Review

MATT SKIBA AND THE SEKRETS - Kuts14.05.2015

MATT SKIBA AND THE SEKRETS - Kuts

MATT SKIBA AND THE SEKRETS - Kuts

verfasst von Karla the Fox

Wenn eine Band Werbung für sich selbst macht, lobt sie sich selbst. Wenn ein (zweitweiser) Solokünstler Werbung für sich selbst macht, lobt er alle anderen, die mit ihm arbeiten.

So gesehen bei Projekt-Mastermind Matt Skiba, der ganz besonderen Wert darauf legt, dass sein Produzent für das neuste Album seiner Sekrets mit seinem Hauptprojekt Alkaline Trio absolut nichts am Hut hat und trotzdem oder gerade deswegen, einen super Job hingelegt hat. Rob Schnapf, so heißt der Gute, hat stattdessen Preisabräumer Beck auf seiner Liste. Das düster-lockere aus dessen Sound findet sich tatsächlich in Kuts wieder - aber allzu anders als das Vorgängeralbum Babylon ist Kuts nicht, und von dort aus ist die Brücke nicht weit zum Trio. Kuts entfernt sich weiter vom gitarrenstarken und rauen Punk, der noch in Babylon steckt. Zu den losschmetternden Punkbands, die für Totalausfall im Kopf auf der Tanzfläsche sorgen, gehören Alkaline Trio aber gar nicht, also ist schon die Basis recht zahm.  

Noch mal zum Mitschreiben: Alkaline Trio ist eine Punkrockband, die für ihr Umfeld aber harmlos vorgeht und immer wieder mit dem Pop flirtet. Matt Skiba ist ihr Frontmann, der zwischendurch auch mal bei Blink 182 für Tom De Longe eingesprungen ist. Die Sekrets sind die Art, wie Matt nun seine eigenen Ideen und Vorstellungen durchsetzen will, ohne sich Kompromissen fügen zu müssen. Seine Hintergrundband besteht lediglich aus Jarrod Alexander (z.B. My Chemical Romance) und Hunter Burgan (z.B. AFI), der Rest ist er selbst oder wird von Gästen übernommen. Kuts, das auf dem englischen Wort für Schnitte "cuts" basiert (und was eine Zeit lang ein Slangwort für Songs gewesen sein soll), ist das zweite Album der Sekrets-Band. Das erste hieß Babylon und war noch etwas näher am Alkaline-Sound dran als Kuts.

Kuts umfasst zehn Songs, angefangen mit "Lonely and Kold" und beendet mit "Vienna". Die Benutzung des K´s anstelle eines C´s, wie es im Englischen richtig wäre, wiederholt sich in der Tracklist immer wieder: "Krazy" (ein Liebeslied), "Way Bakk When" (hört sich melancholisch an, als würde man eine alte Zeit vermissen), "Krashing" und "Hemophiliak". Was letzteres bedeuten sollte, musste ich erst nachschlagen und es ist der offizielle Begriff für die Bluterkrankheit. Man fängt also einmal an zu bluten und dann hört es nicht mehr auf... "Glücklicherweise" kann dies nur bei Männern passieren. Meint Mr. Skiba das so, dass er an einer inneren Wunder verblutet? Ich müsste mir dringend ein Booklet besorgen, in welchem ich die kompletten Texte nachlesen kann. Denn in den Songs von Kuts, wie bei allem was Matt schreibt, ist einiges verborgen, was man beim normalen Zuhören nicht mitbekommt. Zu friedlich-ruhig kommen die Lieder daher, zu gut gelaunt und poppig. Der Sound von Kuts, sowie das bereits von Fans kopierte Cover Artwork, hat einen starken Einfluss von David Bowie und seinem legendären Ziggy Stardust. Gerade die melodischen Instrument Gitarre, Keyboard und für diesen Zweck Synth, sind von dem Weltstar inspiriert.

Wenn Matt Skiba seinen Songs Namen wie "I Just Killed To Say I Love You" gibt, weiß auch jeder, dass er nicht Halt davor macht, sich mit den Größen der Musik auseinander zu setzen und auf seine Weise neu zu interpretieren.
Der Track "Never Believe" kommt mir gruselig bekannt vor, nur kann ich ihn nicht zuordnen und über "Vienna" habe ich erfahren, dass Matt es tatsächlich bei einer Fahrt durch die österreichische Stadt schrieb. Es ist für meinen Geschmack zu gewollt, er sucht bemüht nach Stadtromantik und der eigenen Vergänglichkeit. Oh Vienna, Vienna, du bist so wunderschön, aber ich muss leider weiterziehen, so was in dem Stil.

Matt Skiba and the Sekrets sind ein Projekt, in dem viel Hirn steckt, das für Matt als perfektes Ventil dient und das von einer magischen Zeitlosigkeit geprägt ist. Bei wie vielen Classic Hits weiß eigentlich keine Sau, was dahinter steckt? Selbe Gefahr sehe ich bei The Sekrets: Die Songs sind so schön und leicht verdaulich, dass nur die wenigsten aufhören und sich drauf konzentrieren werden.

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