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ULI JON ROTH - Scorpions Revisited10.03.2015

ULI JON ROTH - Scorpions Revisited

Uli Jon Roth - Scorpions Revisited

verfasst von Karla the Fox

Die Scorpions wollen sich mit einem "Bang" verabschieden und haben deshalb, mehr so aus Langeweile, nochmal ein Album herausgebracht. Für eine bloße Pausenbeschäftigung ist dieses aber ziemlich gelungen...

Uli Jon Roth dürfte sich bei seiner Performance mehr Gedanken gemacht haben, es von längerer Hand geplant haben, und hat somit nochmal alles aus den Scorpions-Songs aus der Periode, die er in der Hannoverischen Band verbracht hat heraus. 20 Songs, verteilt auf zwei CDs, von kurzen Einspielern bis mächtigen Überlängen alles dabei, präsentiert uns der Gitarrenmeister in diesem Jahr. Er hat sich eine Band zusammengestellt, welche zwar noch keine 50 Jahre aber definitiv genug Erfahrung hat, um solche einem Projekt gerecht zu werden. Namentlich heißen sie Nathan James (Gesang), Jamie Little (Schlagzeug), Ule W. Ritgen (Bass), Niklas Turmann (Gitarre und Backingvocals), Corvin Bahn (Keyboard und Backingvocals) und David Klosinski (Gitarre). Diese Herren bereiten den Weg für einen älteren Herren, der noch immer Feuer unterm Hintern hat, seine Energie aber nicht durch Exzesse verbrät sondern ganz zielgerichtet und konzentriert wahre Musikkunst kreiert.

Roth ist nicht nur esoterisch angehaucht, er lebt die Spiritualität in all ihren Facetten. Meditationsmusik, eine Liebe zu Fernost, assoziative Gemälde und eine eigene Sky-Academy, die den gewöhnlichen Gitarrenspieler erleuchten will, gehören zu seinen Werken. Auch Scorpions Revisited geht in diese Richtung, es hält sich jedoch in Grenzen. Die Neuinterpretationen sind progressiv und hart genug, um nicht als magischer Firlefanz zu gelten.

Uli Roth ist kein Gitarrist wie jeder andere. Statt den "Hits schaffenden" drei bis vier Standardakkorden schafft er mit seiner selbsterdachten Skyguitar Melodieverläufe, die an die klassischen, oft zitierten  Komponisten heranreichen. Übertragen auf rockende Gitarristen wären das mehr Malmsteen oder allen voran Hendrix, als sagen wir Angus Young oder Eddie Van Halen. Roth ufert, mitten in den Stücken, am Anfang oder Ende, ganz gleich, gerne mal aus in himmelsstürmende Soli. Er ist dann gar nicht mehr zu bremsen, außer von der schrillen Stimme des talentierten Nathan James, der auf seine Art genial, aber eben kein Klaus Meine ist.

"In Trance", "Virgin Killer", "Dark Lady", "We´ll Burn In The Sky", "Hell Cat" - die Liste der Highlights ist endlos. Jeder würde vermutlich eine andere Reihe an Songs auflisten, die ihn am meisten in den Bann ziehen. Korrigiert mich, aber das instrumentale "Rainbox Dream Prelude" hat mit den Scorpions nichts zu tun oder? Wirkt eher wie eine Finger- und Geistesübung des Post-Scorpions Roth.

Aufgenommen wurde das Album Scorpions Revisited nach eigenen Angaben aber in denselben heiligen Hallen in Hannover wie damals die Originale. Dass der Sound qualitativ top ist, dürfte wohl überflüssig zu erwähnen sein.

Wer wirklich Ahnung vom Musikschreiben und Spielen hat, wird in dieser Doppelplatte so viel mehr entdecken als ich. Für mich bleibt es eine beeindruckende Reise durch die menschliche Melancholie, mit viel Gefühl und noch mehr Geschick. Ganz großes Kino.

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