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THE FRIGHT - Rising Beyond29.10.2015

THE FRIGHT - Rising Beyond

THE FRIGHT - Rising Beyond

verfasst von Karla the Fox


Nein wie geil! Ich beneide jede Band, die sich Horrorgeschichten verschrieben hat und dann einen Freitag den 13. findet, und das auch noch im November, also kurz nach Halloween. Eine besseren Releasetag kann es doch gar nicht geben, außer wenn es ein 13. Oktober gewesen wäre, also noch kurz vor dem großen Tag der Monster und Gespenster. Leider orientierte sich Papst Gregor nicht an den Marketingambitionen zukünftiger Rockbands als er unseren Kalender einführte. So müssen sich Fans und Feierwütige gedulden bis Mitte November. Das Album Rising Beyond gibt es eigentlich seit vergangenem Mai, aber irgendwie haben The Fright es geschafft, noch Bonusmaterial auszugraben und somit einen sinnvollen Anlass für eine Neuauflage ihres Albums. Ich bin zugegebenermaßen etwas verwirrt und glaube, noch die alte Version vorliegen zu haben. Aber irgendwas ist faul, denn wer kommt schon auf die Idee, seine 12 Songs so zu nummerieren, dass die 7 fehlt und dadurch Platz für eine 13 da ist. Da ist also alles durchdacht und so sollte man auch an die Songs von The Fright rangehen. Bandgründer und Frontmann Lon Fright hat sich von den Misfits für sein eigenes Projekt inspirieren lassen. Die vorherigen Alben sind unter dem schützenden Dach eines Labels produziert worden. Das aktuelle bedurfte einer Startnext Kampagne, die sie erfolgreich abschließen konnten. Das Ergebnis heißt Rising Beyond und der Name ist Programm, denn The Fright über- und hintersteigen alles.

Sie fangen mit einem lateinischen Titel an ("Aequat Omnis Cinis"), der gleich zeigt, wo's langgeht: krächzende Rabenschreie, wispernde Stimmen, eine Kirchenglocke, eine Orgel, ein Chor - Horroszenario wie aus einem alten B-Movie Schinken. Das und die starke Verzerrung deuten auf Schauergeschichten hin, der sonstige Fluss hat sich beim Hard und Sleaze Rock bedient, auf Shouting und andere Techniken der düsteren Metalrichtungen wird verzichtet. "Your Love" ist die erste Singleauskopplung der Platte. Ich muss zwischenrein werfen, dass es Rising Beyond in beeindruckend coolen Farben als Vinyl gibt. Machen zwar immer mehr Gruppen so, ich finde es aber nach wie vor eine tolle Sache, die Raum zur Individualisierung der Fans lässt und beim Abspielen noch gleich optisch den richtigen Charakter ausdrückt. Laut der Startnext-Seite hat sogar jedes der vorbestellten Vinylalben eine komplett eigene Farbe. Gesehen habe ich 'Zombiegrün', ein dreckiges Lila, Rot, blechernes Silber,... geil Jungs, richtig geil. Ich glaube, ich lege mir auch noch so eine zu.

Aber zurück zu "Your Love". Für diese starke rockige Nummer haben sich The Fright im Wald filmen lassen und einen kleinen netten Haken eingebaut: Das Lied klingt zuerst nach einem ganz normalen Song über eine Trennung von einem Mädchen. Am Ende des Clips ist jedoch ein Grabstein zu sehen, auf dem 'God' steht. Bezug zu Nietzsche?! Ich hätte vielleicht mal mehr von diesem großartigen Philosophen lesen sollen, um das nun beurteilen zu können. Die folgenden Songs "Hellbound Hearts", "Bury Me" und Co. sind für mich keine Nummer 1 Hits, aber schön gespielte und erzählte Musik, die sich jeder zeitlichen Einordnung entzieht. Könnte gerne aus der Zeit der Romantik/Gothik stammen, nur natürlich ohne die elektrisch verstärkten Instrumente. Ganz anders "Suicide Sun". Es fängt zaghaft an, sehr modern und filigran und verwandelt sich über Lons dunkle, verschwörerisch klingende Stimme, in ein imposantes Duett zwischen ihm und dem grandiosen Jyrki 69. Geile Nummer, klarer Favorit, für den man nur ein klein wenig Geduld braucht, damit er sich entwickeln kann. Die Nummer könnte ich mir auch mega gut mit einer Frau im Duett vorstellen, wenn The Fright mal Lust auf Experimente haben sollten. "Deadly Runaway" hat für mich nicht viel mit Cowboyromantik zu tun, wie manche Kollegen es sehen. Erinnert mich eher an "Born To Be Wild" und ähnlich entschlossene, vielleicht noch frechere Rocksongs über die eigene Unabhängigkeit. In "The Hills Have Eyes" geht es natürlich um den gleichnamigen Film. Unglücklicherweise habe ich den nie gesehen und kann daher nicht beurteilen, wie gut der Songs dazu passen würde. Ich traue es The Fright einfach mal zu, ist ja immerhin ihr Spezialgebiet. Vielleicht hätte es für einen wahren Filmsong nur etwas zurückhaltender sein müssen. So wie sie ist, würde sich die Nummer in den absoluten Vordergrund stellen. Als Kontrast dazu dürfen wir auch Balladen genießen. "Rise In Dawn" heißt das entsprechende Stück, bei dem mir wieder die leiseren Gitarrentöne absolut zusagen. Man könnte Lons Stimme da fast als liebevoll bezeichnen, was er an vielen anderen Stellen natürlich verhindern will. Dann gibt es da noch "Edward". Wieder ein Song zu einem Film, Edward mit den Scherenhänden. Den habe ich sogar gesehen (und finde ihn toll, toll, toll). Edward selbst hätte das Lied so nicht gesungen oder gedacht. Es ist mehr eine Sicht von außen, von jemandem, der erkennt, was da alles schiefläuft in unserer Gesellschaft und dem armen Edward gerne Mut machen möchte. Die Kritik spitzt sich in "Living Dead Society" noch einmal zu. Hier wird's richtig schrill und schnell und sleazy. Da darf jedes Instrument und jede Stimme Gas geben. "Wasteland" ist der wahre Westernsong des Albums. Ist das eine Mundharmonika, die da spielt? Nice, nice. "The Cave" halte ich nun nicht für den besten Abschlusssong. Keine Ahnung warum, da bleibt irgendwas offen, auch wenn sie es schön langsam ausfaden lassen.

Habe ich ein Fazit? Und ob ich eins habe! Mich hat schon lang keine Band mehr so inspiriert und es geschafft, dass ich mich so tiefgehend für die Inhalte und kleinen Seiteneffekte interessiert habe. Sicher, da ist vieles, was live ohne Playback nicht machbar ist, doch als Kunstwerk auf Vinyl oder CD ist das super und auch die MP3s sind in Ordnung. Hauptsache man unterstützt Bands, die plötzlich ohne alles dastanden und es aus eigenen Mitteln versucht und auch geschafft haben. Coole Sache, hat meinen Zuspruch.

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