Review

TURBOBIER - Irokesentango03.07.2015

TURBOBIER - Irokesentango

TURBOBIER - Irokesentango

verfasst von Kalle

Wenn echte Punker auf Konzerte gehen, dann tanzen sie keinen Moshpit oder Circle Pit, sondern es geht zum Irokesentango. Jedenfalls scheint das in Wien der Fall so zu sein, denn da kommen Turbobier her und jetzt liegt ihre erste Platte auf dem Tisch. Österreicher und Punk ist schon etwas merkwürdig, klingt aber nach dem ersten Hören schon sehr amüsant, denn der Akzent ist einfach ein großer Gaudi. Nach mehrmaligen Hören ist mir aber aufgefallen, dass der Punk doch sehr harmlos klingt und fast sogar für das Radio taugt. Ein Unding für Punker - wenn sie strickt gegen die Großen sein wollen. Gut, ist vielleicht übertrieben, da wir ja nicht von deutschen Punkern reden, die da gerne etwas radikaler erscheinen. Gerade ich als Berliner kenne ja so manch Hardcore-Punker. In Wien ticken sie halt ein wenig anders.

Da drehen sich die Songs zwar auch um solch Themen wie Fußball, Bier, Flaschenpfand und Arbeitslosigkeit - doch ich tue mich wirklich mit dem Dialekt schwer, weil man kann es kaum ernst nehmen. Turbobier beschreiben ihren Punk auch als Punk mit Witz und Herz, was durchaus auch rüber kommt. Musikalisch geht das auch gut ab, denn die Riffs und Drums gehen flott ab. Das Tempo ist anständig hoch gehalten und hat schon diesen Punktouch. Doch bei manchen Refrains erinnert es mich doch eher an harmlose Poprocknummern von den Ärzten. Die haben in der neueren Zeit auch den Punk im Sound verloren. Ob der Sinn ist, eine Mischung von Revolverheld, die Ärzte, Sportfreunde Stiller und Erste Allgemeine Verunsicherung zu sein? Sorry aber mir ist das zu Mainstream, wenn ich Punk lese, dann muss das rotzig und dreckig sein. Diese neumodische Punkart trifft meinen persönlichen Geschmack nicht. Das Album und damit die Texte sind nicht schlecht, aber mir persönlich zu sanft für das Wort PUNK. Ich bin da wahrscheinlich zu geprägt von anderen Punkbands, die in der Szene ihr Unwesen treiben.

Es ist ein Album zum mitgröhlen und Spaß haben, aber wer sich als ernsthafter Punker betitelt, de wird davon enttäuscht sein. Es ist was für die nächste Grillparty und zum laut aufdrehen. Irokesentango wird sich hier mit Club-Mate-Hipster-Pogo vermischen. Songs wie "Blaue Kappe Grüne Kappe" bilden da wirklich eine Art Ausnahme, denn da zeigen Turbobier wirklich, dass Punk in ihrem Adern fließen kann. Ein Album was mich spaltet, denn musikalisch ist es halt fetztig und gefällt mir echt gut. Sogar an den Dialekt gewöhnt man sich sehr schnell. Nur an das Wort Punk im Genre überhaupt nicht. Also ... ab auf die Wiese oder ins Stadion und aufdrehen. Prost!

PS. Den letzten Song "Arbeitslos" müsst ihr euch anhören! Aber vorsicht - er ist nicht nur schon ein Hit auf Youtube, sondern könnte es auch darüber hinaus schaffen, bekannt zu werden, denn die Melodie kennt leider jeder schon.

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