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SAXON - Battering Ram09.10.2015

SAXON - Battering Ram

SAXON - Battering Ram

verfasst von Karla the Fox

Ein Battering Ram ist ein Rammbock. Saxon wollen mit ihrem schon 21. Album also richtig auf den Putz hauen. Dafür haben sie 11 Songs geschrieben (in manchen Quellen und Listen sind es irrtümlicherweise nur 10), die sich ganz er Energie des 'echten', britischen, ursprünglichen Heavy Metal verschreiben. In ihrem Falle ist dieser Stil noch original, kam die Band doch bereits in den 70er Jahren zusammen und feuert seitdem unaufhörlich mit neuem Output um sich. Ob Vocalist Biff Byford oder Nigel Glockler an den Drums, bei diesen Herren lässt keiner nach. Die Songs sind schnell, frisch und laut.

Saxon geben an, sich beim Texten sowohl von der lebendigen Haltung des Rock'n'Roll als auch von Mythen und Legenden inspirieren zu lassen, von Märchen und Schauergeschichte. So sei "Queen Of Hearts", eines der besten Stücke auf diesem Album wie ich finde, an die Herz-Königin aus Alice im Wunderland angelehnt. Dieses etwas perfides, buntes und philosophisches Märchen passt zum Heavy Metal wie die Faust aufs Auge. Ohne genauer nachzulesen hätte ich einen Song mit diesem Titel eher der Storyline 'Nymphomanin' zugeordnet. So kann man sich irren. Selbst der Song in sich ist irritierend. Es lässt nach, aber am Anfang unterbrechen Saxon ihr Spielen so abrupt, dass man an sich oder seinem CD-Player zweifeln wird. Das Album legt gleich mit dem Titelsong vor. Dessen Gitarrenläufe könnten eine gute Fingerübung für jeden Nachwuchsvirtuosen sein, da sie jagend schnell und trotzdem sehr präzise sind. Durch diese Klarheit heben sich Saxon von brachialeren Vertretern ihrer Zunft ab. Sie geizen nicht mit Ideen wie kleinen eingesprochenen Infos, in diesem Falle zu Beginn von 'The Devil's Footprint'. Byford liest wohl einen ziemlich alten Originaltext, der die Geschichte einleitet, die nun gesungen wird: Menschen wachen auf und wundern sich über gruselige Erscheinungen vor ihrer Tür, nämlich Fußspuren im Schnee, von denen sie dann auch noch nachts verfolgt werden, ohne dass ihnen ein Mensch nachläuft. Sich vorzustellen, all das selbst zu erleben, ist schon gruselig, da freut man sich doch, es in Kunst verpackt haben zu können.

Die Spielart von Saxon ist ohne Schnörkel und Kompromisse, gerade heraus, immer im Takt, gut verständlich in jeder Betonung und fast jedem Wort und durchgehend mindestens Midtempo. Eine Ausnahme hiervon bildet "Kingdom Of The Cross". Dieses mit Synthielayern gespickte Stück ist mehr gesprochen als gesungen. Die Stimme selbst wird zum Märchenerzähler, mit Emotionen, Pausen, allem. Es geht um Soldaten, Tod, Trauer und ein friedliches Land, dass gesucht doch nicht gefunden wird. Wenn doch gesungen wird, dann überraschen melodisch. Der ominöse 11. Song, "Three Sheets To The Wind" ist, wie sein Untertitel verrät, ein Trinklied. Das Tempo wird also wieder angehoben während der Inhaltsanspruch sinkt.

Insgesamt ein Album, das eindeutig von Profis stammt, sowohl an den Instrumenten als auch am Mischpult oder am Schreibtisch über den Textentwürfen. Mit 21 Alben kommt Routine und mit der langen Karriere eine Berechtigung, einfach sein Ding machen zu können ohne aus dem Rahmen fallen und auf Teufel komm raus auffallen zu müssen. Somit können uns Saxon ein unverfälschtes NWOBHM-Werk abliefern. So wie es geschrieben und umgesetzt ist, würde ich es wahrscheinlich über alles lieben und nach wenigen Tönen durch die Decke gehen, wäre da nicht der Fall, dass mir zu diesem Britischen Stil ein wenig der Zugang fehlt, denn er ist mir zu männlich. Diesen Punkt kann man einer Band aus Männern allerdings natürlich nicht zum Vorwurf machen, weswegen das Album meinen durchgehenden Lob und Anerkennung erhält.

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