Review

MUMIY TROLL - Malibu Alibi17.10.2015

MUMIY TROLL - Malibu Alibi

MUMIY TROLL - Malibu Alibi

verfasst von Karla the Fox

Interessantes Wissen: Der Bandgründer von Mumiy Troll ist Linguist und kann Chinesisch, ist aber Russe und hatte dort mit seinen Co-Musikern eine Weile lang sehr großen Erfolg. Mumiy Troll waren zum Beispiel 2001 beim Eurovision Song Contest am Start. Dort haben sie mit "Alpine Lady Blue" immerhin den 12. Platz belegt, was bemerkenswert ist, ist ihr Sound als Liveperformance doch recht befremdlich. Er ist dicht, geradlinig mit Keys, Synths und anderen Effekten. Bis auf ein normales Keyboard in einer Einstellung bleibt das Live weg und auch die Gesangsstimme ist nicht typisch Eurovision. Was sagt uns das über Mumiy Troll? Dass sie etwas anderes haben müssen. Rätselhaftigkeit zum Beispiel, mit Hardrock, der dennoch normal genug ist, um sich zu verbreiten.
Wie im Doom haben die Russen nebelig gespielte Grundtöne, mit darüber gelegten, ganz anderen Einzelklängen. Ilya Lagutenkos Stimme experimentiert mit sich selbst und Effekteinstellungen, die Gitarren gehen von schrill verzerrt über unverfälschte Klarheit bis zu gar nicht existent. Das ist bei genauerer Hinsicht verwirrend und hypnotisch. Die kleinen Details machen viel aus.
Stilistisch würde ich sagen Indie oder Alternative, mindestens aus den 90ern, von davor fließt nicht allzu viel ein. Jeder Song lässt den Hörer ganz anders aufhorschen. "The Girl" und "Golden Heart" bleiben mir nach dem ersten Durchlauf in den Gedanken hängen, bei nächsten Mal sind es schon wieder ganz andere Teile, nämlich "Flow Away (Utekay)" mit seiner dringlichen Monotonie und "Swimming With Sharks", nur nicht rein positiv. Da kann es passieren, dass der ein oder andere wegschaltet, der sich nicht auf Mumiy Troll einlässt.
Was sie noch sehr gut machen, ist, wie sie Melodien auf den unterschiedlichsten Wegen herstellen. Mal wird sie nur gesungen, mal von allen Instrumenten gespielt, mal rein künstlich aufgebaut. Was da genau was ist, kann ich nicht mal sagen.

Eine ganz eigene Doktorarbeit könnte über das Design des Albums geschrieben werden: zwei kleine Kinder mit Sonnenbrillen und Sonnenhüten, in verpixeltens Strandklamotten, die in einen weißen Hai 'hineingesteckt' wurden. Dem armen Tier wurde mal ebenso der Kopf abgetrennt mit einem geraden Photoshop-Schnitt und die Kiddies hocken in ihm wie in einer Strandmuschel. Fast unbemerkt schaut auf der Seite des Jungen noch eine Hand mit einem Messer heraus, das Blutfrei auf niemand bestimmten gerichtet ist. Vom Flair geht das Richtung 'kleines unschuldiges Mädchen im weißen Nachthemd schlachtet seine Familie ab - im Urlaub'.

Eine wahrlich befremdliche Band, die es dennoch zu beachtlichem Erfolg in ihrer Heimat geschafft hat. Ganz klar kein gehaltloser Pop. Ich muss mir dringend sämtliche Lyrics dazu besorgen. Das Album empfehle ich euch nur, wenn ihr Bock auf tiefgehende Alternative-Musik habt, dann aber wirklich von Herzen.

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