Review

SHIRLEY HOLMES - Schnelle Nummern22.06.2017

SHIRLEY HOLMES - Schnelle Nummern

SHIRLEY HOLMES - Schnelle Nummern

verfasst von Kalle

Wenn ich hier und da mal gefragt werde, wie würdest du den Sound von Berlin beschreiben, dann hätte ich jetzt fast eine perfekte Antwort. Es müssen nicht immer Rammstein, Beatsteaks oder Die Ärzte sein. Es können auch gerne mal ein paar kleinere Bands sein, die mit ihren Sound eigentlich genau das darstellen, wie man sich Berlin vorstellen kann. Shirley Holmes wären für mich hier genau so ein Kandidat. Aufbrausend, Vollgas und kein Blatt vor den Mund nehmend. Ist halt wie Berlin, kommt aus Berlin, klingt nach Berlin. Wobei zwei Mädels und ihr Schlagzeuger den Dialekt aus den Songs lassen.

Ihr Sound lässt sich nur schwer in Worte fassen. Würde ich es probieren, so wäre es direkter Rock, mit der Tendenz zum Ausflippen. Sound, der Nachbarn bei einer Hausparty verzweifeln lassen könnte, im Keller aber richtig steil geht, Sound wo das Bier in Strömen die Kehle runter fließt. Man könnte es auch leicht mit britischem Punkrock verwechseln oder umschreiben. Die Tracks gehen direkt in die Gehörgänge und in die Gliedmaßen. Wer hier steif wie ein Brett stehen bleibt, der hat kein Verständnis von Musik. Dafür haben es die Drei umso mehr. Mel, die Gitarristin und einer der zwei Stimmen, bringt ihre Gitarrensaiten regelmäßig zum Glühen, kann aber neben den zackigen Riffs auch ein paar schöne Akzente mit tollen Gitarrensolos liefern. Miss Ziggy ist für die zweite Stimme zuständig und spielt dabei ihren Bass. Und das in einer ordentlichen Tiefe, die Dank der guten Produktion sehr gut rüber kommt. Also hier spürt ihr so manch Vibration rüberschlagen. Wo wir bei schlagen sind... An den Drums sitzt der Chris. Nach eigener Bandbeschreibung, kann er einfach nicht langsam. Stimmt, denn auf der Platte gibt es nur wenige Passagen wo er entweder Luft holt oder gar Nichts zu melden hat.

Die Songs sind im überwiegendem Teil auf Deutsch gesungen, ein paar schafften es aber auch ins Englische übersetzt zu werden. Inhaltlich wird hier fast Alles aufgegriffen. Beziehungen, Internetwahn, Lebensalltag... also der allgemeine Wahnsinn. Das ganze wird im besagten hohem Tempo herausgebrüllt. Wer jetzt glaubt, das könnte irgendwann auf den Sack gehen, der sollte sich in einen solchen einschnüren lassen und kann verschickt werden und erst wieder im Schwabenland das Licht der Welt erblicken. In Berlin ist man gerne und viel Laut und das ist auch gut so. Die Mädels rocken von A bis Z. Die insgesamt 10 Songs + 2 Bonuslieder auf dem neuen Album sind wirklich schnelle Nummern, mit wenig Verschnaufpausen, lohnen sich aber von Anfang bis Ende. Dreckig, rotzig, gut verpackt - dit is Berlin! Dit is Shirley Holmes. Von mir een janz großes Knorke an die Drei!


Tracklist:

01 - Im Affenhaus
02 - Machst du Frückstück_
03 - Mein Trip mit P. Watzlawick
04 - Smells Like Team Spirit
05 - Wir sind
06 - Total digital feat. Sookee
07 - Gotta Run
08 - Hassgeliebter Schatz
09 - Klick mich durch
10 - Voeglein
11 - 1 Moment (Steve Machine Remix)
12 - Nadines Korsett (BLY Remix)

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