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NACHTGESCHREI - Staub und Schatten01.08.2015

NACHTGESCHREI - Staub und Schatten

NACHTGESCHREI - Staub und Schatten

verfasst von Kalle


Ohne euch jetzt das Fazit schon zum Anfang zu geben, aber was hier in mein Gehörgang gekommen ist, das ist mehr als nur genial. Nachtgeschrei bringen ihr fünftes Album "Staub und Schatten" heraus und ich kann euch das jetzt schon nur wärmstens ans Herz legen. Dazu müsst ihr nicht nur Mittelalter, Folk oder Metal mögen, ihr müsst einfach nur gute Ohren haben, denn diese Platte wird euch fesseln. Sie selbst geben ihrem Genre keine genaue Bezeichnung, da mittlerweile viele Einflüsse drin stecken. Ich für meinen Teil nenne es einfach mal Heavy Mittelalter Folk. Damit fässt man glaube ich gut zusammen, was euch auf der Scheibe erwartet. Diese Album bricht so manchen zu Staub und ist so groß, dass es einen Schatten werfen wird. Hier ist endlich Mal wieder Mittelalter Rock, der den Namen auch verdient!

So und genug der ganzen Lobeshymnen vorweg... warum erzähle ich euch nicht einfach, was euch auf der Platte erwartet und ihr genauso davon begeistert sein werdet, wie ich es gerade beim X-ten Male hören bin. Zwölf Titel erwarten euch insgesamt und schon der Opener "Monster" ist ein Solches. Mit einem geheimnisvollen Intro startet man rein in ein Rifffeuerwerk, untermalt von Drehlaier und satten Drums. "Monster" ist ein flott unterwegs und stimmt mächtig auf die Platte ein. Martin, der Sänger, hat eine kräftige und leicht rauchige Stimme, die sich super einfügt in die Melodien und Riffs. Ein Opener, der seinen Namen verdient! "Das Nichts" spielt ein wenig mit dem Tempo und ist zusätzlich sehr zum Nachdenken anregend. Hier lohnt es sich wirklich auf den Text zu lauschen. Das ausgedehnte Drehleiersolo gefällt mir in diesem Song sehr, da es sich zum Gefühl des Songs anpasst. Hier wird eine tolle Ballance zwischen Kraft und Sentimentalität gehalten. Mit "Die Wilde Jagd" kommt der längste Track der Platte. Er geht etwas mehr als fünf Minuten und macht dem Bandnamen alle Ehre. Hier wird wirklich mal aus voller Inbrunst "geschrien". Laui unterstützt Martin mit seiner Stimme in den Strophen und im Refrain wird dann mal tief Luft geholt. Ein Spiel zwischen den Jäger und dem Gejagten ist in dem Song zu vernehmen. Insgesamt ein sehr unterhaltsamer Track. Der nun Folgende ist das Titellied zum Album - "Staub und Schatten". Es wird langsam begonnen und baut sich dann zu einem sehr kraftvollen Werk auf, welches mit vielen Überraschungen daher kommt. Dudelsäcke, fetter Schrei und... lasst euch überraschen - Alles verrate ich natürlich nicht. Ihr sollt ja noch was vom Album haben.

Nachtgeschrei können aber nicht nur Heavy und mit harten Riffs um sich werfen. "Lunas Lied" ist da der beste Beweis dafür. Akustikgitarre und ruhige Stimme begleiten euch durch gefühlvoll durch die etwas mehr als drei Minuten. Augen zu, lauschen und genießen ist angesagt. Aber zu einer richtigen Heavy Ballade gehört auch etwas Kraft und so kommt am Ende noch genau das hinzu. Hossa... da hab ich doch wieder Gänsehaut bekommen. Passierte mir bisher jedes Mal, wenn ich den Song hörte. Jetzt wird es dann etwas schaurig, wenn man nach dem Liednamen geht - "Kerberos" (Dämon der Grube). Doch es ist nur ein kurzes Intro zu "Eden". Schade eigentlich, denn ich hätte mir durchaus gerne gewünscht in dieser düsteren Stimmung ein Lied zu hören. Nun, dann machen wir mit "Eden" weiter und hier kommt dann die Überraschung. Statt Eden zu loben, singen Nachtgeschrei über den Untergang von Eden, womit wir wieder beim Dämonen der Grube wären. Tja... so fügt sich das Eine zum Anderen. Dämonen sind ja bekanntlich düster und das Lied kann gut mithalten, was die Riffs und Drums angeht. Hier lassen Nachtgeschrei so manch Headbangerherz höher schlagen, denn das Tempo lässt gar nix Anderes zu. Das Gitarrensolo wurde dem Inhalt angepasst und nicht übertrieben in die Höhen gezogen. Es ist komplett stimmig und eine absolute Empfehlung.

