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VIRGIN STEELE - Visions of Eden07.03.2017

VIRGIN STEELE - Visions of Eden

VIRGIN STEELE - Visions of Eden

verfasst von Karla the Fox

Vorsicht, Re-Release! Kein neues Album! Aber neues Konzept der Veröffentlichung. Die eigentliche VÖ fand 2006 statt, damals brachte die Band aus New York mit Visions of Eden ihr elftes Studioalbum auf den Markt. Es ist, wie einige ihrer Werke, ein Konzeptalbum und befasst sich, wie man dem Titel bereits entnehmen kann, mit dem Garten Eden und der biblischen Mythologie im Weiteren. Kernfigur sind jedoch nicht Adam und Eva, sondern eine schwer definierbare Figur namens Lilith. Manch einer sagt, sie sei Adams erste Frau, ein anderer interpretiert sie als Mischgestalt aus Mensch und Vogel, die nächste Kultur beziehungsweise Übersetzung sagt, sie sei voll und ganz ein Tier, habe nichts Menschliches an sich, doch sei sie nachtaktiv. Sie steht für Sinnlichkeit und Emanzipation und vermutlich müsste man jede einzelne ihrer Textzeilen analysieren, um die Sicht von Virgin Steele auf diese Figur zu verstehen.

Ein remastertes Re-Release braucht eigentlich niemand. Der Meinung war ich schon häufiger. Der einzigen Sinn, den solche Aktionen meiner Ansicht nach haben, ist eine neue Welle der Aufmerksamkeit für gutes aber leider in Vergessenheit geratenes Material. Zu dieser Kategorie dürfte auch Visions of Eden zählen. Ich finde es musikalisch nämlich sehr gelungen, auch wenn keine der Melodien so hängen bleibt, dass man sich noch Jahre später daran erinnern wird. Es geht Virgin Steel wohl auch viel mehr um die Inhalte, das Konzept und ihre Kunst, sich Anleihen aus der Klassik zu eigen zu machen. Mit Hard Rock hat das nicht viel zu tun, die Stimme ist sanft und somit auch für Zielgruppen geeignet, die sich nicht als harte Kuttenträger sehen. Die Band selbst nennt ihren Stil "barbarisch romantisch" und geht damit nur auf Nuancen ihrer Musik ein, die gröber dem Power Metal zugeordnet werden könnte. Aber auch das trifft es nicht genau, denn viele Stellen sind ruhig und gemächlich. Ihr Sound ist einfach schwer zu erfassen - aber schön.

Der Re-Release besteht aus zwei CDs. Neben der remasterted Version gibt es jeweils noch eine Remix-Version jedes Stückes. Braucht man das? Hört sich das nicht eher nach dem elektronischen Genre an? Schwer zu sagen. Mir gefallen beim bloßen Hören die "Remix" Titel besser als die ursprünglichen, sie haben ein aufgewühlteres Feeling. Die Songstruktur von Visons of Eden ist jedoch so untypisch, dass der Bruch oder Unterschied nur mit Konzentration zu hören ist. Wenn man beide Versionen nacheinander hört, könnte man auch meinen, es sei ein sehr langes Stück mit Unterbrechung. So ganz eindeutig wie die geremixten "Radionhits" ist die Veränderung hier nicht.

Fazit: Ein sehr spannendes Konzept und Thema. Ein Album mit Inhalt, das eine erneute, frische Chance bekommt. Hohes künstlerisches Niveau. Alles top. Nur ob es notwendig war, ist immer die Frage, die stehen bleibt.

 

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