Review

TANKARD - One Foot on The Grave07.06.2017

TANKARD - One Foot on The Grave

TANKARD  One Foot On The Grave

verfasst von Ben S.

35 Jahre hat die deutsche und Bier-geschwängerte Thrash Institution "Tankard" nun auf dem Buckel und auch wenn sie, wie sie es ironisch selbst betiteln, nun mit einem Bein im Grabe stehen, beweisen sie mit Album 17, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Ganz im Gegenteil, denn mit "One Foot in the Grave" zeigen sich die Jungs aus Frankfurt am Main von einer schnellen, jugendlichen und spielfreudigen Seite, von der sich manch andere, jüngere Kapelle ruhig noch ein paar Scheiben abschneiden könnte. Das Wissen und der Erfahrungsschatz der "alten" ist ja bekanntlich unbezahlbar und so stellen Tankard alle ihre bekannten Qualitäten auf den Bartresen.

Welcher dieses Mal aber erstaunlich und erfrischend trocken bleibt. Denn auch wenn die Jungs um Herrn Geremia gerne mal als Spaß-Thrash Band verschrien werden, die vornehmlich über ihren geliebten, goldenen Gerstensaft und generell Alkohol musizieren, bietet der aktuelle Longplayer überraschend wenig Inhalt dieser Art. Im Gegenteil, die Einstandsnummer "Pay to Pray" rechnet gleich mal mit den bekannten und windigen Wanderpredigern ab, die in den USA gerne mal von Staat zu Staat tuckern und dabei eine Menge Quatsch erzählen und ordentlich Reibach machen. Dann folgt mit "Arena of the True Lies" ein weit ausgestreckter Mittelfinger in Richtung Fake News und Nachrichtenmanipulation -Stark-!

Bei "Don´t Bullshit Us!" geht der Mittelfinger der anderen Hand an alle Mainstream Radiostationen die anscheinend nur 2 / 3 CDs besitzen und noch immer nicht die Musik spielen, die ein Großteil der Bevölkerung hören möchte. "One Foot in the Grave" wurde ja schon als Single ausgekoppelt und macht im Kontext dieses Albums gleich noch mehr Spaß. Selbstironisch und sarkastisch geht es an den Verschleiß, Verfall und an die Endlichkeit des Seins. Klasse gespielte Nummer, die sich trotz ihres Augenzwinkerns einen melancholischen Unterton bewahrt und siehe da, auf ihre alten Tage werden Tankard gar noch politisch: In "Syrian Nightmare" kotzen die Jungs einfach mal das alles aus, bei dem viele andere Wegschauen.

Fast zu guter Letzt hat sich dann doch noch ein Lied über Hopfen und Malz versteckt, oder vielleicht doch nicht? In "Secret Order 1516" geht es augenscheinlich erst um das deutsche Reinheitsgebot und dass man das germanische Kulturgut -Bier- nicht verfälschen darf / soll. Wer aber genau hinhört erkennt ziemlich schnell, dass sich dort ein Song über das sogenannte Fracking und die damit verbundenen Grundwasserverschmutzg versteckt.

Mit Album Nummer 17 ist Tankard, mal wieder, ein Paukenschlag gelungen. Fette Riffs (generell ist das Album sehr Riff-orientiert), packende Melodien, tolle Soli und einen Gerre in Höchstform.

Auf die nächste 35 Jahre. Prost!


Tracks:

01. Pay to Pray
02. Arena of the True Lies
03. Don´t Bullshit Us!
04. One Foot in the Grave
05. Syrian Nightmare
06. Northern Crown (Lament of the Undead King)
07. Lock ´Em Up!
08. The Evil That Men Display
09. Secret Order 1516
10. Sole Grinder

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