Review

SNAKEBITE - Princess of Pain02.04.2015

SNAKEBITE - Princess of Pain

Snakebite - Princess of Pain

von Karla the Fox

Kölner Innenstadt an einem kalten, verregneten Samstagabend. Geschätzte hundert Konzerte finden statt, überall wuseln Fans in ihren besten Outfits herum. Nasty, Eskimo Callboy, die Kassierer,...aber nur eine Band zu der Karla unterwegs sein kann: Snakebite.

Umrandet wird die Show der Schlangen von der berüchtigten Partymonium. Aber das Allergeilste ist, dass es sich nicht bloß um Konzert und Feierei handelt, sondern dass man wirklich einen Grund hat anzustoßen. Snakebite haben nämlich ganz offiziell ihr erstes komplettes Album vorstellen dürfen: Es trägt den bissigen Namen Princess of Pain und hat es faustdick hinter den Ohren.

Die Show fand gleich zu Anfang statt, zu einem Zeitpunkt, zu dem es noch Freibier gab (beste Partyerfindung überhaupt...) und war wohl auch gleich das absolute Highlight. Die Band um Frontsau Dominik "Nikki" Wagner hat´s nämlich live echt drauf. Sie verstehen es, für Stimmung zu sorgen und da ist es auch in Ordnung wenn am Ende des Auftritts glitzernde Herzchen-Konfettis von der Decke flattern. Man darf bei so einem Ereignis auch mal sentimental werden.

Wie ist nun aber die CD geworden?

Vom Cover blickt uns eine eiskalte Medusa mit totem Blick, dunkler Sonnenbrille und Snakebite-Weste entgegen. Ist sie die Princess of Pain? Das wissen wahrscheinlich nur Snakebite selbst...

Ähnlich wie der Anblick der Medusa sind die Themen, die sich in den Lyrics finden eher kalt und bitter. Manche Gedanken klingen fast wie aus der Midlife Crisis gezogen, wenn man die nur noch von Tag zu Tag lebt ohne Ziel und ohne einen Sinn zu sehen. Aber da Snakebite noch zu jung dazu sind und ihre Fans auch, steckt da auch eine gewisse trotzige Attitude drin, der Wunsch, aus der S*****e wieder rauszukommen und endlich einen Schlussstrich zu ziehen ("Draw The Line") oder die Energie wieder aufleben zu lassen ("Live It Up").

Songwriter freuen sich immer, wenn man ihre Inhalte anschaut, und genau das hab ich gemacht; allein schon, weil da echt einges drinsteckt und Snakebite nicht nur über Drogen, Alk und leichte Mädchen singen. Klar, solche Liedchen gibt es auch ("Cry For Rock"), sind aber in der Minderheit.

"After Dark" hat einen wirklich schön geschriebenen Text (ganz abgesehen davon, dass der Song einen hammer Sound hat, ganz anders als der Rest aber geil), ebenso "Break The Spell" und bei "Bound To Lose" lassen einen die Lyrics auch mal schmunzeln. Da erschießt der Protagonist eben mal einen Mann, beschwert sich anschließend darüber, dass die Schuldgefühle danach nicht fair sind nur um im nächsten Moment wieder in die naja-ist-halt-so-Haltung zu verfallen.

Mag sein, dass Snakebite die Exoten ihres Labels Maniac Attack Records sind, die sich sonst eher auf politisch engagierten Punk Rock spezialisiert haben, aber so ganz hirnlos sind die Schlangen auch nicht, lasst euch das gesagt sein.

Musiktechnisch ist da zwar noch Luft nach oben, aber auf der anderen Seite ist Princess of Pain eine verdammte Debütplatte. Und dafür ist der Sound mega gut geworden. Die Jungs spielen eben schon eine Weile in verschiedenen Bands, auch heute noch haben sie andere Projekte am Laufen, das hört man raus. So leicht lassen sich Snakebite auch nicht kategorisieren, außer vielleicht in den weiten Begriff Hardrock. Ansonsten steckt von vielem ein bisschen was drin.

Dadurch, dass alle vier Instrumentalisten sind und auch alle bei den Backings kräftig mitsingen, hat die Snakebitemusik eine starke Dynamik. Wahrscheinlich ist das ein Grund, warum man die Choruse direkt im Kopf hat und mitmachen will. Ob Gitarre, Bass oder das gesamte Drumset, alles beißt, nimmt dich in den Würgegriff und schlingt sich fest.

Die Mitte des Albums mit "Live It Up", "After Dark" und "Princess of Pain" halte ich für den stärksten Teil der Platte. Gegen Ende franselt es ein bisschen aus, aber bis dahin hat man Snakebite längst lieb gewonnen. Die vier sind auch persönlich echt cool drauf und ihr lasst euch was entgehen, wenn ihr sie nicht mal auf einem Gig besucht.

Fazit:
Giftig, ledrig, gefährlich - so wie Schlangen eben sind, mit Biss und Verstand. Guter Startschuss für das was noch kommen wird.

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