Review

THE OTHER - Casket Case04.10.2017

THE OTHER - Casket Case

THE OTHER - Casket Case

verfasst von Ben S.

Zwei Jahre ist es nun her, dass uns "The Other" mit ihrem herausragenden Album "Fear Itself" beglückten. Damals stand besagtes Album quasi für einen kleinen Neuanfang, nachdem die Band, kurz vor der Aufnahme der Platte, noch vor der Auflösung stand. Zum Glück entschieden der Herr der Untoten, Rod Usher und sein Mann für den Takt, Dr. Caligari, richtig, suchten zwei neue Hexer an den Gitarren und hauten eine Scheibe raus, die mehr als nur ein lebendiges Ausrufezeichen war. Hat das neue Album "Casket Case" es damit also schwer, an die hohe Qualität seines Vorgängers heranzukommen? Immerhin sind die Erwartungen groß.

...und sie werden nicht enttäuscht. Stagnation sieht anders aus und vor allem klingt sie anders. "Casket Case" ist bis dato die abwechslungsreichste, dichteste und atmosphärischste Platte der Schattengestalten von "The Other" geworden. Hier wird jeder Freund guter Rockmusik fündig und sollte etwas finden, das ihm gefällt. Klar läuft das Ganze noch immer unter dem Horrorpunk-Banner ab. Aber "The Other" ist schon immer ein Truppe gewesen, die nicht viel von Schubladen hielt und früh anfing ihren Stil zu erweitern und dem Genre neue Facetten abzugewinnen. Die Bandbreite musikalischer Variation ist enorm und die Einflüsse mannigfaltig. Von Punk bis hin zu Metal finden sich auch Gothik und Death-Rock Anleihen. Mal schnell und hart. Mal spritzig und melodiös und auch mal recht schwer und doomig. Abwechslung wird hier groß geschrieben! Sollte es der puristischen Horrorpunk-Polizei nicht schmecken, gibt es ja immer noch die beiden Alben von "The Misfits" mit Michale Graves am Mikro. Alle nicht ewig gestrigen sind eh dankbar für Abwechslung und offen für neue Klänge.

Aber gehen wir alles mal nacheinander und komplett durch und ja, heute nehme ich mir mal die Zeit. Die Scheibe startet ohne Intro, was fast schon ungewöhnlich für "The Other" ist. Bis jetzt war es nur das erste Album (They´re Alive), welches ohne Stimmungsaufbauer daher kam und der Verzicht ist für das aktuelle Werk eine verdammt gute Entscheidung.

Mit "Party At Crystal Lake" knallen die Jungs uns nämlich schon eine verdammt starke Punk-Nummer um die Ohren, die keiner weiteren Vorstellung bedarf. Punkig, amüsant und nicht ganz so ernst, so muss ein Opener sein.
Weiter geht es mit einer coolen und sich ins Ohr und Bein schleichenden Nummer namens "She´s A Ghost". Ein echter Hit, der sofort mitgesungen werden muss. Spooky!

"Counting The Flies" ist ein Stück in bester "The Other"- und Horrorpunk-Tradition. Hier kommt der Purist voll und ganz auf seine Kosten. "Dead.And.Gone" geht kühl, melodiös und verträumt zur Sache. Die Hintergrundchöre sorgen hier für eine ganz besonders dichte Atmosphäre. Da es für die Mannen um Herrn Usher ja mittlerweile fast eine Tradition ist, einen deutschen Song mit aufs Album zu nehmen, beweisen sie und er auch wieder mit "Morgen Ohne Grauen". Cheesy und catchy zugleich und ich gestehe: Diese Nummer habe ich des Öfteren auf Repeat gehört. So würde es vielleicht klingen, wenn "Der Graf" gute Musik machen würde.
Stück Nummer 6, "Faith And The Fallen", ist ebenfalls sehr gefällig und fällt glatt und schwer wie ein samtener Vorhang. Zudem ist es eine von zwei Nummern mit einem, für die Horrorpunk Szene, typischem GO im Text.

Bei "Till Death Do Us Part" wird es dann auch mal baladesk und ein wenig ruhiger und langsamer. Aber nicht minder stark und wuchtig. Sehr gefühlvoller und atmosphärischer Song, hätte ich so nicht erwartet. Bei "Little Black Riding Hood" gibt sich Maitri von "Christian Death" die Ehre und verzaubert uns partiell mit ihrer eindringlichen und kräftigen Stimme. Dazu ballert der Song recht hart aus den Boxen und würde sich gut auf einer Platte vieler Metal Bands machen.

