Review

THE OTHER - Fear Itself29.05.2015

THE OTHER - Fear Itself

THE OTHER - Fear Itself

verfasst von Karla the Fox

Pat Laveau sagte mir einmal, das Makeup von The Other sei gar nicht so kompliziert aufzutragen, wie man meinen könnte. Finde ich gut, dann können sie es sich immer schnell aufmalen, sobald ich ihnen über den Weg laufe, denn sie ohne zu erkennen, könnte schwierig werden...

Gerne würde ich die Musik der Kölner Buben bewerten, ohne den Look als ersten Punkt zu nennen - das geht aber nicht. Als Horropunkband sind The Other mit ihren Masken verwachsen als wären sie das eigene Fleisch und Blut. Da hat bestimmt auch jeder Fan seinen Lieblingslook, der sich super für jede Halloweenparty eignet. Der Part "Horror" ist mit den Aufmachungen (und Texten, aber dazu später) abgedeckt. Der "Punk"-Teil der Band steckt natürlich im Politischen, Rebellischen. Der ist bei The Other jetzt nicht sooo stark vertreten. Man beachte dazu aber bitte den Albumtitel Fear Itself. Der ist aus einem Zitat des legedären amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt gestohlen: "Nothing to fear but fear itself" ("Es gibt nichts zu befürchten außer die Furcht selbst."). Wollen uns The Other damit sagen, dass sie nur so böse tun und die Angst die eigentliche Gefahr für den Menschen ist? Na da sage ich nur, hört euch das Album an, wenn ihr euch traut :-P (Nein, das ist keine ungeschickt verpackte Schleichwerbung...)

Jetzt mal im Ernst. Zum Fürchten ist Fear Itself überhaupt nicht. Ich empfinden das Anhören sogar als sehr angenehm. Wenn die Stimme von Frontsänger Rod Usher, der nebenbei als DJ fungiert, auch etwas gewöhnungsbedürftig ist, kann man von dem Sound der Jungs nicht so schnell genug bekommen. Obwohl 14 Tracks lang, finde ich, dass das Album sehr schnell vorbei geht und habe gleich auf Repeat gedrückt. Empfehle ich auch jedem anderen, weil man mit jedem Durchgang mehrere Details entdeckt und sich so langsam aber sicher seine Favoriten sucht. An Abwechslung mangelt es dem Album keinesfalls, da findet jeder was für sich. Mir haben es zu aller erst "Bloodsucker" und "Dreaming of the Devil" ziemlich angetan. Wegen des Inhalts.

Ersteres scheint sich auf eine Art Lolita zu beziehen, also ein Mädchen, das eigentlich zu jung ist, um die Jungs nach Lust und Laune auszusaugen. Ob sie es aus eigenem Willen tut oder sich dem Willen anderer fügt, bleibt beim bloßen Hören offen. Das Zweite, das The Other verfilmt haben, behandelt eine, sagen wir mal "Problematik", die jedes Mädchen kennen dürfte: Man träumt immer von den bösen Kerlen. Die, die es gar nicht gut mit einem meinen, die man gerne zähmen möcht und von deren Machenschaften man schlichtweg fasziniert ist. Diese kleinen verführerischen Teufel, die an den dunklen Ecken lauern...und dann wundert man sich, wenn später das Blut aus den schmerzenden Wunden fließt. Das ist natürlich metaphorisch gemeint, aber ich denke, ihr versteht, was ich meine. Eine weitere Stärke von Fear Itself ist die gute Balance zwischen den einzelnen Instrumenten bis hin zum Bass. Der Sound an sich überzeugt in jeder Hinsicht. Und er ist alles andere als normal. Spielt die Platte daheim ab und jeder wird aufsehen und euch fragen, wer das ist, selbst wenn er von dieser Musik nicht die geringste Ahnung hat.

Der Track "German Angst" ist nicht so ganz meins - und dürfte damit genau erreicht haben, wozu er gedacht ist. Der Rhythmus ist nämlich so gebaut, dass er ein mulmiges unwohles Gefühl hinterlässt. Gratulation, ihr habt´s drauf! German Angst erfolgreich ausgelöst. Wenn es euch genauso geht, drückt lieber weiter bis zu "The Price You Pay". Die Chorgesänge und die Bridge dieser Nummer lösen das genaue Gegenteil aus: man fühlt sich wohl. Je tiefer Rod seine Stimmlage legt, desto besser geht sie ins Ohr. "Funeral March" beweist diese These. Auf das sleazige "Animal Instinct" folgt das klassich rockige "Rise". Es wird klar, beim reinen Punksound lassen es diese Jungs nicht.

Mit dem Abschluss "Mephisto" kratzen die liebenswerten Horrogestalten noch kurz an meiner Lieblingslektüre aus Schulzeiten und zeigen nochmal ihre ganze Bandbreite an Fähigkeiten. Fazit daher kurz und knackig: Es ist nicht vollkommen, aber ich liebe dieses Album. Danke Jungs!
 

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