Review

NACHTBLUT - Chimonas14.11.2014

NACHTBLUT - Chimonas

Nachtblut - Chimonas

verfasst von Karla The Fox

"Nachtblut" präsentieren ihr aktuelles Album "Chimonas". Spontane Kassifizierung nach ein wenig rumzappen: Melo-Black/Death Rock-Metal. Die stilistische Einordnung ist hier in der Tat nicht leicht und sicher auch nicht erwünscht.

Auffallend im Vergleich zu vielen Black Metal-Produktionen ist die saubere Abmischung, wird doch oft ein sehr roher und proberaumartiger Sound angestrebt. Dies ist hier nicht der Fall, der Gesamtmix kann sich durchaus sehen lassen. Typisch jedoch für die schwärzere Spielart spielt sich der Gesang häufig in den höheren Tonregistern ab, wobei das fehlen klar definierter Töne mich immer an heulenden Wind denken lässt. Ähnliches kennt man von Veteranen wie Cradle of Filth, welche offensichtlich auch häufiger bei Nachtblut im Plattenspieler rotieren. Im Vergleich zu denen fällt das hohe Gekeife leider etwas dünn aus, weshalb es gut ist, dass auch mal tiefere Growls ausgepackt werden. Die Songstruktur ist abwechslungsreich und oftmals gar nicht so Black Metal-typisch wie es der erste Track "Gotteskrieger" erwarten lassen würde. Gleich die nächste Nummer "Wien 1683" wird mit von Fanfaren getragenen Melodien und gemächlicherem Tempo zu rockigem Melodeath mit mittelalterlichem Touch. Beim nächsten Song "Wie Gott sein" stören leichte rythmische Ausrutscher bei den Vocals, welche mit ihrer Härte auch nicht ganz zu dem ansonsten melodisch rockenden Song passen. Textlich wird hier Gottes Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid der Menschheit angeprangert, das ist etwas plakativ aber geht in Ordnung.

"Wie ein Grab" ist musikalisch deutlich düsterer angehaucht, hier passt das Ensemble wieder etwas besser. Anders wiederum bei "Und immer wenn die Nacht anbricht", welcher von der Eifersucht des Protagonisten handelt und sich, hauptsächlich von Piano und Streicher begleitet, schwer damit tut, einen wirklichen Klimax zu erzeugen. Hier hätte man mit Klargesang dem Song den nötigen Tiefgang verpassen können, so bleibt er leider hinter seinem Potential zurück. Wenn schon so frei mit den Stilen jongliert wird, hätte man doch dies auch noch mit in den Topf schmeißen können. Seis drum, weiter geht´s. "Schwarz" tischt wieder mehr Elemente aus dem, wer hätt´s gedacht, schwarzen Bereich auf, Blast Beats sind ebenso dabei wie die anscheinend obligatorischen Rockriffgitarren. Mittendrin plötzlich ein wenig Power Metal-Riffing, ich verliere langsam wirklich den roten Faden. Das kann man sicher als abwechslungsreich darstellen, für mich wirkt es leider eher zusammengewürfelt.

Bei "Märchen" kommt dann auch noch einiges aus dem Bereich NDH dazu, insgesamt hätten sich "Nachtblut" wirklich lieber eine klarere Linie suchen sollen. So wird es mir aber schwer gemacht, mich auf das Album einzulassen. Zusammen mit den rythmischen Unfeinheiten der Vocals, welche auch in anderen Songs immer wieder auffallen, hinterlässt die Scheibe trotz einiger vielversprechender Ansätze einen bitteren Beigeschmack. Dies ändert sich leider auch nicht mit den beiden letzten Songs "Töte mich" und "Chimonas", so dass das Album insgesamt nur im Mittelmaß anzusiedeln ist. Etwas mehr Fokussierung auf nur ein paar der vielen unterschiedlichen Elemente hätte hier deutlich besser funktioniert.

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