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STONE SOUR - Hydrograd19.07.2017

STONE SOUR - Hydrograd

STONE SOUR - Hydrograd

verfasst von Matthias

Das Leben von Corey Taylor muss in den 90ern schon sehr verrückt gewesen sein. Seine 1992 gegründete Band Stone Sour war bereits vor Slipknot geboren, doch der Erfolg für die Gruppe zwischen Metal und hartem Rock blieb aus. Corey wurde Sänger bei Slipknot und driftete mit dieser Urgewalt an Sound in Bekanntheitssphären, welche er sich wohl nicht erträumen konnte. Soundtechnisch mag man wohl glauben dass dem Amerikaner seine erste Band Stone Sour fast eher liegt und doch brauchte es die aufschreckende Strahlkraft der maskierten Neun, um dies zu ermöglichen. Nun schreiben wir das Jahr 2017 und Stone Sour veröffentlichen mit Hydrograd ihr 6. Album ( Slipknot hat im gleichen Zeitraum 3 veröffentlicht) und der Druck ist nach dem Konzeptdoppelalbum The House Of Gold And Bones recht hoch, da beide Teile wirkliche Kracher waren. Mit ihnen hat sich Stone Sour endgültig zu einer der besten Rockbands ihrer Zeit etabliert und muss nun ordentlich nachlegen. Ob ihnen das gelingt werden wir in den nächsten Zeilen herausfinden.

Hydrograd ist mit 65 Minuten Spielzeit bei 15 Songs ein wahrer Longplayer und startet mit dem Intro Ysif, welches einen direkt freundlich mit "Hello you bastards" begrüßt. Ansonsten handelt es sich hier um einen Instrumentaltitel, welcher langsam in den nächsten Song einleitet und gegenüber den Einstiegstiteln von The House Of Gold And Bones ( Gone Souvereign und Red City) etwas abfällt. Man hätte das ganze also gefühlt eine Minute kürzer halten können. Hiernach geht es aber richtig druckvoll weiter, denn Taipei Person/Allah Person schallt aus den Boxen. Ein komischer Titel, mag der ein oder andere denken, doch dahinter steckt eine etwas verborgene Botschaft. Der eigentliche Titel des Songs lautet nämlich Type A personality (taip ei personallahtea wenn man so will). Inhaltlich hört man hier ein vorantreibendes Schlagzeug und ein, grade im Refrain, fettes Klangbrett. In den Strophen wird Corey Taylor wiederum viel Platz für seinen Charakteristischen Gesang gelassen. So können dem Hörer Zeilen wie "I am the voice of a rude generation. A middle finger for the middle class invasion. At the bottom is the only real me. A Taipei Person drinking Allah Tea, go!" auf die Ohren geknallt werden. Was im Refrain vor allem nach vorn pushed sind die Coreigen Backgroundgesänge, die extrem dazu beitragen dieses Stück Musik so fett zu machen.

Der Song mit dem wohl größten Ohrwurmpotenzial befindet sich an dritter Stelle auf Hydrograd. Knievel Has Landed startet nach einem kurzen Bassgeplänkel ordentlich durch. So gibt das Schlagzeug einen hart gespielten Takt vor, welcher in die Strophe einleitet. Hier wird es dann sehr groovig und das unterstützt den recht ruhigen Gesang, welchen man wunderbar mitsingen kann. Gleiches gilt auch für den Refrain, welcher etwas härter aus den Boxen schallt. Im späteren Verlauf gibt es zudem ein Gitarrensolo, das sich nahtlos in den Song einfügt und für etwas Abwechslung sorgt, alles in allem also eine runde Sache. Der Titelsong des Albums, Hydrograd, folgt nun nimmt erstmal Tempo raus. Mit einem groovigem und drückendem Beat geht es durch die Strophe, bevor dann in den melodischeren Refrain übergeleitet wird. Aus den Boxen schallt es "I´m not better than you, I´m just better.", gut dass das von Taylor noch einmal klargestellt wurde.

Song #3 ist dann der 5. (?!) Song auf dem Longplayer. Hier gibt es einen deutlichen Schnitt zu den vorherigen Titeln. Der Song ist deutlich poppiger und geht deutlich in Richtung Alternative Rock. Die Gitarren wirken hier deutlich weniger hart, fast schon weichgespült. Nur im Solopart können sie eine deutliche Schippe an Stärke draufpacken. Auch der Gesang ist während des ganzen Songs komplett clean. Song #3 ist handwerklich gut gemacht, aber in meine Ohren will er nicht so richtig. Hiernach folgt aber einer der Höhepunkte des Albums. Fabuless ist an der Reihe und erinnert von seiner Machart am ehesten an das Album Come What Ever May. Es geht also deutlich rauer zu und grade der Refrain ist ein Worttechnisches gebellte erster Güteklasse. Corey hat das auch gleich zusammengefasst: "It´s only Rock and roll but I like it, like it.", und ja, diesen Song wird man mögen. Die pure Kraft die aus ihm strotzt ist einfach magisch und zieht den Hörer in seinen Bann. 

