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VANHELGA - Angest08.06.2015

VANHELGA - Angest

VANHELGA - Angest

verfasst von Karla the Fox


Vanhelga, deren Bandname zu deutsch so viel bedeutet wie "entweihen" oder "schändigen", veröffentlichten Ende Mai eine EP namens Angest, also Angst. Es ist eine Black Metal Band, in den engeren Kreisen mitunter als DSBM (Depressive Suicidal Black Metal, also nicht zu verwechseln mit BDSM) bezeichnet und wenn man diese Stilbeschreibung hört, erwartet man vieles, aber keine sanft gezupften akustischen Gitarren. Vanhelga bieten mehr Fragen als Antworten.

Ihre Musik soll eine vertonte Darstellung des Wahnsinns sein. Die Band macht gerne Streifzüge durch das Irrenhaus, mit manischem Lachen und unwirklichen Schreien. Hat der Film Shutter Island denn einen guten Soundtrack? Wenn nicht, oder wenn es je eine Fortsetzung geben sollte, dann holt euch doch mal Vanhelga ins Haus. Die Songs haben so passende Namen wie "Desperation" und "Suicide". Yeah! Ach, und "Sorg" ist nichts weiter als "Sorge" oder "Trauer". Eine Nummer "Pessismist"ischer als die andere. Wer kann sich nun damit identifizieren? Kommen die Psychopathen nachts zusammen, um gemeinsam Vanhelga zu hören? Wäre möglich, aber ich denke die Fans der Band sind selbst ganz klar im Kopf - sie teilen nur eine Faszination für die unbeschreiblichen Abgründe der menschlichen Psyche. Und wo Worte zur Beschreibung fehlen, da hilft bekanntlich Musik.

Wenig Text, wenn dann unverständlich und teilweise auf Schwedisch, eine dicke Soundwand, durch die nichts durchkommt, langsamer und in der meisten Zeit "eleganter" als erwartet, untrennbar ineinander überfließen und wahnsinnig kreativ, also sowohl wahnsinnig als auch kreativ. Mit diesen Punkten könnte man Angest zusammen fassen. Auf dem Pressesheet heißt es, die EP sei ein Re-release und wäre eigentlich schon 2011 rausgekommen. Was haben Vanhelga also vor? Uns ganz dezent darauf hinweisen, dass der Wahn nie aus der Menschheit verschwindet, dass er sich im Gegenteil sogar immer selbst erneuert? Ist das überhaupt noch Populärmusik oder ist das schon Avantgarde Kunst?

Wie gesagt, Vanhelga lassen mehr offene Fragen zurück als sie Antworten geben. Ihre Songs sind so undurchschaubar und atmosphärisch, dass klare Aussagen vergeblich gesucht werden. Gerade wenn man den Ton etwas runter dreht, ist Angest leichter zu hören als es scheint. Das liegt eben auch daran, dass der Großteil melodisch ist statt geschrieen. Das heißt aber nicht, dass der Bandgründer, der sich eine Nummer (145188) als Namen gibt, in diesen Melodien singt. Nein, der liebe lässt seine Band den Kram machen und hält sich vornehm zurück. Vocals sind eben eine Rarität bei Vanhelga.

Und sonst? Kann ich irgendwas zur musikalischen Stärke sagen? Ist schwierig, da man von der Musik ziemlich eingelullt wird und der Sound so abgemischt ist, dass einzelne Spuren kaum erkennbar sind, mal abgesehen von diesen wiederkehrenden Gitarrenmelodien, die über den nebeligen Hintergrund liegen. "Positiv Music for positiv people" vermerkt die Band ganz unauffällig ironisch. Da ist nichts positiv, da ist nur leise, schleichende Angst, die nicht einmal die Gnade hat, den Hörer mit einem Schlag zu erstechen. Nein, sie lässt auch nach Ablauf der 25 Minuten Spielzeit nicht los und wie Teddy bei Shutter Island weiß man danach nicht, ob man nun verrückt ist und Stimmen im Kopf hört, ob man diese Musik nun mag oder nicht, ob sie gut ist oder ob nicht doch alle anderen um einen herum den Verstand verloren haben.

Wer mutig ist für Experimente, sollte sich dem mal aussetzen. Die Überraschung, dass da doch so viel un-depressive Musik drinsteckt, wird einen mit eben diesem Gefühl zurück lassen, ob man nicht doch selbst verrückt ist. Machen sich Vanhelga in ihrem Image gefährlicher als sie sind? Fragen über Fragen und auch wenn ihr es hundertfach diskutiert wohl keine Antworten. Aber ist nun nicht die Neugierde groß?....

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