Review

NOÊTA - Beyond Life And Death27.02.2017

NOÊTA - Beyond Life And Death

NOÊTA - Beyond Life And Death

verfasst von Robert K.

Noêta sind ein schwedisches Musiker-Duo, die über das Label Prophecy, welches schon andere namhafte Bands - wie Alcest oder Helrunar vertritt - nun ihr erstes Album veröffentlichen. Das Werk heißt "Beyond Life And Death" und folgt auf die 2015 erschienene EP "psykhe". Noêta als Name beschreibt dabei eine griechische Strömung der Philosophie, in der Ideen existieren, bevor sie jemand denkt. Das erste Album nun befasst sich mit der Suche nach Struktur und Sinn, Aufgabe und Antworten - kurz gesagt der Ohnmacht des Menschen, Kontrolle zu wahren. Ob es jenseits von gut und schlecht für den Hörer ist, werden wir jetzt herausfinden.

Von vorne herein sollte klar sein, dass es sich hier um keine typische Rock- oder Metal-Platte sondern um ein Ambient-Stück handelt - was man in Betracht ziehen muss. Das Duo besteht auch aus Multiinstrumentalisten, was man im Verlauf der Scheibe zu hören bekommt. Schwer und allmählich kommt die Komposition daher und treibt wie eine Feder im Wind, der man im Tanz zusieht. Die Band bezeichnet ihren Stil selbst als "Black Ambient" und man kann sagen, dass das zutreffend ist. Vom Titel des Album, über das Cover, welches - glaube ich - eine männliche Leiche unter der Erde zeigt, bis hin zur eigentlichen Musik. Die Betrübtheit, Resignation und Melancholie der Künstler wird akurat übertragen und manifestiert sich als Klagegesang. Der Ambient-Anteil ist hier, meiner Meinung nach, rein musikalisch zu betrachten, denn es gibt durchaus viele Gesangspassagen, aber dafür werden alle einer Atmosphäre dienlich und tragen zur Stärkung dieser bei. Man fühlt sich kraftlos und bleibt einfach liegen, während man in die dunkle Nacht dieser Melodien hinabtaucht.

Wie für diese Richtung üblich, gestaltet sich die Komposition wenig originell, was immer eine große Frage ist: Stil versus Technik - diese beiden lassen sich nur schwer verbinden. Folglich sollte man es niemandem zum Vorwurf machen, wenn man für den Stil Technik opfert und umgekehrt mit Einschränkungen. Produziert wurde alles ein wenig dumpf, um die Dreidimensionalität zu erhalten und alles greifbar erscheinen zu lassen. Will man es sich bildlich vorstellen, muss man an ein paar Pappaufsteller einer Kulisse denken - wie beim Theater. Der Gesang ist ausschließlich weiblich, tief und leicht kratzend, nicht die Aufnahme, sondern die Stimme selbst. Oft wird ein Spannungsbogen unterbrochen, um der Stimme eine dramatische Klimax zu geben und wieder von vorne zu starten - ein sehr schicker Zug, wenn man sich darauf einstellt.

Am Ende bleibt "Beyond Life And Death" eine durchweg positive negative Erfahrung. Was bedeutet das? Nun, die Thematik ist düster und in der Ausführung haben Noêta komplett den Punkt getroffen. Der Alltag wird analysiert und auf wenige Töne reduziert, die uns wirklich kitzeln und reizen. Erstaunlich, wie dicht und gleichzeitig wechselhaft wie Stimmung zwischen resigniert wütend und apathisch sein kann. Wer nur ansatzweise Ambient zu mögen scheint, wird sich in diese Scheibe verlieben. Großartig.  

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