Weiter geht es mit The Witness Trees und hier wird es balladig. Auch hier wird wieder viel Platz für Coreys Gesang gelassen, doch grade die dezenten Instrumentaleinschiebungen in den Strophen machen den Song so spannend. Ein durchaus gelungene Rockballade und sicherlich für viele Stone Sour Fans ein Höhepunkt der Platte. Die 2. hälfte von Hydrograd wird durch Rose Red Violent Blue eingeleitet, welches den schönen Beinamen "This Song Is Dump And So Am I" trägt. Der Song an sich grooved in den Strophen und legt seine wahre Feuerkraft erst im Refrain so richtig frei. Trotzdem fällt er im Vergleich zu den vorherigen Tracks leicht ab. Er schafft es einfach nicht die Spannung zu erzeugen, da das klassische Konzept von Strophe, Refrain, Strophe, Refrain, Solo bemüht wird. In dieser Hinsicht gefällt mir "Thank God It´s Over" schon weitaus besser. Eine weitaus druckvollere und interessantere Melodie trägt dazu bei, wie auch das wechselnde Schlagzeugspiel. Hier beweisen grade die Instrumente in der Songgestaltung ihre Stärken.

Es folgt der Song St. Marie und somit auch mein persönlicher Tiefpunkt auf der Platte. Es handelt sich hierbei um eine von Kitsch trotzende Ballade, welche irgendwo zwischen Pop und Folk hängen bleibt. Am schlimmsten sind dabei wohl die teilweise jaulenden Gitarren, welche mir ordentlich zusetzen, als dann noch eine Art Gospelgesang im Hintergrund einsetzt ist es definitiv vorbei. Warum packt man einen solchen Song auf die Platte?. Ich finde es ok das Stone Sour ein Projekt ist bei dem man vieles ausprobiert, jedoch ist dieser Song einfach nur deplatziert auf dem Album. Beim nächsten Mal doch einfach extra oder online veröffentlichen, dann killt man damit auch nicht die gesamte aufgebaute Stimmung. Aber weiter im Text! Mercy (wie passend, wenn man es auf den vorherigen Song bezieht) heißt der nachfolgende Song. Hier wird es wieder deutlich härter, schneller und einfach besser. Der Track ist vielleicht kein Höhepunkt auf der Platte, hört sich aber wunderbar weg, treibt gut nach vorne und sollte jeden zum Headbangen einladen.

Verehrte Damen und Herren nun wird es Zeit für den Kracher auf Hydrograd, gerne Stelle ich ihnen den Song "Whiplash Pants" vor, denn dieser tritt ordentlich Hintern. Coreys gegrowlter, rauer Gesang fügt sich nahtlos in das raue, ja brutale Konzept des Songs ein. Man hat das Gefühl das die Pace und die Gewalt des Songs sich dauerhaft steigert, was vor allem Schlagzeug und Gesang zu verdanken ist. Wenn am Ende ein überdeutliches Fuck geschrien wird, kann man einfach nur glücklich sein. Friday Knights ist nun an der Reihe und gibt anfangs ordentlich Gas bevor mit Einsetzen des Gesangs das Tempo und auch die Spannung etwas flöten gehen. Der Song plätschert irgendwie einfach nur so dahin und kann leider keine Glanzpunkte kreieren da er sich auch nicht im Ohr festsetzt. Somebody Stole My Eyes macht das schon besser. Hier wird ordentlich aufs Gaspedal getreten. Hier passt vieles zusammen, nur der Refrain ist etwas gewöhnungsbedürftig, da er die druckvollen Strophen etwas ausbremst.

Sei es drum, wir schreiten voran zum letzten Track auf Hydrograd. "When The Fever Broke" ist eine Niedrigtemponummer und mit 6:32 Minuten der längste Song des Albums. Das ganze kann man als ruhigen Ausklang des Albums betrachten, denn viel außer ruhigem Gesang und sphärischen Gitarren wird man nicht zu hören bekommen. Klar, man hätte hier auch nochmal einen ordentlichen Knaller platzieren können, doch nach mehr als einer Stunde Musik auf dem Album scheint wirkt diese Entscheidung verständlich und nachvollziehbar.

Hydrograd ist ein Album auf dem es Höhen und Tiefen gibt. Grade die zweite Hälfte des Albums kann mit der ersten nicht in Konkurrenz treten. Es hätte vielleicht gut getan Songs wie Friday Knights und das Nerv tötende St. Marie einfach wegzulassen, aber die Band hat sich nun mal anders entschieden. Übel nehmen kann man es ihnen nicht denn Stone Sour ist vor allem Coreys Spielplatz, auf welchem er sich immer wieder abseits von Slipknot ausprobieren kann und darf. Es dürfte ihn herzlich wenig interessieren was andere darüber denken. Doch nun nochmal zu den Höhepunkten und davon gibt es auch viele. Hydrograds erste Hälfte ist ein Feuerwerk an guten Songs und grade der Song Whiplash Pants im zweiten Teil ist grandios. Die Mischung der Songs ist ebenfalls ein dickes Plus auf dem Album, denn die Mischung aus Rock und Metal macht Stone Sour nun einmal aus. Ein weiterer Höhepunkt ist Coreys Stimme, welche meiner Meinung nach gar nicht hoch genug geschätzt werden kann. Nur wenige Sänger schaffen es so viele Spektren zu bedienen und auch zu meistern.

Hydrograd ist ein tolles Album und für jeden Stone Sour Fan eine Kaufempfehlung wert, aber auch Hardrock Fans sollten daran ihren Spaß finden.

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