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TOTO - XIV26.04.2015

TOTO - XIV

TOTO - XIV

verfasst von Karla the Fox

Toto gibt es insgesamt schon seit Ewigkeiten. Die Band hatte ein paar Wechsel und leider inzwischen auch schon zwei Todesfälle. Erst vor kurzem ist nämlich Mike Porcaro seiner ALS Krankheit erlegen. Dadurch lassen sich die aktuellen Toto-Mitglieder aber nicht davon abhalten, neue Musik zu schreiben, zu performen, zu veröffentlichen. Es steckt sicher auch einiges in den Songs, was den gegangenen Bandmitgliedern gewidment ist.

XIV heißt deswegen XIV weil es das 14. komplette Studio-Album der Band ist. Und weil sie schon mal ein Album mit römischen Buchstaben als Titel hatten, nämlich IV, was schlicht 4 bedeutet.

Toto sind so ziemlich die popigste und leiseste, die dennoch von Heavy Metal Fans auf der ganzen Welt geliebt wird. Das mag an ihrer Ausstrahlung liegen, an der Struktur, nach denen sie ihre Songs schreiben oder auch nur daran, dass sie immer wieder härtere Riffs und Soli zwischenrein streuen und mit ihrer Musik, sei sie nun soft oder krawallig, echte Gefühle und Begeisterung auslösen können. Die Texte von Toto kann man immer schnell mitsingen, sie sind nicht unbedingt kunstvolle Lyric, aber sie haben etwas, für das sich jeder irgendwie begeistern kann. Unterm Strich meine ich damit, dass es zwar viele gibt, die sich nicht sonderlich für das AOR-Gespann aus Kalifornien interssieren, aber niemanden, der sie nicht leiden kann.

XIV ist die erste neue Veröffentlichung seit Fallin In Between im Jahr 2006. Ziemlich lange Durststrecke für eine so erfolgreiche Gruppe, deren Mitglieder in den vergangen Jahren anscheinend lieber getrennt von einander gearbeitet haben. Die hungrig wartenden Fans wurden mit Liveaufnahmen, Best Ofs und sonstigen Compilations hingehalten. Endlich dürfen sie sich über etwas ganz Neues freuen. Wie neu ist XIV wirklich? Das mit den römischen Buchstaben sieht zwar cool aus, da sind Toto aber auch nicht die einzigen, die das so handeln. 11 Songs, gewöhnliche Länge, gewöhnlicher Aufbau, gewöhnliche Namen, nicht allzu gewöhnliche Themen, aber auch nur, wenn man keinerlei Prog-Bands kennt. Die singen nämlich auch mal über "Chinatown" oder Waisenkinder ("Orphan").

Toto geben sich und ihren Fans die Ehre des fehlerfreien Songwritings mit ebenso reibungsloser Produktion. In einem guten Anteil stecken auch inhaltlich nachdenkliche Aussagen. Der Klang ist angenehm, geht ins Ohr, würde für die breite Hörerschaft passen, aber eben auch die wenigsten Vollblutrocker verärgern und zeichnet sich am meisten dadurch aus, dass es Körper und Kopf beruhigt, egal wie chaotisch das Leben um einen herum sein mag. Richtige Feelgood-Songs eben, postive Atmosphäre selbst bei den ernstesten Themen.

Eine besondere Erwähnung verdient beispielsweise 21st Century Blues. Denn die magische Wirkung des Blues ist in unseren Tagen genauso wenig tot wie die des Rock. Der Song Burn gefällt aufgrund des Pianos und der Percussion, die zusammen mit den sanften Vocals melancholisch machen können, nur um von den wohl härtesten Spielweisen der Band zerrissen zu werden, und wieder zurück in die Ruhe. Das ist etwas total ausgenutztes, gerade bei moderneren Pop-Rockbands, aber bei Toto hat es eine Unverbrauchtheit wie wenn es vor längerer Zeit geschrieben wurde, als es eben noch neu war. Auch ganz ergreifend fällt The Little Things aus. Sehr süßlich, das muss ich zugeben, aber egal ob für Freunde, Familienmitglieder oder den Geliebten - es sind immer diese nichtigen, alltäglichen Momente, die das Leben besonders machen. Bei diesem Song kommt bei mir das kleine Mädchen raus, das sich über alles begeistern kann. Chinatown sorgt für Exotik, hätte aber auch noch mehr mit chinesischen Instrumenten oder so ausgebaut werden können. So hat es eher was von einer Jazzbar. Wenn All The Tears beginnt, fragt man sich schon mal, warum Toto nicht auch mal auf die Tube drücken und ein bisschen schneller losrocken. Dann kommt die Erkenntnis, dass die Herren nun auch nicht mehr die jüngsten sind und es auch lobenswert sein kann, dass sie nicht wie viele andere mit aller Macht versuchen, jugendlichen Krach zu machen.

Viel, viel Keyboard im Album, viel prägender Rhythmus, viel Ruhe und Leichtigkeit, die die Sorgen des Alltags zum Fenster herausfliegen lassen. Daher ist Totos XIV meine persönliche Empfehlung an alle aufgewirbelten Seelen ;-)

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