Review

SINISTER - Dark Memorials04.07.2015

SINISTER - Dark Memorials

SINISTER - Dark Memorials

verfasst von Karla the Fox


Das anwidernd blutige Artwork ist vielversprechend was Horror angeht. Schnell musste ich feststellen, dass ich den auf dem Album nur in geringer Menge finden werde, weder im positiven noch im negativen Sinne.

Das Projekt der nicht mehr ganz neuen Truppe Sinister heißt Dark Memorials. Es soll die Könige der Zunft des Thrash und Death ehren. Ich bin was Musikrichtungen angeht sehr offen, habe ich im Laufe der Zeit auf ein paar Experimente eingelassen und liebe von Zeit zu Zeit die Extremität, die übertriebene Emotionalität der härteren Metalrichtungen mit ihren klassischen Verziehrungen und so weiter. Ihr wisst wovon ich spreche, manchmal ist das das einzige, was gefühlstechnisch wirkt. Am Genre kann's also nicht liegen, trotzdem enttäuschen mich Sinister mit ihren eigentlich so ehrenvollen Projektidee. Zugegeben, ich kenne einen Großteil der nachgespielten Songs gar nicht, aber da sind Namen wie Kreator, Slayer oder Sepultura zwischendrin, die jeder mal gehört haben dürfte und die selten enttäuschen.

Sinister legen los mit einem starken Intro. Der einzige Teil des Albums, den sie selbst geschrieben haben? Er ist der Teil, der mir mit am besten gefällt. Spricht an sich für die Band. Doch schon nach kurzer Zeit gehen sie über dazu, ihren Helden Tribut zu zollen. Die Bezeichnung als 'Memorial' hat fast schon was von Beerdigung, ich hoffe, die gecoverten Bands werden nicht alle bald abtreten... Wie dem auch sei. Jedenfalls legen Sinister mächtig los und holen aus ihren Instrumenten ein schnelles, energetisches Spiel heraus. Der 'Spirit' des Thrash wird in vielen Momenten getroffen, gerade was die Rhythm Section angeht. In anderen Punkten schießen die Jungs am Ziel vorbei. So vermisse ich zum Beispiel schmerzlich die improvisiert scheinenden extremen Gitarrenläufe, die sich gegenseitig Tonleitern hoch und runter jagen von denen man nicht wusste, dass sie existieren. Selbst wenn kein solches im jeweiligen Originalstück vorkam, hätte man ihm so doch eine eigene Note verleihen können. Zweiter vermisster Punkt ist ein Gesang, der den eigenen Ausdruck ändert. Im Thrash oder Death Metal gibt es sehr wohl die hellen Momente, die langen klaren Screams oder die tiefen oder hysterischen, es gibt kurz gefasst viel Power in jede Richtung. Die Stimme von Sinister-Sänger Adrie, gleichzeitig Bandleader und einziges verbleibendes Gründungsmitglied, bleibt über weite Strecken des Albums auf einem Level. Keine Höhen, keine Tiefen, kein Punkt an dem er vor Atemlosigkeit zu kollabieren droht, aber auch keine 'Run To The Hills'-mäßigen Refrains bei denen die Metalgemeinde pathetisch mitschreien und sich in den Armen liegen könnte. Oder wo sind die immer unterschiedlichen, in die Irre führenden Intros? Selbst wenn sie wieder nicht in den gewählten Songs existieren, hätte man doch ein paar solche Lieder aussuchen können. Einfach nur, damit man immer wieder überrascht ist und verschiedene Emotionen erleben darf.

So übel wie ich Sinister gerade wahrscheinlich vor euch darstelle, sind sie überhaupt nicht. Die Band hat durchaus das Zeug zur Musik. Nur wenn ein Album schon "Dark Memorials" heißt und zu Ehren der großen Helden einer bestimmten Musik und Lebensart aufgenommen wurde, dann darf doch die Abwechslung nicht fehlen, zum Beispiel damit jeder, auch der der sich nicht so auskennt, auf Anhieb merkt, dass das Songs von verschiedenen Künstlern sind, und auch die etwas überzogene Verneigung vor den Urhebern ist ein nettes Stilmittel, dass ich bei Sinister vermisse. Sie kreischen und hämmern sich durch jedes Stück und man versteht kein Wort und merkt sich keinen Riff. Was hatten Sinster also wirklich im Sinn?

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