Konzertberichte

Guano Apes18.04.2011

Man hat ja nicht alle Tage die Möglichkeit, eine deutsche Band in einem fremden Land zu erleben. Wenn man ein Die-Hard-Fan wäre und zu jedem Konzert reisen würde oder auf einem Festival, in einem anderen Land, dann eventuell. Doch in meinem Fall ist es etwas anders. Ich wohne und lebe für einige Wochen in Finnland und freue mich daher umso mehr, wenn mal Besuch aus Deutschland kommt. Zu Gast im Tavastia in Helsinki waren die Guano Apes. Nach ihrem Comeback und der Veröffentlichung ihrer neuen Scheibe "Bel Air" begibt sich die Band jetzt auf große Tour durch Europa.

Das Tavastia fasst maximal 700 Zuschauer auf zwei Etagen. Die Türen zur Location öffneten sich um 20 Uhr und man kam in einen Vorraum, wo man die Jacke abgeben muss. Das ist hier Pflicht und eine Ausrede ist so gut wie nicht möglich. Die Türen zur eigentlichen Halle blieben bis 21 Uhr aber noch geschlossen. Bis zu diesem Zeitpunkt befanden sich maximal 150 Leute im Vorraum. In Finnland kommen die Besucher meist erst kurz vor Beginn und dann alle auf einmal. Showbeginn war um 21:30 Uhr und es gab keine Vorband. Für mich ist das sehr ungewöhnlich, da man aus Deutschland mindestens eine Vorband gewohnt ist. Gut, hier ist das eben etwas anders.

Gestartet wurde die Setlist mit "Oh what a night". Dies ist die erste Single-Auskopplung aus dem neuen Album und man merkte Sängerin Sandra sofort an, dass sie heute gesundheitlich etwas angeschlagen war. Dennoch gab sie von Beginn an Gas und versuchte das Publikum sofort auf Temperatur zu bringen. Als zweiten Song vom Album "Walking on a thin line" gab es "You can´t stop me" zu hören. Zuerst aber nur instrumental, da Sandra den Text vergessen hatte. Erst zur zweiten Strophe konnte sie wieder einsetzen. Das war natürlich kein optimaler Start, sorgte aber gleich für einige Lacher und lockere Stimmung vor und auf der Bühne. "Sunday Lover", ebenfalls ein Stück vom neuen Album, folgte als drittes auf der Liste. Während dem sang Sandra sehr gefühlvoll und brachte sehr viel Emotionen rüber. Ich musste dann leider den Fotograben verlassen und platzierte mich dann mittig auf der zweiten Etage. Die Soundqualität nahm dort leider sehr stark ab. Im unteren Bereich war dieser glasklar und sehr sauber, doch die Boxen waren nicht auf die zweite Etage ausgerichtet. Somit habe ich mehr die Menschen um mich herum gehört, als die Band auf der Bühne. Anfangs gab es nicht viele Ansagen und Gespräche mit dem Publikum und es erweckte ein wenig den Eindruck, als wenn die Band mehr für sich spielt. Sehr oft haben sie sich zum Schlagzeuger Dennis gewandt und dem Publikum leider den Rücken gezeigt. "Quietly" und "Sing that song" waren dann nur Beiwerk in der Setlist, bevor es dann zum ersten großen Highlight kam. Gitarrist Henning hatte fälschlicherweise "No Speech" ein Song zu früh angekündigt. Als dann die Klänge ertönten, kam das erste Mal das Tavastia in Jubelstürme.

Von da an hatten Guano Apes das Publikum für sich gewonnen und es begann aktiv am Konzert mit Klatschen und Hüpfen teilzunehmen. Vom neuen Album folgte dann der Track "When the ships arrive" und dann "Pretty in Scarlet". Beide wurden souverän dargeboten. Was mir dabei erst aufgefallen ist: die Band hatte einen Gastgitarristen mit an Board. Er stand im Hintergrund und unterstütze sowohl mit Gitarre als auch beim Gesang. Dann folgte eine kleine Geschichtenpause. Henning musste etwas mitteilen und das zog sich. Leider habe ich nicht viel verstanden, da das Mikro sehr leise war und oben auf den Rängen nichts ankam. Mit "This time", "Underwear" und "Open your eyes" endete dann der offizielle Teil der Setlist. Als Zugaben gab es "Plastic mouth" mit einem Instrumental zuvor und als aller letzten Track den Klassiker "Lord of the boards". Dort gab es dann auch auf den oberen Rängen kein stillstehen mehr und es wurde gemosht und geheadbangt. Der untere Teil übte sich im Gruppenspringen.

Fazit: Insgesamt spielten die Guano Apes bis kurz nach 23 Uhr und konnten dem Publikum, nach anfänglicher Schwäche doch noch einheizen. Es macht sich bemerkbar, wenn kein Support vorher spielt. Sandra überzeugte mit ihrer Power und in den Balladen mit dem Gefühl in der Stimme. Schlagzeuger Dennis verausgabte sich ordentlich an den Drums und Gitarrist Henning sorgte hin und wieder für Gesprächsstoff mit dem Publikum. Bassist Stefan hatte zum Schluss noch mit einer Stagediving-Einlage auf sich aufmerksam gemacht. Sonst ist er nicht wirklich präsent gewesen. Ein Guano Apes - Konzert ist ein Erlebnis, denn die Mischung der Klassiker mit den neuen Songs ist sehr gut und es kommt keine Langeweile auf. Ich werde, wenn ich die Möglichkeit haben sollte, wieder ein Guano Apes Konzert besuchen. Sie haben es halt nach all den Jahren, auch mit dem neuen Album, einfach noch drauf.