Review

W.A.S.P. - Golgotha07.10.2015

W.A.S.P. - Golgotha

W.A.S.P. - Golgotha

verfasst von Karla the Fox

Blackie Lawless hat zwei Seiten: die die von wildem Sex und noch abartigeren Fantasien fabuliert und die, die so von der Bibel fasziniert ist, dass er ganze Konzeptalben nach ihr schreibt. Der Wahnsinn in Person, so gesehen, aber dadurch mit einem unglaublichen Output und einer nicht zu verachtenden Macht, Kontroversität zu schaffen. Nach einer Pause von diesem Schaffen (letztes Album erschien 2009), meldet sich der Kopf und Gründer von W.A.S.P. mit Golgotha zurück. Für die biblisch eher uninteressierten unter euch: Golgotha ist der Ort außerhalb Jerusalems, an dem Jesus, umgeben von zwei anderen Verbrechern, an Karfreitag gekreuzigt wurde.

Das Album bekam von mir sofort große Anerkennung. Man erkennt umgehen den markanten W.A.S.P.-Stil, mit vielen langen, fast schon leiernden gejaulten Tönen, die luftig gesungen sind aber gleichzeitig weder schief noch kraftlos. Die Instrumentierung ist sehr regelmäßig gehalten, gibt teils extreme Ohrwürmer von sich und orientiert sich gerade in diesem Album stark an den Rockern der 70ern, ohne den progressiv-psychedelischen Kram. Dann schon eher Doom.
Die Songs haben eine irritierende Dauer. Sie sind länger als die gewohnten 3 - 4 Minuten, viele pendeln sich dann bei 5 - 6 Minuten ein, so richtige Überlängen gibt es wenige, was für das Ohr und das Gehirn sehr ungewohnt ist. Statt Struktur steht die Stimmung im Vordergrund, sowie der Text, den Blackie mehr oder weniger verständlich doch mit viel Nachdruck ins Mikrofon krächzt. Von 'Scream' an, welches schon im Vorfeld als Single bekannt wurde, leidet der Protagonist dieses Konzeptalbums wie Jesus auf den Stationen seiner Kreuzigung. Ein fröhliches Lied gibt es nicht und soweit ich das interpretiert habe auch eines über Sex, Drugs und Rock'n'Roll, nämlich eben dieses 'Scream', höchstens noch 'Fallen Under' wenn man es drauf anlegt. Besondere Beachtung erhält 'Miss You'. Der Song, so Blackie, wurde schon vor Jahren für The Crimson Idol komponiert. Beim Durchlauf des Albums ist er der absolute Aufmerksamkeitsfänger. Gruseligerweise kann man auf diese biblischen Schauergeschichten genial tanzen und noch besse Auto fahren oder Joggen gehen oder so. Von den anderen Bandmitgliedern, die leider im Blick der Öffentlichkeit verschwinden, kommt eine durchgehen saubere, super aufeinander abgestimmte Leistung ohne den kleinsten Haken, unaufdringlich aber maßgebend. Sogar in ihrer Abmischung kann man das Rauchige der Stimme ausmachen.

Letztlich ist Golgotha genau so ein Album, dass man wirklich als physisches Album kaufen sollte. Es stecken eine Story und viele Gedanken dahinter. Für den Alltag gibt es viele Songs, die cooler sind, doch als Gesamtkunstwerk ist das klasse, wenn auch nicht so innovativ wie es bei The Crimson Idol noch gewesen ist. Also, viel Glück Blackie. Wie viele offene Ohren magst du wohl erreichen? Nur tu uns einen Gefallen und halte dich nicht selbst für Jesus.

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