Review

VOICIANO - Everflow27.08.2014

VOICIANO - Everflow

Voiciano - Everflow

verfasst von Karla The Fox

Vergesst alles, was ihr je über Edenbridge dachtet!
Also nicht ganz alles. Die Qualität und Harmonik darf bleiben.
Aber vergesst alle brutalen Beats und schmetternden Gitarren: Sabine und Lanvell Edelsbacher können auch ganz anders.

Der Mastersongwriter und seine Frau machten eines Tages einen auf den ersten Blick unnötigen Ausflug: sie sollten nach Vietnam fliegen um auf dem 1000 Jahre Hanoi Festival 3 Akustiksongs zu spielen. Das Ergebnis dieses Abstechers war, dass Lanvell seine brav archivierten Akustik-Songentwürfe gründlich durchforstete und feststellte, dass man daraus ein ganzes Album machen könnte. Eine gute absurde Idee also, Hanoi rockt eben - Voiciano war geboren.

Spaß beiseite.
Das, was das Edenbridge-Paar da zusammengestellt hat, ist Melancholie pur. 10 schwere tragende Balladen wurden mit viel Liebe und ohne technische Abhilfe eingespielt. Zur Unterstützung haben sich die beiden eine ganze Riege an Gastmusikern, alles gute Freunde, und das Orchester der Philharmonie Filderstadt ins Boot geholt. Auch die Fans durften, dank einer Fundraisingaktion, ihren Teil zum Gelingen des Projektes beisteuern. Das nicht ganz billige Ergebnis kann sich hören lassen.

Der Produzent des Albums heißt scheinbar Gandalf und ich dachte gleich, das passt sehr gut. Hier muss Magie im Spiel sein. Sabine verzaubert uns mit ihrer engelshaften Stimme während Lanvell weiß, wie man diese ganz besondere Atmosphäre erzeugt, die nur dann entsteht, wenn sich jemand an ein Klavier setzt und dann seine ganze Seele und Leidenschaft in die Musik fließen lässt. Nachdem Sabine ein Duett mit Erik Martesson gesungen hat ("Until The End Of Time"), legt der Pianist ein kleines Solo, sein "Interlude" ein.  

Wenn man der Musik auf "Everflow" lauscht, kommen zwangsweise Erinnerungen an emotionale Momente der Kindheit, an exotische Urlaubsorte und warme Sommernächte hoch, genau wie an knisternde Kaminfeuer und regnerische Herbsttage. Das einzige was Pflicht ist, ist, dass Dunkelheit herrscht, wenn Voiciano läuft, zumindest Dämmerlicht.

Punkte abziehen könnte ich bei diesem geglückten Experiment nur aus einem Grund: Es fehlt jeglicher Stimmungsheber in "Everflow". So schön Melancholie und Besinnlichkeit auch sind: Ein fröhliches Lied hätten die beiden doch komponieren können oder? Eine kleine Tanznummer vielleicht? Aber das würde wohl wiederum nicht so gut zu Edenbridge passen. Schade. Ansonsten absolut hörenswert. Auch oder gerade für Nicht-Metalfans.


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