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THE HIRSCH EFFEKT - Eskapist16.08.2017

THE HIRSCH EFFEKT - Eskapist

THE HIRSCH EFFEKT - Eskapist

verfasst von Karla the Fox

Überrascht, dass ausgerechnet ich The Hirsch Effekt wähle? Ich auch... Aber lasst es mich erklären. Wenn du Student bist, von Hipstern und generell Menschen umgeben bist, die von sich (mit Recht) behaupten, Musikkenner zu sein, wenn in deiner Stadt mal ein Bandcontest namens Platzhirsch Award stattgefunden hat und in deiner alten Heimat ein Festival das sagen hat, dessen Logo ein Hirsch darstellt und dann auch noch Metaljournalistin bist, dann entkommst du diesem Namen nicht. Und dann willst du irgendwann wissen, was dahinter steckt, auch wenn es zugegebenermaßen etwas spät kommt. Also entschied ich mich, das Review für 'Eskapist' zu übernehmen. Wisst ihr was? Ich finde es ziemlich cool.

Auf The Hirsch Effekt muss man sich wirklich einlassen. Das ist nichts für nebenher und schon gar nicht zum Entspannen. Es ist aber unglaublich interessant und genau davon lebt es auch. Die drei jungen Hirsche sind Künstler und experimentieren, sie wollen nicht gefallen sondern auffallen. Es fängt wuchtig an in "Lifney", da bin ich in der Tat etwas zusammen gezuckt. Das Quietschen und die übertriebenen Screams dominieren den Rest des Albums aber nicht. Viel eher wartet man irgendwann daran, wann einen die nächste Wucht erschlägt, denn auf 'Eskapist' gibt es viele leisere Momente. Spärliche Lyrics, klar voneinander abgegrenzte Instrumente, die aber mehrere Rhythmen und Melodien gleichzeitig zu spielen scheinen. Die Stimme ist unfassbar wandelbar. Sie kann einen tiefen Bass kreieren, der wie aus der Oper klingt und, sie kann aggressiv und fast zerfleischend sein oder so ein bisschen wie die cleanen Parts einer Core-Band, die einem eine Geschichte aus dem eigenen, emotionalen Leben erzählt.

Das von The Hirsch Effekt selbst geschaffene Wort Indielectropostpunkmetalmathcore trifft es auf den Kopf. Genau das ist es. Man weiß nie, was als nächstes kommt, durch die unterschiedlichen Längen der Tracks ist es auch nicht einfach zu sagen, wann einer aufhört und der nächste anfängt. Momente, die in Trance versetzen werden mit einem Mal zerschlagen. Verrückte Effekte, Dupstep-artige Verläufe, die aber gespielt werden, nicht gemischt, Teile, die auch Filmmusik sein könnten... Ich könnte noch ewig solche Beschreibungen und gar Metaphern finden. Ich dachte mir in einem Moment beim Hören: "Ich mag auch Kafka. Also muss ich das hier gut finden. Oder zumindest anerkennen." Es ist zeitweise verwirrend und unangenehm. Aber es ist eben Kunst und zwar tierisch gute. Wer es wagt, der sollte es probieren.

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