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LORD VIGO - Under Carpathian Sun22.10.2015

LORD VIGO - Under Carpathian Sun

LORD VIGO - Under Carpathian Sun

verfasst von Robert K.

Nach 26 Jahren kommt es einer Band endlich in den Sinn, mal über den Antagonisten Lord Vigo aus Ghostbusters II zu musizieren! Anders als in besagtem Film liegt der Fokus hier aber nicht auf zur Aggression führendem Ektoschleim, sondern auf Epic Doom Metal.  Die in eigener Produktion veröffentlichte EP der Landstuhler - der Ort heißt Landstuhl - trägt den ebenso von der Kinovorlage inspirierten Namen "Under Carpathian Sun". Die Band selbst ließ sich von Bands wie Candlemass animieren, wobei sie versuchen Doom Metal mit NWoBHM-Sound zu vereinen. Ob das Kreuzen dieser Ströme glückt?

Wie es sich für Doom Metal gehört, wird man zu Beginn von einem basslastigen Track begrüßt. Der erste Titel "Vigo von Homburg Deutschendorf" erzählt uns dabei über die Geißel der Karpaten, der sich für unsterblich, einen Gott, hält. Zu schade, dass er im Film fast nur als böse dreinblickendes Gemälde zu sehen ist und schlussendlich doch nicht obsiegt. Das Kopfschütteln kann man kaum unterlassen, da gerade der Refrain Ohrwurmcharakter besitzt. Entgegen dieses Lieds, strömt "Babylon The Great" vor Tempo, für Doom-Verhältnisse, was nicht deplatziert wirkt, sondern eine willkommene Abwechslung darstellt. Das stimmungsvolle Gerüst wird durch den gekonnten Einsatz einen Synthesizer-Chors, einiger Effekte und wieder vom Bass erzeugt. An dieser Stelle sei auch die Stimme des Sänger-Schlagzeugers, Vinz Clortho, erwähnt: er versteht es, seine Stimme auf die Atmosphäre, die durchaus wechselhaft ist, anzupassen und sich einprägsam zu gestalten - beeindruckend.

Ein Nachrichtensprecher begrüßt uns zu "Ishtar - Queen Of The Night" und setzt einen düsteren Ton, wie es sich für die mesopotamische Göttin der Unterwelt gehört. Trotz der Düsterheit fehlt es auch hier nicht an Kraft. Man wird ein wenig an Power Metal erinnert, wenn man sich auf die Gitarren konzentriert, was für viele Hörer einen frischen Wind bedeuten kann. Wieder einmal bleibt auch der Refrain lange im Ohr und brennt sich ins Gedächtnis. Richtungswechsel sind wir bis hierhin ja schon gewohnt, also bleibt man dabei und präsentiert mit "The Arrival" einen sehr klassischen Doom-Song, der jedoch der Schiene des Albums weitestgehend treu bleibt. Sehr interessant ist hier der Übergang des Gesangs von tiefschwarz, wie in einem Sci-Fi-Horrorfilm à la Alien hin zum Falsett, der direkt ins Gitarrensolo mündet. Wer einmal eine musikalische Hexenjagd erleben wollte, kann sich über "Terror Witchcraft", denn hier bekommt man eine fast psychedelische, fanatische Hatz der Inquisition nach einer angeblichen Hexe zu hören. Man fühlt sich mit in ein kleines, christliches Dorf versetzt und spürt den Drang nach Reinigung vom angeblichen Übel.

Als sechster Titel nimmt uns "The Sirens" mit auf eine schiffbrüchige Expedition, die von den Sirenen ins Verderben gelockt werden soll. Der Song geht nicht vom Stil des Vorgängers ab, hat jedoch seinen eigenen Charme, der ein Gefühl der Einsamkeit und Ohnmacht vermittelt. Das abwechselnd schleppende und treibende Tempo des Schlagzeugs schafft es hier, eine Art Trance zu erzeugen, die den Hörer kaum loslässt und in Verbindung mit der umgebenden Instrumentalisierung einen Sog erzeugt. Zum Schluss wird uns "In Pago Aquilensis" geboten, welches eher an eine traurig wirkende Version eines NWoBHM-Songs erinnert und mit ein paar Momenten voll Melodiespielerei punkten will. Es endet mit einenm letzten Stoßgebet gen Himmel.

Falls es noch nicht deutlich wurde, ist diese EP großartig. Von Anfang bis Ende fühlt man sich auf das Doomigste unterhalten, auch wenn die Mischung Puristen anfangs etwas sauer aufstoßen könnte. Über die gesamte Spielzeit wird eine dichte, umklammernde Atmosphäre erzeugt, von der man sich nicht lösen möchte. Eine Dauerschleife für alle Songs kann man sich ruhigen Gewissens anlegen und wird es sicher nicht bereuen. Eine absolute Empfehlung!

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