Review

WINTERSUN - The Forest Seasons28.07.2017

WINTERSUN - The Forest Seasons

WINTERSUN - The Forest Seasons

verfasst von Kalle

Wenn Bands sich wirklich Gedanken über ihre Musik machen und sich Zeit lassen, diese anständig zu produzieren und umzusetzen, speziell wenn es Konzeptalben sind, dann muss ich jedes Mal meinen Hut davor ziehen. Wintersun gehören zu solch einer Band. 2004 gegründet haben sie sich über die Jahre eine große Fanbase erspielt und erkämpft. Guter Melodic Death Metal aus Finnland und bisher mit zwei Studioalben. Nun kommt das dritte Album und man ist geneigt fast EP zu sagen, wenn man sieht, das dort nur vier Songs drauf sind. Allerdings ist die Gesamtspiellänge, mit über 54 Minuten, doch in normaler Albumqualität. Und wenn man genauer ist, so haben die einzelnen Songs noch einige Unterparts, die fast eigenständig stehen könnten, aber eben nur könnten. Denn diese Album muss man im Gesamten genießen und auf sich wirken lassen.

Angelehnt an die vier Jahreszeiten bekommt ihr eine Reise in die finnische Natur und ihren Werdegang durch das Jahr. Vom Erwachen und Aufblühen im Frühling, einen tollen Sommer, den sehr düsteren Herbst und dem dunklem und kalten Winter ist alles dabei. Und das jetzt in Musik verpackt? Ja und nochmals Ja. Ich bin total begeistert von der Umsetzung. Das liegt mitunter daran, das ich ja 2011 für 2 1/2 Monate in Finnland gelebt habe und dort ein Teil vom Winter, den Frühling und einen Teil vom Sommer mitbekommen habe. Ich persönlich kann mich sozusagen sehr in die Songs reinversetzen und nachvollziehen, was Wintersun hier ausdrücken wollen. Das allerdings in Worte zu fassen, das ist schwer. Die Tracks hören auf "Awaken From The Dark Slumber (Frühling), "The Forest That Weeps (Sommer), "Eternal Darkness" (Herbst) und "Loneliness (Winter).

Was ich euch empfehle ist: Lasst die Songs zuerst auf euch wirken und kümmert euch nicht wirklich um die Lyrics. Denn allein die Stimmungen in den Songs, durch verschiedene Instrumente, Chöre, Stimmlagen usw. lassen euch erst einmal mit offenem Mund da stehen. Gestartet wird ganz sanft und leicht gemütlich durch einen Hauch... im Hintergrund hört ihr einen Uhu...tolle Stimmung. Dann steigen die sehr atmosphärischen Melodien ein und ihr werdet direkt wach. Mir gefallen diese zahlreichen Instrumentalparts sehr. Im ersten Song erinnern sie mich stark an Ensiferum. Und wer mich kennt, dem ist bekannt, das ich Ensiferum absolut geil finde. Daher... Volltreffer in mein Metallerherz. Im zweiten Track wird es dann etwas melodischer und speziell im Mittelteil total genial im Stimmungsaufbau. Ein absoluter Genuss und einfach Episch, was hier auf die Gehörgänge kracht.

Im dritten Song war ich überrascht, verwundert und begeistert zugleich. So düster habe ich Wintersun noch nie erlebt. In der Beschreibung zum Album heißt es: "Er illustriert den finnischen Herbst, in dem man kaum mehr Licht zu Gesicht bekommt. Doch letztendlich dreht sich der Song um den Tod - darum, wie er auf das Leben blickt, als sei es ein Fehler im Universum. Es ist episch und unterteilt in vier Parts, die die Phasen des Sterbens vertonen." Mehr muss man dem gar nicht hinzufügen. Der Song ist wirklich düster mit den harten und schnellen Drums und Riffs. Zudem ist der Gesang direkt düsterer und man fühlt sich schon etwas verängstigt, weil man doch so erheitert war, was die Melodien in den Songs davor anging. Und wem jetzt noch kein Schauer über den Rücken gelaufen ist, dem passiert das wegen Gänsehaut sicher beim letzten Track. Ich kann es mir nicht erklären, aber Wintersun schaffen es tatsächlich, die Kälte zu transportieren. Ein etwas trauriger, doch sehr atmosphärischer Track, der wirklich dieses Wintergefühl aufkommen lässt. Hier wird nicht auf volles Tempo gesetzt, sondern im sanften Midtempo, fast einer Ballade gleich, gleitet der Track über das Eis.

Ich bin total begeistern von den vier Songs, die alle eine Spiellnge von mindestens 12 Minuten haben. Minuten des Genusses. Mich hat die Platte vollkommen überzeugt und ist daher eine große Empfehlung.


Tracklist:

1. Awaken From The Dark Slumber (Spring)
Part I The Dark Slumber
Part II The Awakening

2. The Forest That Weeps (Summer)

3. Eternal Darkness (Autumn)
Part I Haunting Darkness
Part II The Call of the Dark Dream
Part III Beyond the Infinite Universe
Part IV Death

4. Loneliness (Winter)

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