gewährten. Diese Tickets waren allerdings schon lange vorher ausverkauft, normale gab es hingegen auch noch an der Abendkasse.
Das Publikum in der Arena war großenteils männlich und entsprechend des Großteils der hier lebenden ausländischen Bevölkerung vorwiegend indischer, pakistanischer oder südostasiatischer Herkunft, eine größere Menge Fans war auch aus dem Iran angereist. Insgesamt waren aber nur sehr wenige mit langen Haaren zu sehen und immerhin gerade einer mit Kutte.
Die Arena selbst ist eine Outdoor-Spielstätte mit teilweiser Überdachung, also nix mit Klimatisierung möglich und natürlich war es auch hier Ende Oktober noch sommerlich heiß. Im Eingangsbereich begrüßte einen der Merch-Stand mit relativ humanen Preisen für so eine große Band, in Deutschland wär´s deutlich teurer.
Gegen 19.45 Uhr betrat auch schon die Vorband die Bühne, hierbei handelte es sich um Nervecell, eine lokale Band aus Dubai, die Death Metal spielen. Das Publikum war offensichtlich recht ausgehungert nach Metalkonzerten, so dass die meisten schon bei den ersten Songs ordentlich ausflippten und sich schon einige recht heftige Moshpits bildeten. Der Sound war in Ordnung, wenn auch nicht besonders laut und entsprechend der Größe der Veranstaltung waren bereits zwei seitliche Videowände im Einsatz. Der Sänger forderte regelmäßig auf, einen circle pit zu bilden, was vielerorts dann auch freudig aufgenommen wurde. In seinen Ansprachen zwischen den Stücken ging er auf die internationale Verbundenheit der Metal-Szene ein und stellte seine Band als Repräsentanten der Emirate vor. Nach einer guten dreiviertel Stunde war der vermutlich größte Auftritt von Nervecell in ihrer Geschichte dann vorbei und die Menge war gut angewärmt für den Headliner des Abends.
Die Arena hatte sich inzwischen gut gefüllt, dennoch war es kein Problem, zwischendurch ein Getränk an einem der zahlreichen Stände zu organisieren, was in Anbetracht der Hitze auch nötig war, und dann wieder recht weit nach vorne in der Masse zu gelangen. Die Umbauarbeiten dauerten eine ganze Weile und ein kurzer Drumsoundcheck ließ dann eine doch deutlich höhere Lautstärke als zuvor erwarten.
Erst nach einer guten Stunde gingen endlich die Lichter aus und zum Intro (The Ecstacy of Gold) lief eine Szene aus einem Clint-Eastwood-Western auf den Videowänden, bevor die Band auf der Bühne mit Creeping Death gleich ordentlich in die Vollen ging. Das Publikum war schon von Beginn an in Hochstimmung ging richtig mit. Die ersten Pogergrüppchen bildeten sich auch bereits. Der Sound war bei, verglichen zu vorher, deutlich erhöhter Lautstärke satt und gut ausbalanciert und von einer erstaunlichen Klarheit, für so ein großes Open Air-Gelände. Bei Fuel als drittem Stück, nahmen die Poger ein wenig überhand. In einer ersten kurzen Ansprache ans Publikum fragte Hetfield ob das Publikum denn das alte Material möge. Natürlich würden bei einer Show in einem Land, wo sie noch nie gespielt haben mehr Klassiker dabei sein müssen, als anderswo, wo sie regelmäßig auftreten.
Nach eben zwei dieser Klassikern, wie Ride the Lightning, ging es mit einem ersten Stück vom letzten Album, Cyanide, weiter, das live deutlich stärker klingt, als ich es von der Studioversion in Erinnerung hatte. Ordentlich was zum Mitgrölen gab es für das Publikum bei The Memory Remains, anschließend folgte einer meiner Favoriten, Welcome Home (Sanitarium) eines dieser Stücke, welche man schon immer mal live hören wollte. Darauf folgte gleich ein weiterer Klassiker mit Sad But True. Absolut großartig!
Für mich allerdings absolutes Highlight des Abends war, das Stück All Nightmare Long vom letzten Album komplett live zu bekommen, das war eine meiner größten Hoffnungen an den Abend, dass ich das würde hören können. Headbanging bis zum Abwinken, wenn auch nicht bei allen, manche Zuschauer schienen das Stück gar nicht zu kennen oder nicht zu mögen und reagierten entsprechend wenig. Es sollte sich jedoch erst als Anfang einer Highspeed-Runde herausstellen, da es sogleich von One gefolgt wurde, woraufhin wiederum Master of Puppets folgte, also keine Pause für die Nackenmuskeln.
Erst beim späteren Gitarrensolo von Kirk Hammet und dem folgenden Nothing Else Matters konnte man etwas verschnaufen und die von 20000 Kehlen erzeugte Gänsehautstimmung genießen. Danach gab es wieder was zu tun für den Nacken bei Enter Sandman, auch so ein Stück, was die Reise zu dem Konzert alleine schon wert gewesen wäre. Anschließend ging die Band zunächst von der Bühne. Eine Zugabe durfte natürlich nicht fehlen und so wurde dieser Teil mit einem Cover, dem Stück Am I Evil? eingeleitet, welches sie schon lange immer mal wieder live und auch bei den Big Four-Konzerten mit Mitgliedern von Anthrax, Megadeth und Slayer spielten. Zwei weitere Stücke sollten noch folgen, Seek and Destroy war der abschließende Hammer und leitete das unwiderrufliche Ende der Show ein. Nochmal ordentlich abgerockt, bevor die Band sich ausgiebig vom Publikum verabschiedete und noch jedes Bandmitglied kurz ein Statement abgab.
Beim Rausgehen gab es dann aber doch noch eine abschließende Enttäuschung: anders als bei uns üblich war der Merchandise-Stand zum Ende der Show schon komplett leer und abgeräumt, lediglich von der Vorband waren noch Shirts und CDs zu erstehen. Offensichtlich hatte da jemand die Nachfrage weit unterschätzt. So ging es also dann ohne Shirt zurück zum Parkplatz, von dem herunterzukommen alleine schon eine halbe Stunde im Stau stehen erforderte und eine weitere halbe Stunde ehe man es auf die Autobahn geschafft hatte.
Insgesamt ein herausragendes Konzerterlebnis mit über 2 Stunden Metallica in bester Spiellaune, einer Setlist an der es nix zu meckern gibt (auch wenn ich persönlich noch gerne Whiplash und Battery gehört hätte) und nahezu perfekter Organisation (bis auf die Fehlplanung bei den T-Shirts). Hoffentlich folgen weitere internationale Bands aus dem Rock und Metalbereich dem Beispiel und werden ebenfalls in den Emiraten bzw. im Mittleren Osten allgemein spielen, das Publikum ist in jedem Falle da.
METALLICA's setlist in Abu Dhabi:
01. Intro/Creeping Death
02. For Whom the Bell Tolls
03. Fuel
04. Ride the Lightning
05. Fade to Black
06. Cyanide
07. The Memory Remains
08. Welcome Home (Sanitarium)
09. Sad But True
10. All Nightmare Long
11. One
12. Master of Puppets
13. Blackened
14. Nothing Else Matters
15. Enter Sandman
Zugabe:
16. Am I Evil?
17. Motorbreath
18. Seek & Destroy
verfasst von HENRY (BerserkerRage)