Review

ONE DESIRE - One Desire15.05.2017

ONE DESIRE - One Desire

ONE DESIRE - One Desire

verfasst von Karla the Fox

Sinnlose Anekdote, die mir bei One Desire in den Sinn kommt: Eine Schulfreundin kannte das englische Wort 'desire' nicht. Sie guckte verwirrt und fragte: "Wieso steht da Desiree?", also wie der Frauenname. Da beschloss ich feierlich, meine erste Tochter Desiree zu nennen - denn ohne 'desire', also Lust/Verlangen, keine Kinder... 

Die Musik von One Desire könnte sicher auch den ein oder anderen in die richtige Stimmung versetzen... aber fangen wir erst mal gesittet an. One Desire sind eine Band aus Finnland, mit Musikern von Sturm und Drang und dem früheren Gitarristen der Jugendschwärme Negative. Sie haben sich schon vor vielen Jahren gefunden, doch erst jetzt, 2017, bringen sie die erste gemeinsame offizielle Scheibe heraus. Sie trägt sogleich den eigenen Namen und soll somit entweder das Wesen der Band an sich oder tatsächlich ihr 'eines Verlangen' vorstellen. Ihren einen Wunsch. Der muss eindeutig was Romantisches sein. One Desire, in den Ohren mancher unserer Leser sicher überladen mit Kitsch, spielen AOR in feinster Manier. Ihre Melodien sind perfekt harmonisch, die Gitarren hoch gestimmt, der Gesang sauber und direkt. Trotz der soften Stimmung, sind One Desire dynamischer, lauter und voller im Klang als viele ihrer Kollegen. Songs wie "Hurt" und "Whenever I'm Dreaming" gehen nicht mehr so schnell aus dem Ohr, andere wie "Apologize" und "Falling Apart" erinnern unweigerlich an die eigene Jugend, als die Gefühle noch dreimal so intensiv und die Songs, die ich hörte, etwas leichter waren. Damals... doch sind unsere kitschigen Gefühle im Erwachsenenalter wirklich weg? Nein, ich würde sagen, One Desire holen sie zurück.

Dass sie das ein oder andere Mal dabei übers Ziel hinaus schießen, sei ihnen verziehen. Immerhin sind sie für AOR-Gewohnheiten noch relativ jung und dies ist ihr erstes gemeinsames Album. Übrigens finde ich, dass man Bands in zwei Gruppen einteilen kann: die, die bei ihrem Debut noch auf Eigeninitiative angewiesen sind, keinerlei Erfahrungen mit dem Business haben und bei denen man das technisch und songwriterisch total heraushört, so leid es einem tut, ihnen das zu sagen. Und die, die diese Welt schon kennen, von Anfang an eine Plattenfirma im Rücken habne und von null auf hundert loslegen können. One Desire gehören zu der zweiten Fraktion. Ihre Songs sind super umgesetzt und versprühen die Laune, die man jetzt im Frühling braucht. Weg mit dem doofen Winter. Es ist eigentlich unnötig zu sagen, dass dieses Album mit einer artgerechten Herzschmerzballade endet... ich wünsche euch in diesem Sinne allen, dass ihr diesen Frühling verliebt seid.

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