"Der letzte Tag" ist jetzt für mich ein kleiner Insiderwitz. Das hat mit einer Passage und der Assoziation darauf zu tun. Denn hier bekommt Bassist Oli eine etwas längere Solostelle und ich hab mir innerlich gedacht, ob sie ihm das als eine Art Henkersmahlzeit gegeben haben, damit er nicht verhungert und dann wieder ruhig verschwinden kann. Nein so ist das sicherlich nicht von der Band gedacht, aber mir gefiel der Gedanke irgendwie. Das Stück selbst könnte etwas weniger von der sehr kraftvollen Stimme in den Refrains gebrauchen, denn durch die sanftmutige Drehleier und die satten Drums wirkt das etwas durcheinander in meinen Ohren, zumal eben auch das Basssolo wieder das Tempo raus nimmt und somit die Stimme etwas zu hart ist an den besagten Stellen, für meinen persönlichen Geschmack. "Verloren" sehe ich schon als grandiose Live-Nummer mit einem fetztigen Mitklatschpart, nämlich dann wenn Dudelsack und Drehleier ihren Auftritt im Solopart haben. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dort auch ein Akkordeon zu vernehmen.

Mit "Bruder" gibt es sanfte Strophen und druckvolle Refrains zu hören. Hier gibt es wieder die Akustikgitarre, so das der Eindruck entstehen könnte, es handelt sich um eine durchgehende Ballade. So ganz ist das nicht der Fall, obwohl ich mir das vorstellen könnte, denn der Text gibt das mit Sicherheit her. ABER... Brüder und Balladen... Leute... jetzt mal ernsthaft... da muss natürlich die gewisse Männlichkeit in den Song und das packen Nachtgeschrei ohne Zweifel sehr gut. Wenn man mich dann fragen würde, welcher Song wäre der schwächste auf der Platte, dann würde ich mit "Leben für den Klang" antworten. Der geht geradewegs durch die Ohren, ist interessant gemacht, aber er bleibt leider nicht hängen. Ich kann auch leider gar nicht genau beschreiben warum das der Fall ist. Wir sind dann auch schon am Ende der Platte angekommen und euch verabschiedet das Lied "Schlaflos". Keine Panik... es ist keine Kopie von "Atemlos" oder sonstiger Mist. "Schlaflos" ist ein ordentlicher Midtempotrack, der eine tolle Liedzeile hat: "Ich will nicht, dass es enden muss.". Und genau diesen Satzteil nehme ich jetzt mal für mein Fazit, auch wenn er im Lied eine ganz andere Bedeutung hat, aber er passt einfach.

FAZIT:

Das Album macht Spaß, es ist laut, heavy, gefühlvoll und vermittelt einfach die Leidenschaft und das Herzblut, mit dem die Musiker dabei sind. Egal ob Mittelalter, Folk, Heavy oder Rock... sucht euch euer Genre dafür aus oder genießt einfach dieses tolle Werk. Gute Musik braucht kein Genre... sie braucht Musiker, die sie entstehen lassen und spielen. Nachtgeschrei gehören dazu und ich hoffe dieses Album kommt demnächst auch in eure Sammlung. Lob an alle Beteiligten für solch ein Werk!

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