Konzertberichte

Alice Cooper08.11.2010

Es war mal wieder Shock-Rock-Time in Berlin. Am 08.11.2010 gab sich Alice Cooper in der Berliner Max-Schmeling-Halle die Ehre, um das Publikum auf seiner "Theatre of Death Tour" mit seiner grandiosen Bühnenshow zu begeistern. Doch zuvor gab es Sicherheitshinweise für das Publikum. Man solle nicht rauchen, die Mobiltelefone ausschalten und der Hinweis, dass man sich auf einem Rockkonzert befindet. Was allerdings nicht gesagt wurde ist, dass es etwas lauter werden könnte und grelle Lichteffekte auf die Augen treffen könnten. So wurde die Ansage mit sehr viel Spott beklatscht.

Den Anfang des Konzertabends machte der Suprise-Act "Eisbrecher". Um Punkt 19 Uhr betrat "Der Checker" alias Alexander Wesselsky die Bühne. Als Opener wählte er den Titeltrack des aktuellen Albums "Eiszeit". Einige ältere, doch überwiegend neue Stücke, wie "This is Deutsch", wurden in den gut 30minütigen Auftritt geboten. Soundtechnisch hatte die Band aber keinen guten Tag. Der Tontechniker vergriff sich mehrfach in der Einstellung und der Funke wollte nicht übergesprungen.

Die Halle war bisher sehr schlecht gefüllt, was sich beim zweiten Support nicht groß änderte. Als Tarja um 20 Uhr die Bühne betrat und mit "Dark Star" ihre Show eröffnete, wiederholte sich das Problem, wie zuvor bei Eisbrecher. Der Sound war nicht gut eingestellt und so war Tarjas sehr dominante Stimme zu leise und das Cello zu laut. "The Beast", Mike Terrana, an den Drums hörte man sehr leise. Er ist als Drummer von Axel Rudi Pell und Rage bekannt und jeder weis, wenn er auf die Drums schlägt, kracht es normalerweise gewaltig. Das lies die Technik in der Halle leider nicht zu. "My little Phoenix", "Little Lies", "Underneath", "Ciaran´s Well" und "In for a Kill" folgten auf den Opener. Das sind alles eigene Stücke, der ehemaligen Nightwish-Sängerin. Mit "Nemo" kam dann auch ein Song aus der Nightwish-Ära und im Anschluss gab es den Gary Moore Klassiker "Over the Hills and far away". Tarja wechselte häufig ihre Kleider und so stand sie mal im Minirock oder im langen zweifarbigen Kleid auf der Bühne. Die letzten drei Stücke "Falling Awake", "I walk alone" und "Until my Last breath" bildeten den Abschluss ihres 45 Minuten Sets.

Man wartete gespannt auf den Auftritt des Altmeisters, doch er lies sich eine ganze Weile bitten. Er kam erst zwanzig nach Neun auf die Bühne und legte mit "Shools out" gleich einen Klassiker vor. Nahtlos schloss sich ein weiter Old-Time-Favourit, "No more Mr. Nice Guy" an und Alice Cooper brachte die Fans ins schwärmen. Doch man musste leider feststellen, dass das Berliner Publikum an dem Abend eingefroren war. Die Ränge blieben sitzen und die Reihen vor der Bühne kamen auch nicht richtig in Bewegung. Dem Sound konnte man dieses Mal nicht die Schuld geben, denn er hat sich ein stückweit verbessert. Doch auch bei "I´m Eighteen" gingen nur wenige Hände hoch. Dabei merkte man Alice an, dass er Spaß auf der Bühne hatte und auch die Bandkollegen gaben von Anfang an Gas. Mit Peitsche und Ledermütze kam Alice zurück auf die Bühne und sang "Wicked Young Man", wo er zuerst einen der Lakaien mit einem Degen erstach und danach in eine Zwangsjacke gesteckt wurde. Jetzt wurde es etwas sanfter und besinnlicher. Eine Akustikgitarre läutete die "Ballad of Dwight Fry" ein. Während des gesamten Songs blieb Alice in der Zwangsjacke und dank einer Guillotine starb er zum ersten Mal auf der Bühne. Der abgetrennte Kopf wurde bei "Go to Hell" des Öfteren von dem wieder auferstandenen und mit echtem Kopf versehenden Alice zur Schau gestellt.