Metallisch geht es auch bei "Not My Usual Self" weiter. Hier ringt sich Sänger und Frontmann Rod Usher neue und von ihm bis dato ungehörte Gesangstöne ab. Das ist mehr als gefällig und zeigt auf ein weiteres die bestehende Experimentierfreude.
"A Heart Is Mysterious" rockt dann wieder schnell und geradlinig nach vorne. Temporeich und flott, gepaart mit einem großen und hymnenhaften  Refrain.

"End Of Days" ist schon als Singleauskopplung bekannt und präsentiert "The Other" von ihrer Gothik-Seite. Für Freunde von zum Beispiel "The 69 Eyes" genau das richtige, breitet sich der Song und seine Atmosphäre aus wie eine große und dichte Nebelwand. Zu bemerken wäre hier auch der deutlich zu vernehmende Bass, welcher vom Neuzugang Chris Cranium (endlich hat die Band ihren eigenen Horrorclown) eingezimmert wurde.

Nach dieser kleinen und kühlen Verschnaufpause geht es mit "The Horror Of It All" hart und doch melodiös weiter! Das "The Other" auch mal ein wenig weniger ernst und Horror können, beweisen sie mit "X-ray Eyes". Augenzwinkernd und amüsant rocken sich die Jungs durch eine süffisante Geschichte rund um ein Alien Girl, welches in der Lage ist, durch Kleidung zu blicken. Passend dazu gibt es "Star Wars" und "Star Trek" Anleihen.

"Prey For Your Soul" sollte wieder alle Punk-Puristen zufriedenstellen und zum Schweigen bringen. Schnelle, harte und doch sehr melodiöse Nummer, die so auch auch der "American Psycho" oder "Famous Monster" von "The Misfits" hätte stehen können. Aber ich will jetzt auch gar nicht die Misfits-Keule rausholen. Erstens ist das unnötig und zweitens sind "The Other" dieser kleinen Schublade eh schon längst entwachsen.

Bei "Werewolf Of Bedburg" könnte man fast meinen, es hätte sich eine "Black Sabbath"-CD in die Anlage verlaufen. Doomig, schleppend und schwer walzen sich die Herren durch einen düsteren und sehr stimmigen Song. Der Rausschmeißer des Albums hört auf den Namen "What It´s Like To Be A Monster" und ist ein ruhiges und verträumtes Kleinod für alle Andersartigen mit einem klasse Groove!

Nach drei Alben auf dem eigenen Label und drei bei SPV - Steamhammer, begründet Album Nummer sieben nun die erste Zusammenarbeit für die Männer aus und rund um Köln mit Drakkar Entertainment. Das Label hat einen echten Glücksgriff gemacht, das ungenutzte Potenzial der Band erkannt und zugeschlagen. Was "The Other" auf "Casket Case" abliefern, ist ein Feuerwerk an Ideen, Spielfreude und Kreativität, welches ihnen nun endgültig ein wenig mehr Aufmerksamkeit bereiten sollte und müsste. Verdient hätten es die Jungs auf jeden Fall. Eine aktivere Horrorpunk-Band gibt es derzeit nicht und dass in jeder Note und in jedem Ton reines Herzblut und Leidenschaft steckt, ist eindeutig wahrzunehmen. Wer sich noch immer wegen des Make Ups oder dem generellen Stageoutfit nicht an die Band wagt, denen muss gesagt werden, ihr alle verpasst da etwas ganz Großes.

Untot, unaufhaltsam und stärker als jemals zuvor. Das Andere lebt! Kaufen!

Tracks:

01. Party At Crystal Lake
02. She´s A Ghost
03. Counting The Flies
04. Dead.And.Gone
05. Morgen Ohne Grauen
06. Faith And The Fallen
07. Till Death Do Us Part
08. Little Black Riding Hood
09. Not My Usual Self
10. A Heart Is Mysterious
11. End Of Days
12. The Horror Of It All
13. X-ray Eyes
14. Prey For Your Soul
15. Werewolf Of Bedburg
16. What It´s Like To Be A Monster

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