Review

TOXPACK - Schall & Rausch04.05.2017

TOXPACK - Schall & Rausch

TOXPACK - Schall & Rausch

verfasst von Karla the Fox

Der Berliner kehrten zurück. Zurück in ihre Heimat, um dort ihr allerneustes Album "Schall & Rausch" aufzunehmen, nachdem sie vorherige Werke überall im Land, vor allem in Frankfurt auf Band festgehalten hatten. Passend zur Heimkehr werden auch ihre Töne wieder so jugendlich rau wie zu ihren Anfangszeiten. Ihr Style bewegt sich zwischen Hardcore, Deutschrock und Punk und zwar so genau, dass ihre Songs an verschiedene Bands erinnern, deren Fans sich untereinander eigentlich gar nicht leiden können. Bei Toxpack vereinen sie sich, holen noch die Metalheads dazu und feiern alle gemeinsam eine große Party. So weit, so lobenswert.

Wir bewegen uns in einem Schnittpunkt aus Politik, Party und privaten Problemen, die mit aggressiv gröhliger Stimme und starken Gitarrenriffs vorgestragen werden. Es fängt an mit "Kommerz", in dem Toxpack mit allen abrechnen, die jeder Band, die nur ein bisschen Erfolg hat, vorwerfen, sich zu verkaufen. Toxpack selbt zum Beispiel sind inzwischen bei Napalm unter Vertrag und schafften mit ihrer letzten VÖ den 16. Platz auf den Deutschen Albumcharts. Diese Band hat aber nicht die geringste Ähnlichkeit mit mainstreamigen Pop- und Rocknummern und ist schon gar nicht glattpoliert und durchproduziert. Eher etwas eintönig in meinen Augen und somit ganz gewiss kein Ausverkauf. Sie treffen mit ihren Texten wohl einfach einen Nerv und finden somit viele Fans. Weitere Themen sind Freundschaft ("Auf alte Tage".... dieser Song verwirrt mich sehr, hört ihn euch an!), Rebellion ("Bis zum letzten Ton") und das Abheilen alter, metaphorisch gemeinter Wunden ("Narben der Vergangenheit")... unter anderem. Jeder Song befasst sich mit einem anderen Thema, aber immer geht es entweder um Wut, Widerstand oder schöne Alltagsgedanken. Letztlich also gar nicht so kreativ, was Toxpack da machen. Trotzdem sind sie szeneübergreifend bekannt und viel gefragt.

Politisch oder nicht. Das ist hier die aufkommende, schwierige Frage. Irgendwie ja, ist Punk, zumal aus Berlin doch eigentlich automatisch. Aber irgendwie auch wieder nicht, weil Toxpack eben "von beiden Seiten" Sounds und Stücke aufgreifen und sich mit niemandem so richtig anlegen, eher nur ansprechen, was jeder von uns fühlen und denken kann, unabhängig seiner eigenen politischen Ansicht. Zum einen bin ich dieses Thema leid, zum anderen kommt es beim Hören von "Schall & Rausch" zwangsweise auf. Da wäre nämlich noch "In Trümmern", das den Zeitgeist, also aktuelle Problemthemen perfekt auf den Punkt treffen. Aber auch Toxpack haben keine Lösungsidee, sondern wollen einfach nur endlich Frieden und dass die Menschen mal zur Vernunft kommen.

Kann man noch was zur Musik selbst sagen? Nun, nicht allzu viel. Es ist eben Punk, also laut und rotzig. Es gibt starke Chöre zum Mitsingen, viel Wiederholung einzelner Zeilen, einfache, klare Texte ohne viel Interpretationsspielraum, sehr ordentliche Gitarren- und generell Instrumentalarbeit, aber eine Stimmart, die bei so einer Band zu erwarten ist, mit der ich mich persönlich aber niemals anfreunden können werde. Die meisten Nummern sind schnell und im Gegenteil zum Großteil der Musik auf dem Weltmarkt, werden Liebe und Sexualtität kaum erwähnt. Ach und "Schall & Rausch" ist zwar ein toller Name, aber mit der Wortkunst von Goethe kann man diese Mannen niemals vergleichen.

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