Review

PYOGENESIS - A Century In The Curse Of Time03.08.2015

PYOGENESIS - A Century In The Curse Of Time

PYOGENESIS - A Century In The Curse Of Time

von Oli

Pyogenesis sind zurück! Die Anfang der 90er Jahre in gegründete Band war damals ein Pionier des deutschen Melodic Death und Gothic Metals. Bis 2002 konnten die vier  Stuttgarter mehrere große Charterfolge, Headlinertouren und Festivalauftritte in ganz Europa verzeichnen. Danach wurde es still um die Band. Einige Mitglieder verließen Pyogenesis aber aufgelöst hat sich die Gruppe nie offiziell. Jetzt, im Jahre 2015, kündigten sie Festivalauftritte und eine neue CD an. "Another Century In The Curse Of Time" soll der Silberling heißen, wieder ein Metalalbum werden (die vorherigen Alben gingen ja immer mehr Richtung Teenie-Punkrock) und sich um die Veränderungen in der Gesellschaft im 19. Jahrhundert drehen, die große Erfindungen, wie zum Beispiel die Dampfmaschine, hervorbrachten. Dementsprechend ist das Cover auch schön steampunkig, was mir persönlich ja schon einmal gut gefällt.

Der erste Song "Steam Paves It's Way (The Machine)", der auch schon als Musikvideo erschienen ist, beginnt mit einem kurzen, gesprochnen Intro und handelt von der Eisenbahn - und genauso klingt er auch! Aber nicht nach einer kleinen Bimmelbahn, sondern nach 30.000 Tonnen Metal(l) die sich mit einer treibenden Doublebase den Weg durch die ersten dreieinhalb Minuten bahnen. Als Kontrast dazu kommt ein wunderbar melodischer Á Capella Refrain und ein brutales Solo. Im Hintergrund hört man ein paar Synthiespuren, die Abwechslung und Melodie in die Musik bringen. Klasse! Wenn das so weitergeht, dann habe ich hier das Metalalbum des Jahres vor mir und alle alteingesessen Pyogenesis-Fans werden sich die Hände reiben. Auch der 2. Song kann überzeugen. Der typische Brüllgesang von Flo v. Schwarz ist hier deutlich herauszuhören, dazu ein straightes Schlagzeug, harte Gitarren, ein wummernder Bass und ein schöner "Wohohoho"-Refrain der zum Mitsingen einlädt. So gefällt mir das. Und dann kommt die Enttäuschung...

Oh eine Ballade. Ich hoffe, dass es danach wieder losgeht, aber nein - ab jetzt wird das Album zum Teeniepunkrockalbum. Zwischendurch kommt noch einmal ein härterer Song, "Lifless", aber auch der haut es nicht heraus. Leider gehen die Jungs hier wieder Richtung Pop-Punkrock und senken deutlich das Tempo. Teilweise ist der Gesang stark bearbeitet, was nicht wirklich nötig ist, da die beiden Sänger das auch so sehr gut machen. Die Songs scheinen weichgespült, langgezogen und alles andere als Metal. Nach zwei so starken Openern wirkt der Rest der Platte sehr langweilig. Zum Abschluss kommt dann das 14 minütige Titelstück "A Century In The Curse Of Time" und auch wenn das sehr gut gemacht ist und die Veränderungen des 19. Jahrhunderts musikalisch gegen die "alte Zeit" antreten lässt, will das die ganze Stimmung nicht so recht wieder aufbauen. Alles ist toll produziert, super aufwändig und nicht nur der oft mehrstimmige Gesang zeigt, dass Pyogenesis wissen, was sie tun, nur leider wollte der Funke bei mir beim ersten Mal Hören nicht überspringen.

Aber gut. Ich gebe dem Album noch einmal eine Chance, und siehe da: Wenn man die Enttäuschung des Stilwechsels verkraftet hat bemerkt man auf einmal, dass die Songs gut geschrieben und super hörbar sind. Der Sound des Albums erinnert mich ein wenig an Queen im Punkrock/Metal-Gewand. Natürlich kommen die Jungs aus Stuttgart nicht an das komplexe Songwriting der Legenden heran, aber erst recht der mehrstimmige Gesang und die aufwändige Produktion hat etwas von den Königinnen des Rocks! Dabei kann man das Album einerseits sehr gut im Hintergrund laufen lassen aber andererseits auch aktiv hören.

Mein Fazit:
Die ersten beiden Songs gehen sofort ins Ohr und legen die Latte für den Rest des Albums sehr hoch. In die restlichen Songs muss man sich erst reinhören, aber wenn man das getan hat, dann hat das Album durchaus das Potential zum Metal-Sommer-Album des Jahres 2015. Es ist nicht unendlich Brutal und Böse, dafür aber gut durchdacht und macht gute Laune. Dazu kommt noch das interessante Steampunk-Konzept des Albums, was mir persönlich sehr gut gefällt. Trotzdem hätten ein oder zwei weitere Songs im Stile der ersten beiden Titel und ein wenig weniger "Wohoho" die Platte nicht schlechter gemacht. Aber egal! Platte einlegen, auf den Balkon oder in den Garten setzen und genießen!

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