Review

MY SLEEPING KARMA - Moksha08.06.2015

MY SLEEPING KARMA - Moksha

MY SLEEPING KARMA - Moksha

verfasst von Karla the Fox


Es gibt so ein paar Bands da draußen, die sind so einzigartig, dass jede andere, die irgendwann, wenn auch zufällig, mit dem gleichen Stil spielt, als Nachahmer dastehen wird. My Sleeping Karma sind so ein Fall. Oder wie viele Bands kennt ihr, die sich zwar von lauten Heavy Metal Bands inspirien lassen und deren Shirts tragen, dann aber esoterisch angehauchte Musik aus dem fernen Indien schreiben? Heavy Metal ist nicht gerade das, wozu ein Hindu meditieren würde. Zu My Sleeping Karma geht das denke ich ganz gut.

Seit jeher ist es das Markenkennzeichen der Band, dass sie auf Gesang vollkommen verzichten sowie dass sie all ihre Lieder nach hinduistischen Begriffen benennen. "Moksha" ist der Titel des neusten Albums und Moksha ist die Erleuchtung, das höchste aller Lebensziele. Der Moksha haben My Sleeping Karma auch einen Titeltrack gewidment. Die restlichen Nummern heißen "Prithvi", "Vayu", "Akasha", "Jalam" und "Agni". Dabei handelt es sich um die fünf Elemente Erde, Luft, Wasser, Feuer und so etwas wie Himmel. Den Charakter des jeweiligen Elements haben MSK musikalisch dargestellt. Ihre Kompositionen beinhalten viele Wiederholungen derselben Passage, sie sind unter dem Durchschnitt, was Lautstärke und Geschwindigkeit betrifft und haben tatsächlich eine Grundlage, die sich noch am ehesten als Metal beschreiben lassen könnte, wegen der Instrumente und dem Fehlen von Autotunes und anderen Soundelementen aus dem Pop.

Alles weitere ist fernöstlich und exotisch. Zwischen die Umschreibungen der Elemente, von denen ich nur schwer sagen könnte, welches mein liebstes wäre, haben MSK kleine Interludes geschaltet. Das sind authetische Aufnahmen, also Töne, die gar nicht mehr aus einem europäischen Studio zu kommen scheinen sondern direkt von den offenen Plätzen Indiens. Hier gesellen sich Töne hinzu, zu denen man sich gerne eine tanzende Kobra vorstellt sowie ein paar waberige, weltentrückte Gesänge. Interlude vorbei, Wirklichkeit des Tonstudios wieder gefunden und Bühne frei für das nächste Element. Im Raster der bekannten Genres schweben die Künstler aus Aschaffenburg zwischen Psychedelischem, Stoner und Progressivem Rock. Mit ihrer Idee und Originellität werden MSK immer einen Schritt voraus sein, doch nun haben sie zu "Moksha" ihr erstes Musikvideo überhaupt gedreht. Ebenso zu "Prithvi", dem Opener des Albums. Die beiden Stücke sind 7 und beinahe 10 Minuten lang. Nicht wirklich die Zeit, über die man die Aufmerksamkeit aufrecht erhält für Videos, in denen nicht viel mehr passiert als entweder die tanzenden Schatten der Musiker mit ihren Instrumenten oder Animationen von der Natur in gedeckten Farben und mit ruhigen Bewegungen.

Moksha hat im Grunde nur 6 offizielle Lieder. Trotzdem dauert es sehr lange, kann also gut als längere Ruhepause benutzt werden. Zur Beruhigung und zum Abdriften, für etwas anderes könnte ich mir das Album kaum vorstellen. Wer schöne Bilder von der Dämmerung und flirrender Hitze sehen will, der ist richtig. Zum Wachwerden und in den Tag zu starten, sind My Sleeping Karma weniger geeignet, denn sie lassen dich in Hypnosezustand zurück.

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