Review

NIGHTWISH - Endless Forms Most Beautiful23.03.2015

NIGHTWISH - Endless Forms Most Beautiful

NIGHTWISH - Endless Forms Most Beautiful

verfasst von Zonic

Nach schier unendlicher Zeit beehren uns die Herren und die Dame von Nightwish mit einem neuen Studiobaby. Seit "Imaginaerum" hat sich innerhalb der Band einiges getan: Troy Donockley ist hinzu gestoßen und hat seine Position an verschiedenen Flöteninstrumenten bezogen, Jukka hat aus gesundheitlichen Gründen seine Drumkessel vorübergehend Kai Hahto überlassen und der Sängerinnenposten wird nun von der ehemaligen After Forever-Sängerin Floor Jansen besetzt.

Neues Spiel, neues Glück, neues Album: Endless Forms Most Beautiful.
Nightwish spielen bereits seit einiger Zeit mit großem Orchester und Chören, so hat man auch bei diesem Album auf dieses bewährte Mittel zurückgegriffen. Mittlerweile hat sich dieses Zusammenspiel aus Band, Orchester und Chor zu einer nahezu perfekten Symbiose entwickelt. Raffiniert werden auch hier die einzelnen Elemente miteinander verbunden und detailgetreu ausgearbeitet. So glänzt Tuomas´ Kopf wie gewohnt mit großen, epischen Kompositionen und metaphorischen Texten, die ihrerseits ein Markenzeichen von Nightwish geworden sind.

Bereits der erste Song "Shudder Before The Beautiful" enthält alle für die Band typischen Elemente. Eingeleitet von einem Gedicht folgt ein Riff mit Orchester, eine zärtliche Strophe, die sich in der Bridge steigert und im Refrain aufgeht. Im Solo wechseln sich Gitarre und Keyboard ab und der Chor im Finale darf natürlich auch nicht fehlen.

So zieht sich dieses Konzept durch das Album, wobei man über die erste Single "Élan" stolpert, die leicht irisch angehaucht scheint und verhältnismäßig ruhig daherkommt. "Yours Is An Eempty Hope" erinnert stilistisch an eines der älteren Stücke ("Slaying the Dreamer" - Century Child, 2000); es kommt ähnlich martialisch um die Ecke und verbreitet eine aggressiv-düstere Stimmung. Der Titeltrack rast förmlich durch die Gegend und reißt einen dabei mit. Zunächst mit Drums und Orchester beginnend, mischt sich allzu bald die Gitarre ein und man setzt im Refrain auf Eingängigkeit und den Chor, während Intro und Übergänge die Riffs staccato halten.

Mit großer Freude begegne ich "Edema Ruh" (den ich persönlich vielleicht eher als erste Single gewählt hätte) und "Alpenglow" Beide stechen für mich aus dem Album hervor, da sie die Stimmung ein wenig aufhellen. Mit "The Eyes Of Sharbat Gula" finden wir auch einen Instrumentaltrack auf dem Album, der etwas sehr schamanisches hat (auch in den Gesängen), das sich durch den Song zieht. Einzig das Klavier und leichte Drumeffekte lassen anmuten, dass dieses Stück nicht ursprünglich von einem Urvolk der Indianer kommt. Sehr gelungen, sehr Soundtrack-like, sehr Holopainen! Das Grande Finale wird natürlich mit einem Opus zelebriert. Dieser heißt hier "The Greatest Show On Earth", ist knapp 24 Minuten lang und somit der längste Song auf einem Nightwish- Album bisher. Natürlich fehlt es auch hier nicht an Abwechslung. Klavier und Bass beginnen, dann ein Cellosolo, leichte Streicher bis zum plötzlichen Knall. Abrupt werden die Streicher aufgeregter und das Stück beginnt, sich in Dynamik und Tempo zu steigern. Immer wieder erhalten einzelne Instrumente die ihnen gebührende Aufmerksamkeit, dann taucht eine Knabenstimme auf und als Troy einmal mehr seine Flöte spielen darf, erhebt auch wieder unser Gedichterzähler seine Stimme. Kurz darauf wirft der Song sein seidiges Gewand ab und legt seine rockige Seite frei. Natürlich passiert darin noch einiges mehr, aber 24 Minuten zu erzählen ist nicht so schön, wie sie sich anzuhören. Soviel sei gesagt: Es bleibt spannend!

Fazit: Ich als Zonic spreche hier nicht nur als Reviewschreiberin, sondern auch als einer der vermutlich größten Nightwish-Fans überhaupt. Wer jetzt aber denkt: "Hahaha, dann kann sie das Album ja nur gut finden... nänänä... ", der hat sich da aber getäuscht. Denn gerade ich stehe dem natürlich anders und besonders kritisch gegenüber. Denn beim achten ("The Score" mal nicht mitgezählt) Studioalbum der Lieblingsband liegt die Messlatte natürlich entsprechend hoch.
Bedauerlicherweise muss ich sagen, dass mich das Album emotional (noch) nicht überzeugt hat. Es ist gefüllt mit technischen und musikalischen Raffinessen, perfekt abgestimmter Dynamik und  Abwechslung, aber für mich persönlich war auch nach mehrmaligem Hören kein sofortiger "Earcatcher" dabei. Leider.

Mag sein, dass sich die Eingängigkeit bestimmter Melodien der Komplexität der Musik an sich unterordnen muss. Des Weiteren klingt mir der Mix an manchen Stellen zu rund, da hätte ich mir mehr Kanten gewünscht ("Élan" ist ein gutes Beispiel dafür).

Nichtsdestotrotz ist die Platte auf jeden Fall hörenswert, ob nun Fan oder nicht. Wer auf musikalische Abwechslung steht, symphonische Klänge mag und das gern in Verbindung mit Metal genießt, ist bei dieser Platte auf jeden Fall an der richtigen Adresse.

Hört rein, bildet euch euer Urteil und teilt es mir gern mit.

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