Auf der Bühne: zwei halbnackt bekleidete Männer, welche eine riesige Erektion zur Schau tragen und diese halten, als hätten sie Gitarren in der Hand. Daneben: vier pinkgekleidete Musiker, welche nun wirklich Instrumente bearbeiten. Nanu, sind wir in einem Schmuddelfilm gelandet? Nein, Schmuddel ist zwar im Fotograben für euch dabei, aber wer den Tönen lauscht, merkt schnell: dies ist "Walk With An Erection" und die vier Männer (plus Augenschmausbegleitung) sind die Jungs von J.B.O. welche an diesem 14.12.2011 im Rahmen ihrer Killer Tour in der Kölner Live Music Hall auf der Bühne stehen.
Weniger bekannt ist die Vorband, welche erst einmal eine knappe dreiviertel Stunde auf den Headliner einstimmt: Krautschädl aus Österreich sind hierzulande noch recht unbekannt, und auch genau aus dem Grund dabei, verrät uns Hannes im Interview, denn diese drei Jungs haben auch hierzulande definitiv mehr als den Geheimtippstatus verdient: ihre Musik ist rockig und ihre Texte garantiert mal anders: hier hört man die Herkunft noch in (fast) jeder Zeile. Beim ersten Song "Dreg" merkt man dem Publikum teils noch die Überraschung an, doch da der Sound stimmt, gewöhnt man sich bei "s´Woschbredl" und "GemmaGemma" auch an den oberösterreicherischen Dialekt und das Konzept geht auf. Immerhin singen die drei Jungs auch a bissl Englisch im "Cowboysong", so dass in Köln nur vereinzelt ?Sprich Hochdeutsch? Rufe laut werden und die Band nach einem letzten Jodler gut gelaunt verabschiedet wird.
Pünktlich um 21 Uhr gehen die Lichter auf der Bühne aus und die versammelten Fans aus Köln und Umgebung bekommen geschichtliche Nachhilfe vom Urknall bis - J.B.O.! Und nun ist es soweit, diesmal nicht im lockeren Casualstyle wie noch bei unserem Interview (welches ihr euch am Ende des Artikels ansehen könnt!), sondern so, wie wir es alle gewohnt sind, betreten Hannes und Konsorten in mehr oder weniger pink die Bühne und scheinen sich in der ausverkauften Live Music Hall unter lauter J.B.O.-Merch gekleideten Fans gleich wohl zu fühlen, weswegen sie von Anfang an Vollgas geben. Neben dem eingängigen "Walk With An Erection" kommen mit "Geh mer halt zu Slayer" und "Arschloch und Spaß dabei" noch einige Klassiker der Band, welche eifrig mitgegröhlt werden und für Laune sorgen. Ebenso textsicher ist das Publikum bei den Songs des neuen "Killeralbums": "Dr. Met", "Dadadidadadei", "Kalaschnikow" und das namensgebende "Killer" veranlassen Hannes zu einem Dank bei den Fans, welche das Album erworben haben und die Fans geben es zurück, in dem sie die Vertreter des Blöedsinns noch ekstatischer feiern.
Immerhin ist die Killertour nicht nur, um das neue Album zu präsentieren, sondern bietet mit zahlreichen Coversongs und lediglich live existierenden Versionen wie stets alle Rechtfertigung, sich J.B.O. in persona anzuschauen. So passt die Lightshow immer perfekt zu Musik und Text - man merkt eben, dass hier die eigene Crew mit unterwegs ist und sich ins Zeug legt. Daneben bieten nicht nur die vier Musiker eine gute Show, sondern haben sich Unterstützung dazu geholt: "Feli" und "Stefanie", die beiden Stripper bei "Walk With an Erection" verkleiden sich im Laufe des Abends in Rekordzeiten in immer aberwitzigere, aber passende Kostüme und laufen so als Krankenschwester, Killerqueen, Trachtenmädchen oder Engel auf. Wie zwei Animateure heizen auch sie den versammelten Zuschauern mächtig ein, und so manch einer wundert sich wahrscheinlich, wie die beiden es schaffen, nebenbei noch einzelne Textzeilen mitzusingen oder mit Textschildern über die Bühne zu rennen. Alle Liebeslieder ("Gänseblümchenlied" und "Lieber Fieber") in Ehren, auch der religiöse Teil kommt nicht zu kurz, und so hat neben "Ich vermisse meine Hölle, Satan ist wieder da" und Hannes als Teufel auch das "Glaubensbekenntnis" seinen Platz in der Setlist. Hier verkündet der Hohe Priester die einzig wahre Religion vor headbangenden Messdienern und trifft im Publikum, was anscheinend ebenso zu viel hat von einer Showtime Sonntags um 10, auf begeisterte Ohren: alle Hände erheben sich, und das Amen hallt noch nach, da kommt J.B.O. wie gewohnt stets auf Blöedsinnmission, bereits mit profaneren Themen "Hose runter, Schwanzvergleich".
Feiern bis zum letzten Ton: das ist heute Programm, und umso einzigartiger, als dass in "Bimber bumber dödel dei" eine Zeile extra auf Köln umgedichtet wird (und die Frage stellt, welch kreative Lösung sich die Band für die noch kommenden Konzertstädte bei der Killertour 2012 einfallen lassen wird! Ist "mein Stück hat net gewöln, heut abend hier in Köln" noch zu toppen?). Ebenso ist es leider nicht möglich, anders als live die verbesserten Versionen von Rammstein etwa zu hören, da diese die Erlaubnis für ein Cover bislang verweigern. Entsprechend der Aufruf an die Fans, sich bei der Band zu melden, und dem können wir uns nur anschließen: was J.B.O. aus dem angeblich obszönen Originaltext macht, ist wirklich hörenswert!
Etwas anderes war aber auch gar nicht zu erwarten, und so ist die Stimmung nach den Zugaben "I Don?t Like Metal", "Ein guter Tag zum Sterben", "Bolle" und "Verteidiger des Blöedsinns" auf dem Höhepunkt, die körperliche Kondition dagegen am Tiefpunkt. Ein solch gelungenes Konzert musste schließlich entsprechend gefeiert werden, denn es war rundum, wenn ich die Jungs mal zitieren darf: "Ein Fest".
Bericht: Emma von Laberpla.net