Review

NOCTE OBDUCTA - Totholz (Ein Raunen Aus Dem Klammwald)18.05.2017

NOCTE OBDUCTA - Totholz (Ein Raunen Aus Dem Klammwald)

NOCTE OBDUCTA - Totholz (Ein Raunen Aus Dem Klammwald)

verfasst von Robert K.

Meine Güte! Ein neues Album von Nocte Obducta. Die avantgarden Black Metaller haben sich die Mühe gemacht und bringen uns ihr elftes Album mit unglaublich langem Titel. Mit einer ebenso langen Bandgeschichte, mit zwischenzetlichem Splitting und Wiederkehr, sind die Mainzer seit 1995 unterwegs. Wer sie noch nicht kennt, sollte sich mal ein Konzert ansehen oder im Netz nach Videos suchen, denn die Band bringt live Vergnügen. Nach dem Split entstand übrigens die Band Dinner auf Uranos, welche auch mindestens einmal Hören wert ist. Genug des Vorgeplänkels.

Wenn man sich beim Lesen des Titels des Albums kurz am Kopf kratzt, wird nicht der einzige Mensch bleiben, denn auch mir ergeht es so. Die Diskografie zeigt einige sehr makabere Titel auf, was aber nicht auf die musikalische Qualität schließen lässt. Das ist nicht das einzige Alleinstellungsmerkmal von Nocte Obducta. Live wird eine schwarz-weiße Ananasflagge ausgestellt - witzig. Avantgarde Black Metal passt für das Genre eigentlich ganz gut, wenn man die Texte und die generelle Komposition ansieht. Letztere besticht durch einen düsteren Klang mit Keyboard-Einbindung zur Atmosphärengestaltung. Es gibt viele ruhige Passagen und gerade der letzte Track "Wiedergänger Blues" ist unterteilt in eine lange Fahrt der Stimmungen und beendet Platte würdig. Überall hört man auf dem Album lange ausgespielte Abschnitte, die zum Denken anregen und dazu der klare Gesang, der wie ein düsterer Erzähler durch den Kopf hallt. Das soll auch nicht alles sein. Die Black Metal-Anteile sind noch deutlich zu hören, vor allem der gutturale Gesang, der trotz seines rauen Klangs verständlich bleibt. Wenn man nach der Thematik des Albums fragt, führt wohl jede Antwort auf den Holzweg. Alles wirkt, gerade beim ersten Hören, überwältigend - man verliert sich in so vielen Eindrücken. Dass man sich einfach fallen lassen kann und für eine entspannende Pause mal eben Nocte Obducta einlegt, ist überragend, bedenkt man andere Genrevertreter, die lediglich durchgängiges Geknüppel liefern.
Gemäß eines ungeschriebenen Gesetzes müssen Black Metal-Alben etwas dumpf produziert werden und auch in diesem Falle wird auch keine Ausnahme gemacht. Der Stimmung tut das keinen Abbruch, sonder bestärkt die Beklemmung die man empfinden kann, wenn man sich darauf einlässt. Was wirkt sich da noch aus? Die Gitarren gehen leider manchmal im Schlagzeug unter, was teilweise Unbehagen hervorrufen kann, aber den Gesamteindruck nicht verschlechtert.

Alles in Allem ist Totholz keine typische Platte, die man jeden Tag hinterher geworfen bekommt. Abwechslungsreich und wandlungsvoll spielt sie sich kurzweilig über mehrere Sessions und lässt kaum los. Wer sich gerne versenken lässt - im positiven Sinne - darf, kann und muss hier wenigstens Probe hören!

Alle CD Reviews

Treffer 1 bis 200 von 1056