Die freundliche Krankenschwester trat bei "Cold Ethyl" zum ersten Mal in Erscheinung, wurde dann aber durch eine Puppe ersetzt, denn Cooper ging mit ihr alles andere als freundlich um. Zur Strafe bekam er beim nächsten Track eine fette Spritze verpasst und starb zum zweiten Mal. Überraschenderweise folgte "Poison". Hier zeigte sich, dass er auch nach über 40 Jahren auf der Bühne immer noch die Power hat, solche Klassiker grandios zu singen. Die Stimme ist etwas rauchiger geworden und einige Satzenden sind nicht mehr so rund, aber es macht Spaß bei dem Klassiker mitzusingen. Zum ersten Mal wippten auch die Ränge in der Halle mit, dennoch bleibt die große Euphorie aus. Luftgitarrenfreunde hatten bei "From the Inside" ihren Spaß. Die nette Krankenschwester untersuchte bei "Nurse Rozetta" Alice gründlich und er dankt es ihr bei "be my Lover", indem er sie mit einem Strumpfband erstickte, welches er sich über den Kopf zog. Während er bei "Only Woman bleed" noch um sie trauert, wird er von ihr beim folgendem "I Never Cry" am Galgen erhängt. "The Black Widow" gönnt dem Erhängten eine kurze Pause, denn die Bandkollegen hatten ihre Solis.

Ein Podest wurde auf die Bühne gefahren und empor stieg die Spinne Cooper. Mit dem Kostüm sang Alice "Vengance is mine" und war sehr spendabel. Zuerst gab es bei "Dirty Diamonds" einige Halsketten für die Menge und im Anschluss verteilt er bei "Billion Dollar Babies" einige Dollar von seinem Degen aus. Nun war es Zeit für den nächsten Sterbevorgang. "Killer" und "I love the Dead" waren die nächsten Stücke auf der Setlist und bei letzterem starb Cooper nun bereits zum vierten Mal. In diesem Fall durch zerstechen in einer Kiste. Viele Bands haben ihre Klassiker in den Zugaben, Alice Cooper aber nicht. "Feed my Frankenstein" dröhnte über die nun doch besser eingestellten Boxen. Die etwas unwirklich erscheinende Monsterpuppe, die am Ende mit einer Spritze beruhigt wurde, konnte die lähmende Stimmung in der Halle aufmuntern. Jetzt versuchte Alice es mit "Under my wheels" und brachte damit doch noch einige Besucher auf den Rängen zum mitwippen. Es ist leider erschreckend, wie wenig vom Publikum bei der grandiosen Show zurückkam. Verhaltener Applaus und wenig Jubel den ganzen Abend über. Die Show von Alice war super, wie auch die letzten beiden Zugaben "Elected", wo er im glitzernden Anzug, Zylinder und Deutschlandfahne auf die Bühne trat und dem bereits als Opener verwendeten "Shools Out" sang.

Fazit: Es war ein Konzertabend, der hätte besser verlaufen können. Die Supportacts waren gut, sofern es die soundtechnischen Mittel zuließen. Die Show von Alice Cooper war stark und stimmte einwandfrei mit dem Tournamen überein. Das Publikum muss auf alle Fälle noch einmal in die Verhaltensschule für Konzertbesucher. Auch an einem Montagabend kann man mehr Elan und Begeisterung für den Künstler und die Band aufbringen. Man zahlt doch keine 50 Euro Eintritt, um dann wie in einem echten Theater, nur rum zu sitzen und nichts zu tun. Alice Cooper liefert immer wieder einen grandiosen Auftritt und zeigt, warum er ein Meister seines Faches ist. Fit genug ist er und die Stimme reicht auch noch für über 90 Minuten live Show. Ein Besuch seiner Show lohnt sich in jedem Fall.