Review

WAKEN EYES - Exodus17.09.2015

WAKEN EYES - Exodus

WAKEN EYES - Exodus

verfasst von Karla the Fox

Eine 'Supergroup', die noch keine Sau kennt, die einfach mal so aus dem Nichts entsteht und ein ebenso mysteriöses Album an den Tag bringt - wenn das mal nicht entweder total abräumt oder komplett nach hinten los geht. Zusammen gestellt ist die Gruppe aus Henrik Bath (Darkwater), Mike Lepond (Symphony X), Tom Frelek und Marco Minnemann (The Aristocrats, Steven Wilson, Joe Satriani). Einen Tag vor Halloween, also am 30. Oktober, erscheint das Album Exodus, sie haben also noch genug Zeit, es zu promoten...

Den neugierigen Hörer erwartet eine ausgeglichene Mischung aus langsameren, progressiven, in die psychedelische Richtung gehenden Phasen und melodischen Hard Rock Attacken, nicht über das Album verteilt, sondern beides innerhalb eines Liedes, oft in mehrfachem Wechsel. Die, man muss schon Kompositionen statt Songs sagen, sind lang und cineastisch angelegt. Die Kürzeren mit ihren 5 bis 6 Minuten haben eine relativ gewöhnliche Struktur, es gibt aber auch ewige Instrumentalparts und allein das letzte Lied ist auch nach einer Viertel Stunde nicht ansatzweise zu Ende. Da sollte man viel Zeit und Interesse mitbringen und nicht denken, dass einem innerhalb von einer halben Stunde jetzt 10 fetzige Rocksongs um die Ohren gehauen werden und dann darf man wieder gehen. Nope, Waken Eyes haben eine sich festsaugende Wirkung. So ganz versteht man nicht, worum es den Jungs geht. Meistens um Angst, um traurige oder aufwühlende Themen, doch da steckt sicher immer noch ein wenig mehr dahinter, als man von außen erkennt. Mir gefällt "Back To Life" zum Beispiel so gut, weil es mit den Regeln des restlichen Albums bricht und ein 'normaler' Rocksong ist. In "Cornerstone Away" meine ich, die Gesangsstimme einer Frau zu hören. Es gibt auch einen von einer überirdischen Stimme gesprochenen Zwischentext und hinterher viel Melancholie ("Still Life") oder ein Wechselbad der Energien ("Arise"). Der krönende Titelsong "Exodus" schließt die Reise ab, mit sage und schreibe 18 Minuten Spieldauer. Naja, der echte Exodus soll ja 40 Jahre gedauert haben, also passt das schon...

Wenn man erst einmal all die Eindrücke aufgenommen hat, muss man gleich ein zweites Mal auf Play drücken, denn irgendwas ist einem mit Sicherheit entgangen. Irgendwo hat man sich zwischendrin in den Wirrungen seiner Gedanken verloren. Dann fallen einem mehr musikalische und textliche Einzelheiten auf. Zum Beispiel wird dadurch, dass Tom Frelek sowohl Gitarre als auch Keyboard bedient, jeweils nur eines dieser Instrumente intensiv im selben Moment genutzt. Das haben sie also so produziert, dass es live ohne Zusatzspur funktionieren würde.

Ich finde die Band und ihre Musik wirklich sehr interessant. Wenn sie spielen, hören sich die Musiker teilweise sehr jung und 'frisch auf dem Markt' an, wie wenn sie noch keinem festen Rahmen folgen würden; ein anderes mal hört man die Profierfahrung mit jeder Faser. Wer sich drauf einlässt, wird viele persönliche Lieblingsmomente finden.

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